Düren - Mandelring Quartett mit Haydn, Ravel und Goldschmidt

Mandelring Quartett mit Haydn, Ravel und Goldschmidt

Von: Gudrun Klinkhammer
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Das Mandelring Quartett – eine Einheit an Bogen und Saiten – verblüffte die Zuhörer im nahezu ausverkauften Theater Düren - Haus der Stadt. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Es gibt Streichquartette, die aus vier einzelnen Persönlichkeiten bestehen. Und es gibt Quartette, die sind eins. Dieser Optimalfall wird allerdings in der Regel nicht erreicht. Mit dem Mandelring Quartett betrat am Montagabend im Dürener Haus der Stadt eine überzeugende und sehr seltene Einheit die Bühne.

Veranstalter waren die Vereinigten Industrieverbände, kurz ViV.

Schon die erste Verneigung, bevor sich die Musiker überhaupt auf ihre Stühle setzten, war absolut synchron. Vielleicht liegt es daran, dass drei der vier Künstler Geschwister sind und sich ausgezeichnet kennen.

Sebastian Schmidt und seine Schwester Nanette Schmidt spielen Violine, Bruder Bernhard Schmidt Violoncello. Alle drei sind begehrte Lehrer beziehungsweise Professoren. Andreas Willwohl übernimmt seit einigen Wochen den Violapart. Willwohl war von 2001 bis 2012 Solobratscher des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und wurde 2011 als Professor an die Musikhochschule Nürnberg berufen. Er ist Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe wie des Concours International de Bordeaux.

Das Mandelring Quartett, das heute zu den erfolgreichsten Quartetten auf internationaler Bühne zählt, formierte sich zu Beginn der 1980er Jahre. Damals begannen die Geschwister Schmidt gemeinsam mit einer Mitschülerin, bei festlichen Anlässen als Streichquartett aufzutreten. Die Auftritte häuften sich und 1983 wurde das Mandelring Quartett aus der Taufe gehoben, benannt nach einem Probenort – einem ehemaligen Weingut an einer Ringstraße – eben umgeben von Mandelbäumen.

In Düren präsentierte das Streicher-Traumteam drei musikalische Sonnen: Das Streichquartett D-Dur op. 71/2 von Joseph Haydn, das Streichquartett Nr. 2 von Berthold Goldschmidt und das Streichquartett F-Dur op. 35 von Maurice Ravel. Erfrischend und vergnüglich das wohl gängigste Werk des Abends, 1793 komponiert von „Papa“ Haydn, dem Vorreiter vieler Kompositionselemente, dem Gründer der Gattung Streichquartett und dem Mentor vieler Musiker.

Das viersätzige Werk durchliefen die Künstler in einer eher unbekannten Perfektion und Teamfähigkeit. In die wohl schwerste Kost des Abends, dem Goldschmidt-Streichquartett, führte Sebastian Schmidt ein. 1989 lernten die Geschwister Schmidt den damals bereits hochbetagten Komponisten in Schleswig-Holstein persönlich kennen. Sebastian Schmidt: „Trotz seiner Lebens- und Leidensgeschichte handelte es sich um eine humorvolle, witzige und ideenreiche Persönlichkeit.“

Der 1903 in Hamburg geborene Komponist jüdischer Abstammung studierte in Berlin bei Franz Schreker, doch musste er 1935 vor den Nazis fliehen. Er ging nach England. 1936 verarbeitete er seine Flucht in den vier musikalischen Streichquartett-Sätzen. „Allegro molto e con fuoco“ heißt es zu Beginn.

Die Musik gibt die Hetze, das Gehetzsein und die Schnelligkeit der Flucht wieder, interpretierte Sebastian Schmidt. Das „Scherzo“ zeigt die Findungsphase in der neuen Welt, der Satz „Folia“ die unendliche Traurigkeit. Im „Finale“ erwacht das Berlin der 1920er Jahre, eine Rückschau auf glückliche Zeiten. Akustisch war das hochkomplexe Werk nicht nur für die versierten Musiker eine große Herausforderung. Auch die Zuhörer mussten wachsam sein, um sich in der polytonalen Welt zurechtzufinden. Ravel füllte den zweiten Konzertteil aus. Auch hier: Ein musikalischer Aufbruch. Ravel, damals Ende 20, betritt die Welt des Impressionismus.

Der Erfolg und der Applaus, der dem Mandelring Quartett zufliegt, ist hochverdient. Das Konzert wird am 20. Januar um 20.05 im WDR 3 gesendet.

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