Mandolinenclub: Im Walzer will die „Eins“ betont werden

Von: Gudrun Klinkhammer
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Der Mandolinenclub T.C. „Wandervogel“ Merken feiert den 95. Geburtstag. Foto: gkli

Merken. Einen Walzer zum Schwingen zu bringen ist gar nicht so leicht. Erst recht nicht, wenn 25 engagierte Laienmusiker gleichzeitig in die Saiten greifen. „Eins, zwei drei, eins, zwei, drei“, zählt Markus Ullner immer wieder und geduldig mit.

Die Eins eines jeden Taktes betont er dabei noch zusätzlich, in dem er beim Dirigieren auf der ersten Zählzeit eines jeden Taktes leicht in die Knie geht. Die Mandolinisten, Mandolaspieler, Gitarristen und der Bassist Rudolf Schwalbach des Mandolinenclubs T.C. „Wandervogel“ Merken 1920 folgen den Anweisungen und plötzlich wird aus der starren Tonabfolge tänzerische Musik, zu der die Füße automatisch anfangen, zu wippen und auch das Herz beginnt zu hüpfen.

Die Aktiven des Mandolinenclubs haben sich ganz dem aus Italien stammenden Instrument verschrieben, und das teilweise schon seit mehreren Generationen. Egal, ob Geburtstagsständchen, die Ambos-Polka oder die Komposition „Eifelwind“, der Notenfundus des Vereins umfasst mehr als 1000, meist handgeschriebene Stücke.

Mit einem zweitägigen Fest feiert der Club am Samstag und Sonntag, 22. und 23 August, in der Vereinsanlage an der Sebastianus-straße in Merken das nun 95. Jahr seines Bestehens. Gegründet wurde der Zusammenschluss von den Brüdern Michael und Hermann Schmitz im Zuge der Wandervogelbewegung 1920 als „Touristen Club“, daher auch die Abkürzung „T. C.“ im heutigen Vereinsnamen.

Die Kriegszeit legte das Vereinsleben lahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg, genauer gesagt im Jahr 1952, wurde der Verein wiederbelebt. Einer der Hauptakteure war damals Heinz Schwalbach, Vater des heutigen Vorsitzenden und Kontrabassisten Rudolf Schwalbach. Weitere Akteure, die den Verein wieder aus dem Dornröschenschlaf herausholten, waren Richard Jopek, Wienand Abels, Hubert Wolff und Gerhard Bannass. Alle diese Männer der ersten Stunde nach dem Krieg sind heute über 80, und alle sind sie nach wie vor aktiv.

100 Mitglieder aktuell

Aktuell zählt der Mandolinenclub T. C. „Wandervogel“ Merken 100 Mitglieder, davon 25 aktive Spieler zwischen dem 13. und 83. Lebensjahr. Vor drei Jahren übernahm Markus Ullner das Dirigat. Sein Vorgänger schenkte ihm einen Dirigentenstab, den er aber nur zu besonderen Anlässen in die Hand nimmt. Markus Ullner ist 44 Jahre alt, von Beruf Maschinenführer und ein Eigengewächs des Vereins.

Im Alter von zehn Jahren hörte er als Gast zum ersten Mal den Klang eines Mandolinenorchesters, das ja eben ausschließlich aus Saiteninstrumenten besteht. Er erinnert sich: „Mir gefiel die Musik und der eigenartige Klang, aus dem kein Ton eines Blasinstruments hervorsticht, auf Anhieb hervorragend.“

Er schloss sich dem Ensemble an, ließ sich auf Mandoline und Gitarre schulen und lernte später das Dirigieren autodidaktisch. Selbst sieht er sich jedoch nicht als Dirigent, sondern als Teamchef.

Ullner: „Für mich ist Musizieren im Orchester Demokratie, es macht mir sehr viel Spaß.“ Für die Musiker ist der Mann aus den eigenen Reihen ein Glücksfall, da er genau weiß, wie seine Leute „ticken“. Er sagt: „Ich weiß zum Beispiel, dass die Orchestermitglieder nicht mögen, wenn ich laut werde. Das Ansehen, vor allem der älteren Mitspieler, musste ich mir erst einmal erarbeiten, das flog mir nicht von alleine zu.“

Nun ist der Prozess des „aneinander Gewöhnens“ abgeschlossen und die Gruppe gut aufeinander eingespielt. Der Mandolinenclub stellt einmal pro Jahr eine lebende Krippe in Düren und feiert alle fünf Jahre seine Gründung.

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