LVR-Klinik will sich in Richtung Stadt öffnen

Von: Stephan Johnen
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Das sogenannte Standardbettenhaus stammt aus den 70er Jahren. Ob es saniert werden kann oder ein Neubau her muss, wird derzeit geprüft. Foto: Stephan Johnen
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Haus 1 ist Teil des denkmalgeschützten Klinik-Ensembles, steht aber schon seit längerer Zeit leer. Foto: Stephan Johnen

Düren. Hochwertiges Wohnen auf dem Gelände eines psychiatrischen Krankenhauses? Michael van Brederode, kaufmännischer Direktor der LVR-Klinik, kann sich das sehr gut vorstellen. Ebenso wie kleine Büros für kreative Köpfe, Architekten und Start-up-Unternehmer oder Künstlerateliers.

Der Blick aus den Fenstern geht ins Grüne, es gibt keinen Durchgangsverkehr, die um die Jahrhundertwende entstandenen Häuser fügen sich perfekt in das parkähnliche Gesamtbild ein: „Das Areal ist ein Schätzchen“, ist van Brederode überzeugt. Doch warum macht sich der kaufmännische Direktor der Klinik überhaupt solche Gedanken? Ganz einfach: Bis zum Jahr 2018 wird ein Großteil der denkmalgeschützten Häuser frei, weil viele Neubauten die bisherigen Stationen ersetzen. „Wir sollten heute schon Ideen für die zukünftige Nutzung der historischen Gebäude sammeln“, sagt van Brederode.

Wir – damit meint der kaufmännische Direktor den Klinikvorstand, die Gremien des Landschaftsverbands Rheinland und auch den Denkmalschutz. „Ich bin nur Laie, aber ich kann mir sehr viele Nutzungsmöglichkeiten vorstellen“, blickt van Brederode in die Zukunft. Sein Wunsch: In enger Abstimmung mit allen Partnern, zu denen er auch die Stadt Düren zählt, soll eine Vision für die Zeit nach 2018 entwickelt werden.

Im Prinzip wird die LVR-Klinik gerade in weiten Teilen neu gebaut. Bereits im März 2013 wurde der erste Bauabschnitt des neuen Haus 11 in Betrieb genommen, der den in die Jahre gekommenen Vorgängerbau aus den 70er Jahren ersetzt hat. Der Neubau bietet Platz für vier Stationen mit je 24 Patienten. Die Bauarbeiten für den zweiten Bauabschnitt haben in diesen Tagen begonnen. Erneut investiert der Landschaftsverband als Träger der Klinik rund 20 Millionen Euro, es entstehen fünf Stationen á 21 Betten und eine allgemeinpsychiatrische Tagesklinik.

Stehen die „beiden Hälften“ vom neuen Haus 11, richtet sich der Blick auf das benachbarte Standardbettenhaus, ebenfalls aus den 70er Jahren. „Für die Entwicklung der Psychiatrie waren diese Bettenhäuser eine Zäsur“, sagt Michael van Brederode. Sie hätten die räumlichen Bedingungen Patienten und die Arbeitsbedingungen für Pfleger deutlich erhöht. Dennoch sind die Gebäude veraltet. Derzeit werde geprüft, ob sich eine Sanierung lohne – oder ein weiterer Neubau errichtet wird. Denn der Bedarf an Therapieplätzen ist vorhanden – und wird langfristig eher steigen denn sinken. „Landesweit arbeiten die Psychiatrien nahe der Vollauslastung – obwohl die Patienten immer weniger Zeit in den Kliniken verbringen“, berichtet van Brederode. Die Dürener Klinik betreibt zudem allgemeinpsychiatrische Tageskliniken in Bedburg, Alsdorf und Stolberg, in Kürze kommen 64 Betten in Bergheim hinzu.

Die Modernisierung und Erweiterung des Standorts Düren sei ein wichtiger Schritt in die Zukunft, alle Stationen seien spätestens ab 2018 auf dem neuesten Stand. „Wer Rat und Hilfe sucht, kann zwischen allen psychiatrischen Kliniken frei wählen“, erklärt Michael van Brederode. Eine Station mit veralteten Unterbringungsstandards sei dabei nicht gerade ein Wettbewerbsvorteil. Bereits heute stünden einige der Gebäude leer, weil sie für eine zeitgemäße psychiatrische Versorgung der Patienten nicht mehr geeignet sind.

„Wir sind – mit Ausnahme des Maßregelvollzugs im forensischen Dorf – kein abgeschlossenes Areal“, räumt der kaufmännische Direktor mit dem Klischee des „Jeckebergs“ auf. „Wir wollen uns als Krankenhaus in Richtung Stadt öffnen.“

Der Blick hat sich verändert

Der Prozess habe bereits begonnen, viele Dürener würden die Parkanlagen der Klinik nutzen, die Ausstellungen und Konzerte besuchen. Der Blick auf die Psychiatrie habe sich bereits verändert.

Die weitere Öffnung des Klinik-Areals soll diese Entwicklung beschleunigen. „In Bonn hat das sehr gut geklappt. Dort sind die nicht mehr genutzten historischen Gebäude der psychiatrischen Klinik mittlerweile begehrter Wohnraum“, nennt Michael van Brederode ein Beispiel für eine gelungene Umwandlung. Ziel sei es, das historische Ensemble der Klinikgebäude in Düren zu bewahren und für die kommenden Generationen zu sichern – und gleichzeitig eine sinnvolle und angemessene Nutzung zu finden.

„Wir stehen am Anfang“, weiß Michael van Brederode. Doch er hofft, in den kommenden Monaten viele Wegbegleiter zu finden, die den skizzierten Weg Schritt für Schritt mitgehen.

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