Makaber und bissig: Die Eifel-Gäng schlägt zu

Von: Axel Keldenich
Letzte Aktualisierung:
13957916.jpg
Ralf Kramp, Günter Hochgürtel und Manfred Lang (von links) begeistern ihr Publikum in Zerkall mit bissig-ironischen Geschichten und Liedern im Eifeler Platt. Und sie haben vor allem selbst viel Spaß im Zusammenspiel. Foto: Axel Keldenich
13957911.jpg
Komponist Günter Hochgürtel schwingt gerne die Axt, während „Hochwürden“ Manfred Lang in der Not schon mal zur Mistgabel greift. Foto: Keldenich
13957913.jpg
Komponist Günter Hochgürtel schwingt gerne die Axt, während „Hochwürden“ Manfred Lang in der Not schon mal zur Mistgabel greift. Foto: Keldenich

Zerkall. Die Musik beginnt, die Saaltür geht auf und herein kommen drei offenbar gewaltbereite Typen. Ein Diakon im Talar, bewaffnet mit einer Mistgabel, ein Gangster in Trenchcoat und Schlapphut schwingt eine riesige Axt und ein offenbar verstörter Jägersmann mit Flinte stolpert durchs Publikum, weil er die falsche Brille aufhat.

Statt die Flucht zu ergreifen, bleiben die knapp 100 Gäste im proppenvoll besetzten Nationalpark-Infopunkt in Zerkall nicht nur ganz ruhig, sondern begrüßen das Trio mit Applaus. Der Auftritt der „Eifel-Gäng“ gibt schon klare Hinweise auf den Stil dessen, was in den nächsten gut drei Stunden überaus unterhaltsam vorgetragen wird.

Im wirklichen Leben ist Günter Hochgürtel (der Mann mit der Axt) Journalist, Sänger, Komponist und Bandleader, Ralf Kramp, der Jägersmann, ist Autor und Verleger und Manfred Lang, der Diakon, ist: Diakon, wobei er auch eine Presseagentur betreibt und Schafe züchtet. So bunt wie die Professionen ist auch das, was die Gäng auszeichnet. Einer singt, einer trägt vor, und einer erzählt. Verbindendes Glied ist natürlich immer die Eifel, weswegen auch vieles auf Platt daher kommt.

So weiß Manni Lang, dass zu jeder Dörps Kirmes eine zünftige Schlägerei gehört. Damit dabei außer den Nasen und Lippen nichts kaputtgeht, fordert man den – oder die – Kontrahenten vorher auf, die Brille abzusetzen, das Lokal oder Zelt zu verlassen und erst draußen loszulegen. Für das dann Folgende zählt Lang 66 Ausdrücke im Eifeler Platt, von Kloppen über Hauen bis zu sehr spezifischen Ausdrücken einzelner Landstriche. Und dann lernt er noch einen dazu, als aus dem Publikum der Begriff „Väme“ genannt wird.

„Okay, also 67“, kommentiert er trocken und notiert sich das Gelernte. Wenn Ralf Kramp Kurzgeschichten oder Gedichte vorträgt, ist klar, dass am Ende immer eine makabre Pointe steht. Ebenso kurzes wie prägnantes Beispiel: „Ich such‘ seit einem Jahr genau den Mörder meiner Frau – da gibt’s gar nichts bei zu lachen: Keiner will es machen!“ Meist kommen seine Geschichten dabei aber noch hinterlistiger ‘rüber, inklusive der Pflicht, hier und da ein wenig um die Ecke zu denken.

Günter Hochgürtel besingt gerne Eifeler Szenen und Orte, singt aber auch von Liebe, Glück, Treue und dem Gegenteil von all‘ dem. Dabei kommentiert er jedes Lied charmant und witzig, wobei er, wie auch seine beiden Mitstreiter, gerne das Publikum einbezieht. Ein Liebeslied erklärt er als „Auftragsarbeit meiner Frau“. Als er von einem „schrecklichen“ Weib namens Annegret singt und eine Zuhörerin protestiert, weil sie diesen Namen trägt, fordern Kramp und Lang ihn mitten im Lied auf, sich in aller Form zu entschuldigen.

Überhaupt haben die drei ganz offensichtlich Spaß an ihrem Tun, denn immer wieder gibt es von den beiden gerade nicht Beschäftigten kurze Einwürfe oder sie untermalen mit gespielten Gags den gerade laufenden Vortrag. Beim letzten Hochgürtel-Lied mimen Lang und Kramp so herrlich zwei gelangweilt Eingeschlafene, dass Hochgürtel selbst aus dem Text kommt und das Publikum den „Randfiguren“ Szenenapplaus spendiert.

Und als es gleich am Anfang um Eifeler Speisen geht, entdeckt Kramp die Zettel mit dem Speisenangebot an der Wand, auf dem auch „Robis Metzgerwurst“ angepriesen wird. Sofort fordert er das Publikum auf, diese auch reichlich zu bestellen. Der Tipp wird zum Running Gag des Abends und schließt selbigen dann auch nach der letzten Zugabe und stürmischem Applaus ab.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert