Made in Düren: Vier Millionen Glühweintassen

Von: Ingo Latotzki
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Bedruckte Tassen, Becher und Gläser sind ihr Geschäft: Hartmut und Guido Schlepütz (rechts) führen das Gürzenicher Unternehmen Mohaba. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Made in Düren: Das Markenzeichen gibt es nicht offiziell, es steht aber für eine Vielzahl von Unternehmen, die in der Stadt ihren Sitz haben und Arbeitsplätze schaffen. Nicht selten sind sie gar nicht mal so bekannt, in der Welt der Wirtschaft werden sie deshalb gerne als „hidden Champions“ (heimliche Gewinner) bezeichnet. In Gürzenich gibt es seit fünf Jahrzehnten die Firma Mohaba (15 Beschäftigte), die in diesen Tagen in aller Munde sein könnte.

Wer gerne Glühwein trinkt und auf einem Weihnachtsmarkt gewesen ist, hat gute Chancen, aus einem Glühweinbecher von Mohaba getrunken zu haben. Die Dürener Firma lässt rund vier Millionen Glühweintassen im Jahr produzieren. DN-Redakteur Ingo Latotzki sprach mit den beiden Geschäftsführern Hartmut, 65, und Guido Schlepütz, 40, über die kreativ-gestalteten Becher, das Engagement von Mohaba in China und auch darüber, wie es ist, wenn Vater und Sohn ein Unternehmen führen.

Was bedeutet der Name „Mohaba“?

Hartmut Schlepütz: Mohaba resultiert ursprünglich aus einem Tochterunternehmen der Rölsdorfer Firma „Elino“. Der Name bedeutet: Montage-Hausbau. Meine Eltern haben mir erzählt, dass es sich um ein Unternehmen gehandelt hat, das nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Schutt Fertigbauteile hergestellt hat. Als dann 1954 ein Glasveredelungsunternehmen gegründet wurde, hat man lediglich den eingetragenen Namen übernommen, um Kosten zu sparen.

Unter welchen Umständen sind Sie ins Unternehmen eingestiegen?

Hartmut Schlepütz: Mein Vater war leitender Elino-Mitarbeiter und hat irgendwann die Geschäftsanteile der neuen Tochter gekauft, das war Anfang der 1960er Jahre. Seit dem gehört „Mohaba“ der Familie Schlepütz. Ich bin seit 1978 dabei, als mein Vater plötzlich erkrankte. Das Unternehmen war quasi führungslos, und da habe ich es mit 27 Jahren übernommen.

Was genau hat das Unternehmen zu der Zeit gemacht?

Hartmut Schlepütz: Wir haben in den 70er Jahren hauptsächlich die regionalen Brauereien in NRW mit Gläsern beliefert. Die Gläser haben wir von Glashütten bezogen und dann bei uns in Gürzenich veredelt. Das heißt, wir haben zum Beispiel Embleme, Bilder oder Schriftzüge auf das Glas aufgebracht, in der Branchensprache heißt das: dekoriert. Vielfach passierte das mit der Hand. Erst in den 80ern begann man zaghaft mit maschinellen Aufdrucken.

Heute setzen Sie zu einem Großteil auf Glühweinbecher und -tassen. Sie veredeln gut vier Millionen Tassen und beliefern weltweit Weihnachtsmärkte. Wie kamen Sie auf die Idee, auf dieses Pferd zu setzen?

Hartmut Schlepütz: Wir haben Mitte der 90er bescheiden angefangen, mit jährlichen Stückzahlen um die 100 000. Wir setzten auf Glas. Keramik und Porzellan spielten anders als heute noch keine Rolle. Erst als wir die Möglichkeit hatten, Keramik in Südost-Asien zu beziehen, konnten wir die Nachfrage nach diesem Material bedienen.

Wie konnte sich das Geschäft so erfolgreich entwickeln wie es heute ist?

Guido Schlepütz: Weihnachtsmärkte wurden immer beliebter und damit auch zahlreicher. In den letzten 15 Jahren hat sich da viel getan. Entsprechend wird mehr Glühwein getrunken. Weihnachtsmärkte wurden zunehmend eine ergänzende Einnahmequelle für Schausteller, die sonst auf Kirmessen unterwegs waren. Heute leben viele Beschicker zu 80 Prozent von den Weihnachtsmärkten. Ein Grund für unsere Entwicklung ist aber auch der Umstand, dass wir auf Keramik gesetzt und uns entsprechende Bezugsquellen erschlossen haben.

Sie lassen heute in China produzieren. Werden die Becher und Tassen dort auch bedruckt?

Guido Schlepütz: So ist das größtenteils. Die Becher werden nach unseren Vorgaben dekoriert. Sie kommen komplett fertig an und werden über einen Dürener Logistiker eingelagert und transportiert.

Warum lassen Sie in China und nicht in Düren oder der Region produzieren?

Hartmut Schlepütz: Wenn Sie schwimmen wollen, gehen Sie da hin, wo Wasser ist. So ist das mit der Keramik auch. Wir gehen dorthin, wo es sie gibt. In Deutschland und in Europa gibt es sie nur noch punktuell zu einer völlig anderen Preislage.

Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie in China sichere und menschenwürdige Arbeitsplätze schaffen. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Guido Schlepütz: Es war immer unser Bestreben, unsere Prozesse so zu organisieren, wie wir es in Düren auch machen würden. Das erwarten vielfach auch unsere Kunden. Wir wollen nicht das Unternehmen sein, das ein Produkt in irgendeiner Fabrik unter abenteuerlichen Bedingungen kauft, sondern wir wollen immer genau wissen, mit wem wir Geschäfte machen. Vor allem interessieren wir uns für die Frage, was in China für die Mitarbeiter getan wird und was wir tun können. Je mehr uns die Firmen wertschätzen, desto eher können wir von ihnen erwarten, dass sie für uns etwas Gutes machen.

Wie gelingt das?

Guido Schlepütz: Eigentlich ist das einfach. Wir unterhalten im Südosten Chinas ein Repräsentationsbüro mit vier Beschäftigten. Darüber haben wir einen Healthcare-Fonds gegründet, der Mitarbeitern hilft, wenn sie einen Unfall hatten, eine Operation ansteht oder wenn sie sonstige gesundheitliche Hilfe benötigen.

Sie haben als bisher einziges Unternehmen aus Düren in Jinhua, Dürens Partnerstadt in China, produzieren lassen. Weshalb ist die Zusammenarbeit gescheitert?

Hartmut Schlepütz: Man muss erkennen, dass wir auch aus unternehmerischer Sicht über ganz unterschiedliche Kulturen sprechen. Es funktioniert alles wunderbar, wenn es keine Probleme gibt. Aber wenn es welche gibt, kann es schwer werden. Wir haben diese Erfahrung in Jinhua gemacht. Verträge sind in China zum Beispiel häufig nur freundliche Absichtserklärungen oder fromme Wünsche, mehr nicht, das haben wir leider erlebt. Unsere jetzige Zusammenarbeit in einer anderen Region gestaltet sich auch nicht immer einfach, funktioniert unter dem Strich aber besser.

Sie führen das Unternehmen als Duo, Vater und Sohn. Frage an den Sohn: Stand für Sie von Anfang an fest, dass Sie ins Unternehmen einsteigen würden?

Guido Schlepütz: Nicht von Anfang an. Ich habe nach der Schule eine Ausbildung als Industriekaufmann gemacht. Dann reifte der Gedanke, ins Unternehmen einzusteigen. Mit dem neuen Jahr wird sich mein Vater als Gesellschafter zurückziehen. Er bleibt der Firma Gott sein Dank unterstützend erhalten und geht dann im April offiziell in den Ruhestand.

Frage an den Vater: Haben Sie von Anfang an damit geliebäugelt, dass Ihr Sohn ins Unternehmen eintritt?

Hartmut Schlepütz: Den Wunsch hatte ich schon im Hinterkopf. Ich war sehr froh, als er auf mich zukam und sagte, er würde es machen. Mir war und ist es wichtig, einen Fehler nicht zu machen: Nämlich den, dass die ältere Generation nicht in der Lage ist loszulassen. Ich wollte nicht, dass mein Sohn permanent der Junior bleibt und mit 50 immer noch nicht in der Verantwortung steht. Deshalb habe ich mich schon früher allmählich aus bestimmten Unternehmensbereichen zurückgezogen und ihn das machen lassen.

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