„Man kann eine Kirmes nicht auf links drehen“

Von: Jörg Abels
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Attraktiv oder langweilig? An der Gestaltung der Annakirmes scheiden sich die Geister. Vieles ist denkbar, aber nicht alles umsetzbar. Viele Faktoren beeinflussen den Platzaufbau. Foto: Jörg Abels
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Erklären, was beim Annakirmes-Aufbau alles zu beachten ist: Achim Greiff und Jürgen Fischöder (r.).

Düren. Immer das gleiche Raster, kein Veränderungswille, zu wenig Neuheiten: Die Mitte Dezember von der „Ampel“-Koalition geäußerte Kritik an der Art, wie Achim Greiff vom städtischen Vermessungsamt die Annakirmes plane, fiel heftig aus.

Ohne sich im Vorfeld mit dem Platzmeister abgestimmt zu haben, legte Hubert Cremer (FDP), Vorsitzender des für die Platzvergabe zuständigen Steuerausschusses, einen eigenen, am heimischen Küchentisch entworfenen Lageplan vor, der gut zwei Dutzend Änderungen beinhaltete, ohne aber die Frage der technischen Umsetzung berücksichtigt zu haben.

Dies hatte zur Folge, dass der Steuerausschuss nicht wie geplant kurz vor Weihnachten über die Zulassung der Schausteller entscheiden konnte. Dies soll nun am 27. Januar erfolgen. Allerdings muss schon heute damit gerechnet werden, dass diese Verspätung Auswirkungen hat. Dem Vernehmen nach hat sich nach Bekanntwerden der „Ampel“-Pläne der eine oder andere Schausteller bereits anderweitig orientiert, um Planungssicherheit für seine Reise zu haben.

Greiff, der wie immer in den vergangenen neun Jahren die Sommermonate genutzt hatte, um sich bundesweit auf anderen Volksfesten neue Attraktionen anzuschauern, hatte nach Ende der Bewerbungsfrist Ende Oktober am Erscheinungsbild der Annakirmes 2016 getüftelt und mit dem Beschlussvorschlag für den Steuerausschuss einen Lageplan erarbeitet. Ein Vorschlag, der zum Beispiel neben alternativen Großachterbahnen auch Neuheiten beinhaltete, versichert der Platzmeister. Veränderungswünsche seien das ganze Jahr 2015 über nicht an ihn herangetragen worden.

Achim Greiff und Jürgen Fisch-öder, Abteilungsleiter Vermessung, weisen die Kritik der „Ampel“ zurück. Mit den ohnehin immer seltener werdenden Neuheiten müsse man bewusst umgehen, um auch im kommenden Jahr noch Topattraktionen bieten zu können, betonen sie. „Nicht der Schrei nach Neuheiten macht eine Kirmes aus, sondern eine lebendige Kirmesatmosphäre“, betont Fischöder. Und für die sorge die Kirmesverwaltung seit Jahrzehnten mit einem „ausgewogenen Verhältnis von Bewährten und Neuem“, erklärt Greiff. „Die Platzierung der Geschäfte auf dem Platz ist gut überlegt.“ Man könne einen Kirmesplatz nicht einfach mal auf links drehen.

Warum das nicht geht, erklären Achim Greiff und Jürgen Fischöder an einer Vielzahl von Beispielen. Dabei stehen der Anschluss an die vorhandene Strom-, Wasser- und Abwasserinfrastruktur und die Erreichbarkeit der Verteilstellen bei etwaigen Störungen mit an oberster Stelle. So schränkt zum Beispiel schon die Kapazität der Stromverteiler die Zahl möglicher Verbraucher und damit Fahrgeschäfte ein.

Auch die Breiten der Lauf-, Flucht- und Rettungswege müssen berücksichtigt werden. Vor allem müssen Neuheiten, die traditionell nicht nur viele Fahrgäste, sondern Menschentrauben staunender Besucher anlocken, so platziert werden, dass es nicht zu einem Rückstau kommt. Hauptattraktionen an zu engen Laufwegen könnten vor allem an besucherstarken Tagen zu einer kritischen Personendichte führen, betonen die Experten der Verwaltung. Daher platziert Greiff Neuheiten und Hauptattraktionen in der Regel an Weggabelungen. Mindestens ebenso wichtig seien eine geschlossene Budenfront und das Vermeiden von Stolperstellen in Form von Podesten.

„Die Platzgestaltung muss so beschaffen sein, dass sie für Besucher aller Altersgruppen an jedem Ort und zu jeder Zeit interessant ist“, betont Greiff. Das sei ein Grund, warum beispielsweise Kinderfahrgeschäfte nicht nur im vorderen Teil, sondern quer über den ganzen Platz verstreut zu finden sind. „Es verbietet sich, Geschäfte ähnlicher Bauart nebeneinander zu stellen“, betont Greiff. Nicht nur, dass die Attraktivität jedes einzelnen Fahrgeschäftes darunter leiden würde: „Der Besucher empfindet das auch eher als langweilig.“

Landmarken zur Orientierung

Wichtig sind aus Sicht des Platzmeisters zudem feste Punkte: „Das Riesenrad, der Achterbahnplatz, der Neuheitenplatz oder die Autoscooter stellen sogenannte Landmarken dar, an denen sich die Besucher orientieren. Sie dienen wie auch viele Biergärten als Treffpunkte und sind im Rahmen des Sicherheitskonzeptes des Volksfestes wichtige Orientierungshilfen für die Besucher.“ An ihnen sollte nicht gerüttelt werden.

Und auch die Anwohner spielen eine Rolle: Der vom Kirmesplatz ausgehende Geräuschpegel muss so eingeschätzt werden, dass die Anlieger nicht über Gebühr strapaziert werden. „Deshalb sind zum Beispiel im Bereich zwischen Aachener und Langenberger Straße keine lauten Geschäfte anzutreffen“, erklärt Greiff.

Wie es nun weitergeht? Greiff, der zwischenzeitlich erkrankt war, hat mittlerweile 25 der 27 von Hubert Cremer und der „Ampel“ gewünschten Veränderungen so berücksichtigt, dass sie auf der Annakirmes umgesetzt werden könnten. Zur Frage, ob das auch sinnvoll wäre, wollen sich die Experten der Verwaltung nicht äußern. Das müsse der Steuerausschuss auf Basis der Vergaberichtlinien entscheiden.

Nach informellen Abstimmungsgesprächen in den vergangenen Tagen scheint sich aber ein Kompromiss anzudeuten. „Wir haben ein großes Interesse an einem harmonischen Miteinander mit der Politik, um die Annakirmes nicht zu gefährden“, betont Greiff. Ob nach einer Entscheidung des Steuerausschusses am 27. Januar auch alle ausgesuchten Schausteller noch zur Verfügung stehen, ist offen. 

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