Machen und gestalten, nicht nur reden: ctw-Chef Gabor Szük geht

Von: Sandra Kinkel
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Gabor Szük wird am Freitag offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Der Jurist war Geschäftsführer der Caritasträgergesellschaft West. Foto: kin

Düren. Gabor Szük ist das, was man im besten Sinne einen Macher nennen kann. Einer, der anpackt, handelt, nicht einfach nur redet. „Ich wollte nie verwalten“, sagt der Geschäftsführer der Caritasträgergesellschaft West. „Ich wollte handeln.“ Am Freitag wird der 65-Jährige offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Gabor Szük, Vater von drei erwachsenen Kindern (25, 27 und 30 Jahre) ist in Debrecen in Ungarn geboren und am 2. August 1968 nach Düren gekommen. Hier kam seine Mutter her, hier lebte die Großmutter. „Ich werde diesen Tag, dieses Datum nie vergessen“, sagt Szük heute. „Für mich war Düren eine völlig andere Welt. Heute ist es meine Heimat.“

Der 2. August 1968 war ein Freitag. „Und wir sind abends noch auf die Annakirmes gegangen. Die vielen Menschen, die bunten Lichter – so etwas hatte ich vorher noch nie gesehen, und das werde ich auch nie vergessen.“

Der elfjährige Gabor ist – übrigens ohne ein Wort Deutsch zu sprechen – aufs Gymnasium gekommen, hat Abitur gemacht und wollte eigentlich Richter werden. „Das war mein Traum, der ist aber nicht wahr geworden.“ Szük wurde Jurist, hat zunächst beim Diözesancaritasverband in Aachen gearbeitet. „1991 kam das Angebot, Verwaltungsdirektor im Lendersdorfer Krankenhaus zu werden. Das war ein Karrieresprung. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich Chef sein, Dinge gestalten, machen.“ 1996 wurde auf Szüks Betreiben die Caritasträgergesellschaft West (ctw) mit Sitz in Düren gegründet. Heute gehören elf Einrichtungen, Krankenhäuser, Seniorenheime und das Katholische Bildungsforum, dazu.

„Als ich vor 26 Jahren in Lendersdorf angefangen habe“, sagt Szük, „habe ich keinen Gedanken daran verschwendet, so etwas wie die ctw zu gründen. Heute kann ich sagen, dass es viele der kleineren Häuser ohne die ctw nicht mehr geben würde.“ Noch immer liegen für Szük die Vorteile der großen Gesellschaft auf der Hand: „Einkauf und Personal werden beispielsweise zusammen organisiert. In manchen Häusern gibt es Telemedizin, so dass die kleineren Kliniken auch medizinisch von den größeren profitieren. Das macht die Kleinen attraktiver und sichert Standorte.“

Auf die Frage, ob er auch ab und zu überlegt habe, das städtische Krankenhaus an der Roonstraße zu übernehmen, muss Szük schmunzeln. Und sagt dann im Brustton der Überzeugung: „Selbstverständlich. Wirtschaftlich wäre das für alle von Vorteil. Aber es war unrealistisch, weil Stadt und Kreis das Haus nicht abgeben und die Politik ihren Einfluss nicht aufgeben wollten. Aber wer weiß, ob es nicht irgendwann doch zu einer Zusammenarbeit kommen wird.“

Humanitäre Hilfe

Als Meilensteine seiner Dienstzeit nennt er den Neubau des Glashauses in Lendersdorf vor 25 Jahren mit der Einrichtung einer Radiologie, die Übernahme des Marienhospitals, den Neubau des Seniorenzentrums Birkesdorf und die Einrichtung eines stationären Hospizes. Vor allem ist ihm aber auch die humanitäre Hilfe in Polen und der Ukraine, die er gemeinsam mit Chirurg Dr. Wolfgang Spithaler aufgebaut hat, wichtig.

In beiden Ländern haben Mediziner und Pflegepersonal aus Lendersdorf Menschen mit neuen Hüft- und Kniegelenken versorgt – schwer kranke Patienten, für die die Hilfe aus Lendersdorf oft die letzte Hoffnung war. „In Polen und der Ukraine habe ich Erfahrungen gemacht, von denen ich heute noch zehre und die mich und auch die Mitarbeiter unglaublich zufriedengestellt haben.“ Nicht zuletzt aus dem Einsatz im ukrainischen L‘viv ist auch die Städtepartnerschaft zwischen Düren und Stryi in der Westukraine entstanden.

Volleyball-GmbH

Apropos Düren: Auch in seiner Heimatstadt war Szük präsent – und hat gemacht. Er war im Vorstand des Dürener Turnvereins. Unter seiner Ägide als Chef der Volleyball-Abteilung wurde die GmbH gegründet, die heute immer noch die geschäftliche Heimat von Dürens Volleyball-Bundesligist ist. Schwer vorstellbar, dass einer wie Gabor Szük es sich in seinem Sessel bequem macht und seinen Ruhestand genießt. „Stimmt“, sagt er lachend, „aber ich werde trotzdem keine Ämter mehr übernehmen. Ich möchte nur noch meine Freiheit genießen und das tun, was mir Spaß macht.“

Und was ist das? Gartenarbeit, Fotografieren sind Szüks Hobbys, vor vier Jahren hat er sich ein altes Bauernhaus in der ungarischen Heimat gekauft und liebevoll renoviert. „Meine Wurzeln sind mir immer schon sehr wichtig gewesen. Ich bin auch mit meinen Kindern immer in den Urlaub nach Ungarn gefahren.“ Szük möchte in Zukunft regelmäßig Zeit in Ungarn verbringen, ganz wird er Düren aber nie verlassen. „Ich bin ein Dürener Jung“, sagt er. „Ich fühle mich dieser Stadt und ihren Menschen sehr verbunden.“

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