Luftreinhalteplan: Nur Umgehungsstraßen helfen, keine Umweltzonen

Von: Jörg Abels
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Problemfall Euskirchener StraÀ
Problemfall Euskirchener Straße: 20 000 Fahrzeuge täglich, darunter 2400 Lkw, treiben die Stickstoffdioxid-Werte auf Rekordniveau. Ein Luftreinhalteplan soll jetzt bis 2015 Abhilfe bringen. Foto: Abels

Düren. Die Situation ist alarmierend: An der Euskirchener Straße wird der Grenzwert für das gesundheitsgefährdende Reizgas Stickstoffdioxid massiv überschritten. In der engen Häuserschlucht werden seit drei Jahren die höchsten Werte in ganz NRW gemessen.

Nicht viel besser sieht es an der Schoellerstraße aus, und auch an der Aachener Straße und an der Arnoldusstraße im Stadtteil Arnoldsweiler ist die Belastung so groß, dass sie ohne Gegenmaßnahmen bis 2015 nicht entscheidend gesenkt werden kann.

Und trotzdem: Die Einrichtung einer Umweltzone im Dürener Stadtgebiet mit eingeschränkter Fahrerlaubnis (Grüne Plakette) ist aus Sicht der Bezirksregierung Köln nicht zielführend. Im am Freitag vorgestellten, über 100 Seiten umfassenden, Entwurf des Luftreinhalteplans Düren kommt die Bezirksregierung zu dem Schluss, dass eine Umweltzone aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens nur eine geringe Wirkung zeigen und vor allem private Autobesitzer sowie Handwerker aus Düren und Umgebung belasten würde.

Deren Fahrzeuge, so das Ergebnis der Analyse des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), tragen jedoch nur gering zur kritischen Luftbelastung bei. Hauptverursacher in Düren ist der Schwerlastverkehr mit bis zu 48 Prozent.

Einig sind sich Bezirksregierung, LANUV und Stadt Düren, dass sich die Verkehrsmengen und damit die Luftschadstoffe in den belasteten Bereichen mit den seit Jahrzehnten geforderten Umgehungsstraßen B 56n, B 399n und im Fall Arnoldsweiler die L 257n deutlich reduzieren würden. Deshalb will Dürens Kämmerer Harald Sievers auch noch einmal Druck machen. „Es gibt jetzt eine objektive Notwendigkeit, die Straßen zu bauen”, appelliert Sievers an Bund und Land. Denn: „Der Schutz der Gesundheit der Anwohner muss oberste Priorität haben”.

Nichtsdestotrotz sieht der Entwurf des Luftreinhalteplans natürlich auch Sofortmaßnahmen vor, unter anderem die Selbstverpflichtung der lokalen Industrie, den Lkw-Verkehr auf den belasteten Straßenabschnitten um 20 Prozent zu senken. Dazu kommen aber auch weiche Maßnahmen wie die Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Rad- und Fußverkehrs.

Eine erste Entlastung erwartet Tiefbauamtsleiter Heiner Wingels bereits mit der Fertigstellung der neuen A4-Anschlussstelle Merzenicher Heide eventuell sogar schon im Frühjahr 2014. Und ab Ostern 2014 kommt ein weiteres hinzu. Mit Abriss und Neubau der Eisenbahnbrücke der Schoellerstraße wird der Verkehr großräumig bereits ab den Autobahnen, aber auch innerstädtisch umgeleitet.

Während der fast zweijährigen Bauzeit stehen dann auf der B56 in Düren nur noch zwei statt bislang vier Fahrspuren zur Verfügung, so dass sich der Verkehr und damit die Luftbelastung auch auf der Schoeller- und der Euskirchener Straße automatisch verringern wird - vorübergehend. Zeit, die auch Bürgermeister Paul Larue vor allem mit Blick auf die dringend benötigte Ostumgehung (B56n) nutzen will. Er fordert Bund und Land auf, 2013 die Anfinanzierung zur Verfügung zu stellen, damit das Oberverwaltungsgericht endlich auch einen Grund hat, die anhängende Klage eines Grundstückseigentümers gegen den Bau zeitnah zu verhandeln.

Unabhängig von der Frage, ob das Argument Luftreinhaltung den Bau der Umgehungsstraßen forciert, macht die Bezirksregierung im Entwurf des Luftreinhalteplans deutlich, dass ab 2015 an der Euskirchener Straße auch Sperrungen für den Lkw-Verkehr in Frage kommen könnten.

Der Entwurf liegt vom 29. Oktober bis 28. November beim Tiefbauamt der Stadt Düren, Zollhausstraße 40, und bei der Bezirksregierung Köln öffentlich aus. Ab Montag kann er auch im Internet unter http://www.bezreg-koeln.nrw.de eingesehen werden.

Am Dienstag, 30. Oktober, 17.30 Uhr, wird der Plan in einer öffentlichen Ausschusssitzung der Stadt in der Aula des Burgau-Gymnasiums vorgestellt. Auch eine weitere Bürgerinformation ist geplant.

Betroffene können bis 12. Dezember Anregungen und Ergänzungen per E-Mail an die Bezirksregierung schicken: lrp@bezreg-koeln.nrw.de.

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