Düren - LVR-Klinik: Mitarbeiter demonstrieren gegen neues Entgeltsystem

LVR-Klinik: Mitarbeiter demonstrieren gegen neues Entgeltsystem

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
5333861.jpg
„Pepp muss weg“, fordern die Mitarbeiter der LVR-Klinik. Sie fürchten negative Auswirkungen des neuen Entgeltsystems auf Patienten und Beschäftigte in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen. Foto: Sarah Maria Berners

Düren. „Bei steigenden Fallzahlen befürchten wir einen massiven Personalabbau in psychiatrischen Kliniken und gravierende Qualitätsverluste bei der Behandlung psychisch kranker Menschen“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Harald Meyer. Am Freitag demonstrierten Mitarbeiter der LVR-Klinik mit der Aktion „5 vor 12“ gegen das von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf den Weg gebrachte „Pauschalierende Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik“, kurz „Pepp“.

„Damit wird die aktuell gültige Psychiatriepersonalverordnung zum 1. Januar 2017 abgeschafft. Eine rechtlich verbindliche Regelung zur personellen Ausstattung einer psychiatrischen Klinik ist dann nicht mehr vorgesehen“, erklärt die Gewerkschaft. „Man will ein System einführen, unter dem die Kollegen in den Krankenhäusern schon heute zusammenbrechen“, kritisierte Meyer.

Rund 500 Mitarbeiter der LVR-Klinik, die direkten Patientenkontakt haben, seien unmittelbar, weitere 500 Mitarbeiter seien indirekt betroffen, erklärt LVR-Pflegedirektorin Jutta Schlegel. Der Gewerkschaftssekretär und die Mitarbeiter fürchten, dass Fallpauschalen zu massiven Problemen führen, da diese die Behandlungsbedarfe psychisch kranker Menschen nicht abbilden könnten.

Schnell bringe Geld

„Die Therapie tritt in den Hintergrund“, sagte Meyer. „Für Patienten, die länger in der Klinik bleiben, gibt es weniger Geld. Eine kurze Verweildauer des Patienten ist aus finanzieller Sicht lohnenswerter.“ Wer schnell behandelt, verdiene gut, sagen die Kritiker. Sie sprechen von einer „Turbopsychiatrie“ zulasten einer nachhaltigen Behandlung. Auch Wiederaufnahmen würden sich nicht rechnen, da diese noch geringer vergütet würden. Die Gewerkschaft Verdi spricht von „Fehlanreizen“, da das System begünstige, dass „gut abrechenbare“ Patienten bevorzugt aufgenommen würden.

Der Personalratsvorsitzende der LVR-Klinik, Ingo Röser, kritisierte, dass es durch den wirtschaftlichen Druck zu einer verfrühten Entlassung Schwerkranker oder zu einer „Billig-Verwahrpsychiatrie“ kommen könnte. Deswegen hatten sich die etwa 70 Demonstranten in Haus 5, der ehemaligen Verwahrpsychiatrie versammelt. „Damit wollen wir dokumentieren, dass es in diese Richtung nicht gehen darf“, erklärte Meyer. Ein schwarzer Sarg mit der Aufschrift „Nie wieder dunkle Psychiatrie“ unterstrich diese Forderung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert