Düren - Manchmal ist die Kunst ein hartes Pflaster

Manchmal ist die Kunst ein hartes Pflaster

Von: Sylvia Dietl
Letzte Aktualisierung:
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Viel Kreativität und Engagement zeigte die Familie Arndt aus Niederzier, die eine lebhafte und bunte Straße mit Kreisverkehren kreierte. Foto: Dietl

Düren. „Habt Ihr Euch schon mal auf ein Kunstwerk gesetzt?”, fragte Jeannine Bruno, die Leiterin der Museumspädagogik im Leopold-Hoesch-Museum, ihre jungen Zuhörer. Üblich ist das zumindest nicht, so die einhellige Meinung der neun Kinder und Jugendlichen, die mit ihren Eltern zum ersten Familienworkshop in die Werkloge des Museums gekommen waren.

Doch an diesem Tag erlebten sie eine ganz neue, praktische Sinneserfahrung mit einem Artefakt. Denn das reale Kunstwerk, mit dem sie konfrontiert wurden, ist ein hartes Pflaster, eine Straße nämlich, und das erste Kunstobjekt im Leopold-Hoesch-Museum, über das man als Besucher flanieren kann: Betreten und hinsetzen ist ausdrücklich erwünscht. Und das taten die Gäste auch - voller Neugier wie das Stück Weg wohl zu deuten sei.

Jede Menge Ideen

Der Bildhauer Georg Schneider (Peill-Preisträger 2008) zeigt die Installation „Marienstraße” (2010), die sich mit einem spezifischen Phänomen der Dürener Region auseinandersetzt, dem Tagebau. Ein originaler Straßenabschnitt aus der Gemeinde Inden-Pier, deren Bewohner wegen Abbauarbeiten umgesiedelt wurden, ist von Schneider ins Museum transportiert worden. „Der Künstler wollte ein Stück Straße bewahren und zeigen, was es bedeutet, wenn sie nicht mehr da ist”, erklärte Bruno und regte weiter die Phantasie der Kinder an: „Was kann sich auf einer solchen Straße alles ereignen? Wie stellt ihr Euch eine Straße vor?”

Inspiriert von diesem ungewöhnlichen Kunstgegenstand hatten die jungen Workshop-Teilnehmer jede Menge Ideen. Die konnten sie anschließend in der Werkloge des Museums selbstständig und mit etwas Hilfestellung der Kursleiterin Jeannine Bruno und der Museumshelferin Valerie Barth kreativ umsetzen. Ausgestattet mit großem Kartonpapier, Tonmasse, Buntstiften, Wachsmalkreiden und professionellem Architektenmaterial, wie grünem Streumehl oder kleinen Naturästen, machten sich die jungen Künstler ans Werk. „Wir haben uns rasch geeinigt, wie wir vorgehen”, erzählte die 15-jährige Pia aus Rölsdorf, die mit ihren zwei jüngeren Geschwistern eine kurvenreiche Landstraße mit Bäumen und einer Brücke gestaltete. „Helene macht die Büsche, Jonas modelliert die Autos, und ich mache alles andere.”

Dass die spielerische Annäherung an Kunst auch für Erwachsene interessant sein kann, bewiesen Ulrike und Frank Arndt aus Niederzier, die mit ihren dreijährigen Zwillingen Fiona und Frederik an dem Workshop teilnahmen. „Wir wollen die Kreativität und das Kunstverständnis schon früh fördern”, sagte Frank Arndt und übernahm begeistert die „Bauleitung” der Arndtschen Straße. Die Kleinen hatten Spaß, und auch Ulrike Arndt freute sich über das kunstpädagogische Angebot: „Das Konzept der Werkloge überzeugt uns, weil wir die Gelegenheit haben, Kunstvermittlung als Familie zu erleben und dabei kreativ zu sein.”

Einmal pro Monat in die Werkloge des Museums

Das Leopold-Hoesch-Museum lädt einmal im Monat am Sonntagnachmittag zu einem Familien-Workshop in die Werkloge ein. Jedes Kind kann ein erwachsenes Familienmitglied mitbringen und sich auf die Spuren der Künstler und ihrer Werke begeben.

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