Ludwig Schmitz entwickelt Ankleidehilfe für Menschen mit Handicap

Von: Stephan Johnen
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Was es nicht gibt, wird erfunden: Der an Parkinson erkrankte Ludwig Schmitz hat eine Ankleidehilfe (Hintergrund) konstruiert. Foto: Johnen

Düren. Morbus Parkinson. Kurz nachdem Ludwig Schmitz diese Diagnose erhalten hatte, begann er, eigenhändig sein Haus umzubauen. „Die beste Therapie ist Bewegung”, sagt der heute 75-Jährige. Und Bewegung hatte er in den kommenden Monaten reichlich.

Er hob Fußböden um 30 Zentimeter an, gestaltete mit Einverständnis seiner Frau die Küche um, schreinerte neue, leicht zugängliche Schränke. Kurz: Der Senior versetzte so ziemlich alles in seinem Haus in Bewegung, damit er nichts aus der Hand geben muss. Ludwig Schmitz, gelernter Schreiner und Parkettverlegermeister, ist ein Mann der Tat. Geht nicht? Das gibt es bei ihm nicht.

Und wenn es etwas nicht gibt, dann wird es halt erfunden.

So lässt sich erklären, warum Schmitz begann, eine Ankleidehilfe zu konstruieren. Kurzzeitig auftretende Gleichgewichtsstörungen ließen es zum schwierigen Unterfangen werden, auf nur einem Bein stehend in die Hose zu schlüpfen. Auch die Schuhe bereiteten Probleme. „Ich hatte Angst zu fallen”, sagt der Dürener.

Zunächst machte er sich auf die Suche nach einem Gerät, einem Hilfsmittel, das einen Parkinson-Erkrankten beim Anziehen stützt. Erfolglos. Der Handwerker brach die Suche ab, doch er gab nicht auf. Aus der persönlichen Not heraus suchte er nach einer individuellen Lösung.

Die zündende Idee kam aus heiterem Himmel. Erste Versuche mit einer Art Lattenrost, das den Patienten von drei Seiten umgibt, erwiesen sich zwar als Lösungsweg, jedoch nicht als Lösung.

Schmitz schwenkte um, setzte alle erfinderischen Anstrengungen auf eine Stuhl-Konstruktion. Aus einem zunächst spartanischen Prototypen wurde ein opulentes Sitzmöbel, das dem Benutzer ausschwenkbare Handläufe, variable Sitzkissen, verstellbare Lendenstützen, zwei in die Bodenplatte integrierte Stiefelknechte und Schuhkonsolen bietet - in der Grundausstattung. Sein Hausarzt, dem Schmitz das Projekt frühzeitig vorstellte, bekräftigte den Erfinder.

„Irgendwann ist mein Ehrgeiz geweckt worden”, sagt der 75-Jährige. Die Ankleidehilfe - ursprünglich nur für ihn konstruiert - wurde an verschiedene Körpergrößen, an verschiedene Bedürfnisse angepasst.

Der Parkettverlegemeister absolvierte Nachhilfestunden in Anatomie und ließ Freunde und Bekannte Probesitzen. Er befragte Krankenpfleger nach den Bedürfnissen von Senioren und Menschen mit Handicap. Er sprach mit Ärzten, ließ Experten Kritik üben.

Nachdem er die zweite Generation seiner Ankleidehilfe zusammengebaut hatte, stellte er fest, dass man daran auch Übungen machen konnte. Kniebeugen, mit den Beinen schwingen...

Auf der Rückseite kann ein Handlauf montiert werden, es gibt Ablagefächer wie bei einem stummen Diener. Gefertigt wird die Ankleidehilfe aus Bambus. „Das ist härter als Eiche. Und umweltfreundlicher”, sagt Schmitz. Darauf lege er Wert.

Ende April meldet er seine Erfindung beim Deutschen Patentamt an. „Da habe ich mich mit 75 Jahren noch ins Patenrecht reingekniet”, sagt er. Die Recherche des Amtes habe ergeben: Eine solche Ankleidehilfe gibt es bisher nicht. Nicht in Deutschland, nicht in Europa, nirgendwo. Mag sein, dass Josef Schmitz darauf ein wenig stolz ist. Er sagt nur: „Mach´ es ganz oder gar nicht!” So lautet das Motto des Handwerkers.

„Das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt” blickt Schmitz zurück. Mittlerweile ist er oft in der Werkstatt des Sozialwerks Dürener Christen. Dort soll seine Erfindung einmal produziert werden. „Die soziale Komponente ist mir wichtig”, betont Schmitz.

Und wie geht es weiter? Der Erfinder zuckt mit den Schultern. „Dieses Projekt hat einen Anfang - aber das Ende ist noch nicht in Sicht”, sagt er. Zudem habe er noch andere Ideen, die er umsetzen möchte. Ludwig Schmitz ist schließlich ein Mann der Tat.

Am Mittwoch Vorstellung in Haus St. Anna

Am Mittwochabend stellt Ludwig Schmitz die von ihm konstruierte Ankleidehilfe für Senioren und Behinderte in der Dürener Wohn- und Pflegeeinrichtung Haus St. Anna, Waisenhausstraße 8, vor.

Los geht es um 18.30 Uhr, interessierte Gäste sind willkommen. Schmitz bringt mehrere unterschiedliche Ankleidehilfen mit.

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