„Made in Germany“ bei langer Nacht der Industrie hautnah erleben

Von: Gudrun Klinkhammer und Ines Kubat
Letzte Aktualisierung:
11153463.jpg
Einen seltenen Einblick gewährte die Dürener Industrie am Donnerstagabend: Die Besucher lernten die Arbeitsprozesse der Firmen kennen. An vielen Stellen durfte man sogar die fertigen Produkte nicht nur in Augenschein sondern sogar in die Hand nehmen. Foto: Ines Kubat (2), Gudrun Klinkhammer (2)
11153465.jpg
Einen seltenen Einblick gewährte die Dürener Industrie am Donnerstagabend: Die Besucher lernten die Arbeitsprozesse der Firmen kennen. An vielen Stellen durfte man sogar die fertigen Produkte nicht nur in Augenschein sondern sogar in die Hand nehmen. Foto: Ines Kubat (2), Gudrun Klinkhammer (2)
11155319.jpg
Einen seltenen Einblick gewährte die Dürener Industrie am Donnerstagabend: Die Besucher lernten die Arbeitsprozesse der Firmen kennen. An vielen Stellen durfte man sogar die fertigen Produkte nicht nur in Augenschein sondern sogar in die Hand nehmen. Foto: Ines Kubat (2), Gudrun Klinkhammer (2)
11155323.jpg
Einen seltenen Einblick gewährte die Dürener Industrie am Donnerstagabend: Die Besucher lernten die Arbeitsprozesse der Firmen kennen. An vielen Stellen durfte man sogar die fertigen Produkte nicht nur in Augenschein sondern sogar in die Hand nehmen. Foto: Ines Kubat (2), Gudrun Klinkhammer (2)

Düren. Blassgelbes Flutlicht strahlt über das Gelände, Rauch quillt in dicken Wolken aus den Schornsteinen, während der Mond zwischen den Fabrikhallen des Chemie-Unternehmens Grace in Niederau zur „Langen Nacht der Industrie“ aufgeht.

Denn am Donnerstagabend waren bei Grace nicht nur die Nachtschichtler unterwegs, sondern auch wissbegierige Besucher. Die „Lange Nacht der Industrie“ gibt es seit fünf Jahren in ganz Deutschland, erstmals luden nun auch einige Dürener Unternehmen zu sich ein. Knapp 500 Besucher verteilten sich auf fünf verschiedene Touren, jede führte zu zwei Unternehmen.

Michael Linn von der Wirtschaftsförderung der Stadt Düren begleitete eine dieser Touren: „Die Teilnahme Dürens an der ‚Langen Nacht der Industrie‘ wertet unseren Wirtschaftsstandort ungemein auf.“ Die Kreisstadt hat rund 90.000 Einwohner und circa 3000 Unternehmen. Darunter international agierende Firmen, moderne High-Tech-Unternehmen und zukunftsorientierte Mittelständler, die von Düren aus die Weltmärkte erobern.

Michael Linn: „Die Firmen öffnen ihre Türen, um Verständnis für die Industrie zu wecken.“ Thilo Rönspieß, Werksleiter von Grace Silica, bestätigte das. „Wir sind in urbanem Gebiet angesiedelt. Wenn die Nachbarn hören, dass wir ein Chemieunternehmen sind, haben sie erst mal Bedenken. Dieser Abend ist für uns eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass wir nicht gefährlich sind.“ Grüppchenweise führten seine Mitarbeiter knapp 50 Besucher durch die Hallen und zeigten den Produktionsablauf.

Grace Düren ist eine Tochter der Holding Grace Europa. Das Dürener Werk mit seinen rund 100 Mitarbeitern hat sich auf die Herstellung sogenannter gefällter Kieselsäure und Silikate spezialisiert. Das sind pulvrig weiße chemische Substanzen, die man in Zahnpasta wiederfindet. Sie kommen aber auch in anderer Zusammensetzung in Lacken, Farben, in der Papierproduktion und der Autoreifenherstellung vor. „Es ist vollkommen ungiftig. Das Pulver könnten sie essen“, sagte Qualitätsspezialist Jochen Wirtz und führte durch den Produktionsablauf: In der ersten Halle dreht sich ein gigantischer Behälter. Hitze wie bei einem Ofen strahlt von ihm aus: Darin werden Soda und Sand unter Wärme verschmolzen – heraus kommt sogenanntes Wasserglas, das später zu einer milchigen Flüssigkeit gelöst wird. Danach wird diese getrocknet und schließlich in unterschiedlicher Körnung gemahlen.

Die Besuchergruppe – eine bunte Mischung aus Auszubildenden, Studenten, Senioren, Frauen und Männern – zeigte Interesse für den gesamten Ablauf. Aber es gab auch Fachleute unter den Gästen, zum Beispiel Patricia Garcia. Die gelernte Chemie-Ingenieurin packte die Gelegenheit direkt beim Schopf, und stellte sich selbstbewusst dem Werksleiter Rönspieß vor: „Ich suche einen Job.“ Denn die Industrienacht bietet eine Gelegenheit, in ungezwungener Atmosphäre mit den Personalern in Kontakt zu treten.

Das ist auch ein wichtiger Grund, warum die metallverarbeitende Firma Neapco einen Abend lang ihre Türen öffnete: „Wir sind ein wachsendes Unternehmen“, sagt Werksleiter Frank Lamberty, „und wir suchen händeringend nach neuen Fachkräften – seien es Schulabgänger oder fertig Ausgebildete.“ Seine Mitarbeiter nutzten die Industrienacht, um potenziellen neuen Kollegen ihr Unternehmen auf dem ehemaligen Ford-Gelände zu präsentieren. Seit 2010 gehört die ehemalige Firma „Tedrive“ zur amerikanischen Holding Neapco, die nun in Düren ihren größten Standort mit knapp 90.000 Quadratmeter betreibt.

Die rund 900 Mitarbeiter fertigen Teile für die Automobilbranche – darunter hauptsächlich Antriebswellen, Differentiale und sonstige kleinere Komponenten. Hauptkunden des Unternehmens sind Ford, BMW, und Volkswagen. Im Eiltempo erhielten die Besucher einen kleinen Einblick in die verschiedenen Tätigkeiten rund um Metallteile: Hier wurde geschliffen, Einzelteile wurden mit einem Laser verschweißt. Dort prüften Mitarbeiter die Qualität ihrer Produkte. Besonders eindrucksvoll zeigte die Führung, welche minuziöse Planung ein solches Unternehmen erfordert: Jeder Arbeitsablauf in der Halle folgt einem genauen Plan und wird dokumentiert. „Hier darf nirgends Material einfach herumstehen – alles hat seinen Platz und seine Funktion.“

Ähnlich geht es auch bei Andritz Pulp & Paper zu, deren Betriebsleiter Manfred Bonn die Gäste an der Lommessemstrasse begrüßte. Seit 38 Jahren ist Bonn Mitarbeiter des Unternehmens, das früher Kufferath hieß. Der Fachmann stellte zunächst den Betrieb vor. Dann starteten die Gäste unter fachkundiger Führung einen Rundgang. Andritz Pulp&Paper stellt Siebbespannungen, technische Gewebe und Architekturgewebe her. Unter anderem die Papierindustrie gehört zu den Abnehmern. Der Hauptsitz der Firma ist Düren, ein weiterer Produktionssitz ist in Levice in der Slowakei. Seit 2008 gehört die Firma, die von 1782 bis 2008 als Familienunternehmen geführt worden war, zur österreichischen Konzerngruppe Andritz. 500 Mitarbeiter, 250 in Düren, 250 in der Slowakei, sorgen für qualitativ beste Produkte.

Während an der Rur ausschließlich Siebe und Gewebe aus Kunststoff gefertigt werden, werden in der Slowakei Nähte gearbeitet und Metallgewebe hergestellt. Zum Angebot der Firma, die international unterwegs ist, gehört nicht nur die Herstellung des Produkts selber, sondern auch ein passender Service. Tag und Nacht rattern in Düren 24 Webstühle, 7,5 bis 15 Meter breit. Das längste Gewebe, das bisher die Fabrik in Düren verlassen hat, war 149 Meter lang.

Mit großem Interesse verfolgten die Besucher die Ausführungen der Mitarbeiter. Nicht minder groß war das Interesse in der Maschinenbaufirma SDM an der Veldener Straße. Geschäftsführer Josef Jansen und seine drei Söhne Stefan, Daniel und Manuel stellten den Betrieb mit seinen 45 Mitarbeitern vor. 1951 erwachte unter der Führung von Großvater Johann Mohren und Vater Leo Jansen eine Schlosserei und Kupferschmiede, die Mohren Apparatebau KG. Bis 1995 war diese in Gürzenich ansässig und beschäftigte 80 Mitarbeiter. 1995 zog Josef Jansen in Lendersdorf auf dem alten Hoeschgelände die Firma Otec auf, die sich mit Oberflächenbehandlung von Edelstahl befasst. 2008 entschloss sich der Unternehmer, noch einmal etwas Neues zu wagen. Er holte seine drei Söhne, allesamt Ingenieure, mit ins Boot. Gemeinsam gründete das Quartett den Apparatebauer. Am alten Standort des Großvaters in Gürzenich entstand die Dachfirma SDM.

Der Standort an der Veldener Straße kam hinzu, ebenso einer in Vussem bei Mechernich. Als vorteilhaft beschreibt der Senior die Nähe zu deutschen Großkonzernen: „Eventuell wird in China, Indien und Korea kostengünstiger produziert, aber wir hier vor Ort können viel schneller agieren und liefern. Die Schnelligkeit und die Qualität, das ist unsere Stärke. Made in Germany findet nicht nur in der Großindustrie statt.“

Sehr aufmerksam hörte Michael Quast, 16 Jahre alt und Schüler des Rurtalgymnasiums, zu: „Ich überlege, Maschinenbau zu studieren, da kam das Angebot der ‚Langen Nacht‘ der Industrie gerade richtig, um mal einen Einblick zu erhalten.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert