Malteser Hilfsdienst: Positive Bilanz der Flüchtlingsarbeit

Von: Jörg Abels
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In der ehemaligen Kaserne Gürzenich-Wald können bis zu 1300 Flüchtlinge untergebracht werden, aktuell sind es 320. Foto: Abels
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In der ehemaligen Kaserne Gürzenich-Wald können bis zu 1300 Flüchtlinge untergebracht werden, aktuell sind es 320. Foto: Abels
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Werner Lüttgen von der Bezirksregierung Köln (2.v.r.) berichtet mit (v.l.) Hicham Fallah, Axel Rottländer und Maurizio Cremonesi vom MHD aus dem Alltag. Foto: Abels

Gürzenich. Mit Greifzange und Müllsack sorgt ein junger Flüchtling entlang der Straßen für Ordnung. Ein alltägliches Bild in der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Kaserne Gürzenich-Wald, im Behördendeutsch des Landes Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) Düren II genannt.

„Die Pflege der Außenanlagen gehört ebenso zu den Aufgaben, die die Flüchtlinge übernehmen, wie Gartenarbeit und Hausmeistertätigkeiten“, erklärt Maurizio Cremonesi vom Malteser Hilfsdienst (MHD). Freiwillig, betont er. Auch für die Sauberkeit in den mit vier bis acht Personen belegten Zimmern sind die Flüchtlinge selbst verantwortlich.

320 von 800 Plätzen belegt

Die Hilfsorganisation betreut mit 70 Mitarbeitern seit anderthalb Jahren im Auftrag der Bezirksregierung Köln die Einrichtung des Landes NRW in Gürzenich, die eine Kapazität von 800 und eine Notreserve von weiteren 500 Plätzen hat. Voll ausgelastet war sie nur im November 2015, Anfang 2016 sank die Zahl der Hilfesuchenden sogar auf unter 100.

Zurzeit werden rund 320 Flüchtlinge aus 25 Nationen betreut. Die meisten kommen aus dem Irak, aus Syrien, Ghana, Guinea und dem Iran, einzelne auch aus China, der Ukraine und Usbekistan. Der Außenstehende würde bei einem solch breiten Spektrum Probleme bei der Verständigung vermuten. Weit gefehlt: „Unsere Betreuer decken zwischen 80 und 90 Prozent aller Sprachen ab“, betont Cremonesis Stellvertreter Hicham Fallah. Selbst Chinesisch sei kein Problem, bei Bedarf funktioniere die Verständigung sogar über Gebärdensprache.

Die ZUE Düren II ist eine von elf Einrichtungen ihrer Art im Regierungsbezirk Köln und hat eine langfristige Perspektive. „Wir sind mit der Arbeit der Malteser sehr zufrieden und haben den Vertrag gerade erst um mehrere Jahre verlängert“, teilt Werner Lüttgen von der Kölner Behörde mit. Er leitet die Einrichtung, überwacht mit drei Kollegen die Arbeit der Malteser, ist zugleich aber auch Ansprechpartner für die Hilfesuchenden.

Täglich können neue Flüchtlinge nach Gürzenich kommen, zugewiesen von den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes in Köln, Bonn und Essen. Maximal sollen sie sechs Monate in der ZUE bleiben, durchschnittlich sind es etwa vier, bis sie einer Kommune zugewiesen werden oder aber ihr Asylantrag abgelehnt wird. Eine Zeit, die nicht ungenutzt bleibt, betont Axel Rottländer, Flüchtlingskoordinator beim MHD. Denn die Malteser kümmern sich nicht nur um die Verpflegung und die medizinische Versorgung der Flüchtlinge, sondern vermitteln bei Interesse zusätzlich zu Sprachkenntnissen auch „eine Art Gebrauchsanweisung für Deutschland“, wie es Rottländer nennt.

Ein freiwilliges Angebot, in dem ganz profane Dinge erklärt werden, vom Einkaufen bis zum Busfahren. Auch Aufklärung über den Umgang der Geschlechter und die in Deutschland akzeptierten Lebensformen gehört dazu. Finanziert wird dieses Angebot der Malteser vom „BAMF“, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Und es ist so erfolgreich, dass es in Zukunft auch auf andere Einrichtungen übertragen werden soll, betont der MHD-Flüchtlingskoordinator. Kinder und Jugendliche werden zudem vor Ort unterrichtet.

Was die MHD-Verantwortlichen und Werner Lüttgen hervorheben, ist die geringe Zahl an Konflikten. Die Polizei, die immer noch Präsenz zeige, aber lange nicht mehr so oft wie in den ersten Wochen vor Ort sei, müsse nur höchst selten eingreifen, betont Cremonesi. „Wir hatten hier bislang weder den Fall, dass Mobiliar angezündet wurde, noch Rudelbildungen und andere Tumulte“, berichtet der Betreuungsleiter. „80 bis 90 Prozent der Probleme lösen wir vor Ort mit den Vertretern der Bezirksregierung.“ Die meisten Beschwerden beziehen sich auf das Essen, das anders als in der Heimat ist, oder die Verweildauer in der umzäunten Einrichtung. Die Flüchtlinge können die ehemalige Kaserne zwar jederzeit verlassen, haben aber Residenzpflicht. Sie dürfen nicht woanders wohnen.

Die Malteser versuchen, die Eintönigkeit des Alltags immer wieder zu durchbrechen. Sie haben Kontakte zu Vereinen in Gürzenich geknüpft, bieten zum Beispiel Ausflüge in den Jülicher Brückenkopfpark an oder, weil kochen aus Hygienegründen nicht erlaubt ist, extern die Möglichkeit, Gerichte aus der Heimat zubereiten zu können, berichtet Fallah.

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