Düren - Marathons mit 74: Helga Miketta läuft sich an die Weltspitze

Marathons mit 74: Helga Miketta läuft sich an die Weltspitze

Von: Leandra Kubiak
Letzte Aktualisierung:
10678540.jpg
Helga Miketta kurz vor ihrem Zieleinlauf beim Marathon in Lyon.
10678543.jpg
Ein eingespieltes Team: Helga und Ernst Miketta in ihrem Garten in Düren. Foto: Leandra Kubiak/privat

Düren. Der Erfolg, den sie in der vergangenen Woche erreichte, wäre vor einem Jahr noch undenkbar für Helga Miketta gewesen. Die Weltmeisterin im Marathon in der Altersklasse W70 erlebte 2014 einen herben Rückschlag: Bei einem Saunagang in ihrem Haus in Düren verlor die 74-Jährige das Bewusstsein, lag vermutlich fast eine halbe Stunde in der Hitze. Mehrere Tage lag sie im Koma, erlitt schwere Verbrennungen im Gesicht.

Beim ersten Versuch, nach dem Vorfall wieder zu trainieren, verlor sie fast die Hoffnung, je wieder laufen zu können. „Nach 300 Metern bekam ich keine Luft mehr“, erzählt sie. „Ich dachte, es wäre vorbei.“ Doch der Wille war stärker. Über das vergangene Jahr hinweg steigerte sie sich langsam, aber stetig. Für die Weltmeisterschaft in Lyon wollte sie sich trotzdem nicht anmelden. Nur durch den Zuspruch ihres Mannes Ernst Miketta traute sie sich die Teilnahme am Wettkampf schließlich doch zu und absolvierte damit bereits den vierte Lauf nach ihrem Unfall.

Mehr als 320 Wettkämpfe hat Helga Miketta schon bestritten, mehrmals einen Weltrekord aufgestellt. Vom 10-Kilometerlauf bis zum Marathon war jede Distanz dabei. Doch die Kurzstrecke ist nicht ihr Gebiet, wie sie sagt. Ihre Leidenschaft ist der Marathon. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Senioren in Lyon sicherte sie sich jetzt den Titel der Weltmeisterin im Marathon der Altersklasse W70. Die Läuferin vom Birkesdorfer Turnverein konnte sich über eine Endzeit von 3:49,31 Stunden freuen – auch wenn das Ergebnis weit über ihrer Bestzeit in dieser Altersklasse liegt. Denn 2013 stellte sie mit einer Zeit von 3:35,15 Stunden den Weltrekord in der Altersklasse W70 auf und hält diesen auch bis heute.

Mit ihr starteten in der vergangenen Woche fünf weitere Läuferinnen. Helga Miketta war die einzige Deutsche, die in dieser Altersklasse antrat. Ihr Sieg war eindeutig: Die Zweitplatzierte lief rund eine Stunde nach Miketta ins Ziel ein. „Wenn ich nicht regelmäßig laufe, dann werde ich unruhig“, sagt sie. Vor dem Start würde sie sich zwar auch manches Mal fragen, warum sie das eigentlich macht. Die Glücksgefühle beim Einlauf ins Ziel würden dann aber für alles entschädigen.

Mit dem Sport angefangen hat Miketta durch einen Zufall. Als sie in den Ruhestand ging, suchte sie nach einem Hobby. „Einfach nur Zuhause bleiben und den Haushalt machen – das wäre mir zu wenig gewesen“, sagt sie. Zuvor hatte sie lange Tennis gespielt, das war aber keine Option – das Fußgelenk machte ihr beim Spielen Probleme. Auch das Reiten hat sie einmal ausprobiert, aber auch das war nicht das Richtige.

Bei einer ersten Runde, die sie im Wald lief, traf sie dann auf den Birkesheimer Lauftreff und schloss sich diesem kurzerhand an. Das war 2001. „Damals wusste ich ja noch nicht einmal, was ein Marathon überhaupt ist!“, erinnert sie sich. Testweise trainierte sie dann mit der Gruppe, die sich auf den Köln-Marathon vorbereitete. 2002 ist sie dann erstmals selbst mitgelaufen.

Von da an hatte sie das Fieber gepackt: Sie lief in Berlin, Mainz, München und Frankfurt – sogar in Kapstadt und New York nahm sie an Wettkämpfen teil. Zwei Mal wurde sie Europameisterin in der Disziplin des Halbmarathon. In der Altersklasse der 65-Jährigen erreichte sie 2008 ihre persönliche Bestzeit im Marathon. Innerhalb von 3:27,28 Stunden legte sie die 42,195 Kilometer zurück. Immer an ihrer Seite: Ehemann Ernst Miketta. Er meldet sie bei den Wettkämpfen an, organisiert alles im Hintergrund. Und natürlich ist er in aller Regel auch am Rande der Laufstrecke anzutreffen. Selbst mitlaufen? „Das ist eher nichts für mich“, sagt Ernst Miketta. Er spielt lieber Tennis.

Eine der schönsten Strecken war für Helga Miketta der „Jungfrau-Marathon“ in der Schweiz. Zwei Mal ist sie dort mitgelaufen. Die Strecke verlangt den Teilnehmern einiges ab: 1850 Höhenmeter gilt es zu überwinden. „Die Strecke in Lyon war auch schön“, findet Miketta. Viel Grün rechts und links und stellenweise Schatten. Probleme bereitete ihr lediglich ihr linkes Bein. Ab der dritten von vier Runden bekam sie Krämpfe. Auch das Atmen falle ihr seit dem Unfall schwerer.

Ein Grund aufzuhören ist das für die 74-Jährige aber nicht. „Ich laufe so lange weiter, wie ich es kann“, sagt sie. Die Teilnahme am nächsten Marathon ist schon geplant. Im Oktober möchte sie beim Essen-Marathon rund um den Baldeneysee dabei sein. Die Strecke scheint ihr Glück zu bringen. Denn hier lief die Athletin zwischen 2011 und 2013 einen Weltrekord nach dem anderen. Von Jahr zu Jahr hat sie sich selbst übertroffen, bis sie schließlich die Spitzenzeit ihrer Altersklasse von 3:35,15 Stunden schaffte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert