Lüxheimer Heiligenhäuschen mit dem Bagger völlig zerstört

Von: Burkhard Giesen
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Nach dem Abriss des Bildstockes ragte nur das Kreuz aus den Steinen.
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Daran, dass das Heiligenhäuschen wieder aufgebaut werden kann, glaubt der Vettweißer Bürgermeister Joachim Kunth nicht. Foto: Giesen

Lüxheim. Hildegard Maas und Maria Hürtgen aus dem Vettweißer Ortsteil Lüxheim sind auch Stunden später noch geschockt. Und sie sind nicht die einzigen Bürger des kleinen Ortes, die nicht fassen können, was sich am Donnerstag gegen 15 Uhr zugetragen hat: Das Muttergotteshäuschen an der Kreuzung Heerstraße/Nikolausstraße ist mutwillig zerstört worden.

Der Marien-Bildstock war nach dem Zweiten Weltkrieg für das in den letzten Kriegswochen zerstörte Heiligenhäuschen errichtet worden – mitsamt einer Madonna, die seinerzeit von einer Lüxheimer Familie gestiftet worden war.

„Vor ein paar Monaten ist dieses Grundstück veräußert worden. Der neue Eigentümer hat bei uns einen Bauantrag für mehrere Einfamilienhäuser eingereicht“, erklärte der Vettweißer Bürgermeister Joachim Kunth (CDU) am Donnerstag. Bei der Gelegenheit habe man dem neuen Besitzer auch mitgeteilt, dass die Gemeinde beabsichtige, das Muttergotteshäuschen unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Kunth: „Wir hatten in den Gesprächen nicht den Eindruck, dass es da irgendwelche Probleme geben könnte. Nur über die Zuwegung mussten wir uns noch unterhalten.“

Am Donnerstag um 14.15 Uhr wollte dann Peter Hüvelmann, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, den von der zuständigen Denkmalbehörde erstellten Bescheid über die vorläufige Unterschutzstellung des Marien-Bildstocks übergeben. Das scheiterte aber offenbar. Ortsvorsteher Volker Franzen, der ebenfalls vor Ort war, berichtet: „Wir sind dann gemeinsam in Richtung Bürgerhalle gegangen und haben uns noch etwas unterhalten. Dann hörte ich plötzlich, wie sich eine Planierraupe näherte und direkt auf das Muttergotteshäuschen zuhielt. Der neue Eigentümer saß oben auf dem Fahrzeug und räumte das Muttergotteshäuschen mit einem Schwung ab.“

Franzen und Hüvelmann wollten daraufhin den Eigentümer zur Rede stellen, sie seien aber des Grundstücks verwiesen worden. Franzen: „Das ging alles sehr schnell. Mir ist das vollkommen unverständlich. Ich bin jetzt seit 28 Jahren Ortsvorsteher ... mir fehlen da wirklich die Worte.“

Die fehlen auch Hildegard Maas: „Mich haben schon Nachbarn weinend angerufen. Viele ältere Bürger aus dem Ort, die sehr an diesem Muttergotteshäuschen hängen, wissen noch gar nicht, dass es nicht mehr steht.“

Bürgermeister Joachim Kunth prüft jetzt rechtliche Schritte gegen den neuen Eigentümer des Grundstücks: „Der Bescheid über die vorläufige Unterschutzstellung war gültig. Wir haben das Amt für Denkmalschutz bereits über den Vorgang informiert.“ Daran, dass das Heiligenhäuschen wieder aufgebaut werden kann, glaubt Kunth nicht: „Das ist vollkommen zerstört.“

Madonna unter Trümmern

Volker Franzen, der den Eigentümer noch stoppen wollte, sieht noch ein weiteres Problem. Dadurch, dass er und Peter Hüvelmann des Grundstücks verwiesen wurden, konnten sie auch keinen Versuch unternehmen, religiöse Symbole zu retten. Franzen: „Die Muttergottesfigur ist vermutlich unter dem Trümmerhaufen begraben.“ Allerdings ragte aus dem Trümmerhausen noch ein Kruzifix heraus.

Bürgermeister Joachim Kunth, der selbst aus Lüxheim stammt, war am Donnerstag ebenfalls vor Ort, nachdem er über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden war. Er versuchte, ein bisschen Trost zu spenden: „Ich bin davon überzeugt, dass sich in Lüxheim Menschen finden werden, die dafür sorgen, dass dieses Muttergotteshäuschen wieder aufgebaut wird. Und ich werde dabei gerne mithelfen.“

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