Düren - „Lokale Agenda 21 Düren“ sucht neue Mitstreiter

„Lokale Agenda 21 Düren“ sucht neue Mitstreiter

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Stefan Kesting ist seit 1999 Mitglied im Lenkungskreis der „Lokalen Agenda 21 Düren“. Foto: Stephan Johnen

Düren. Die „Lokale Agenda 21 Düren“ sucht neue Mitstreiter, die sich für eine zukunftsfähige Stadt einbringen möchten. Doch worum handelt sich bei dieser 1999 gegründeten Initiative überhaupt? Welche Ziele hat sie sich gesetzt? Und ist der Aufruf nicht ein Hilferuf? DZ-Redakteur Stephan Johnen hat sich mit Stefan Kesting, der seit 1999 im Lenkungskreis sitzt, über die Zukunft der „Lokalen Agenda“ unterhalten.

Herr Kesting, ganz ehrlich: Ich kann mir unter dem Namen „Lokale Agenda 21“ kaum etwas vorstellen. Ich glaube, das geht vielen so.

Kesting: Der Name ist auch schlecht gewählt, darunter kann sich niemand etwas vorstellen.

Was steckt denn dahinter?

Kesting: 1992 haben sich 178 Staaten unter diesem Begriff verpflichtet, nachhaltige Entwicklung zu betreiben und Prozesse in Gang zu setzen, die die Zukunft mehr ins Auge fassen. 1999 beschloss der Dürener Rat, einen Agenda-Prozess zu starten. Die Initiative kam von der Evangelischen Gemeinde.

Das Wort „nachhaltig“ ist fast so aussagekräftig wie „Agenda“...

Kesting: Den Unterzeichnern war klar, dass ein „Weiter so!“ angesichts von Umweltverschmutzung und der Ausbeutung der Ressourcen nicht funktioniert. Es ging darum, neue Konzepte zu entwickeln – auch auf kleinster lokaler Ebene, denn niemand lebt auf einer Insel.

Es geht also um Umweltschutz?

Kesting: Viele denken an ökologische Themen, aber die Aufgaben sind vielfältiger: In Düren kümmern wir uns auch um Wirtschaft, soziale Teilhabe, Kultur, umwelt- und stadtverträglicher Verkehr sowie Generationengerechtigkeit bei der Haushaltspolitik.

Das sind spannende Themen. Wieso macht dann keiner mit?

Kesting: Das stimmt so nicht! Zum ersten Treffen kamen über 400 Menschen, um Arbeitskreise zu gründen. Wir haben auch Erfolge vorzuweisen, beispielsweise den Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2004, der viele Informationen zu allen Bereichen des Lebens und Arbeitens gibt. Nach wie vor veranstalten wir den autofreien Aktionstag in der Innenstadt. Neu ist die Broschüre „Gut leben“, ein Gutscheinbuch für nachhaltige, regionale Produkte in der Region.

Wie viele Leute sind noch im Boot?

Kesting: Ich gebe zu, dass wir neuen Schwung und neue Mitstreiter gut gebrauchen könnten.

Wo ging der Schwung verloren?

Kesting: Es gab und gibt viele gute Ideen, es wurde und wird mit viel Energie gearbeitet. Aber die Umsetzung hat in der Vergangenheit oft nicht funktioniert. Keiner arbeitet gerne für den Papierkorb.

Woran haperte es?

Kesting: Bei vielen Dingen, beispielsweise den Vorschlägen, Autos aus der Innenstadt herauszuhalten, sind wir schnell auf Granit gestoßen. Stattdessen wurden Parkhäuser gebaut. Wir hatten schon früh das Thema Luftverschmutzung entlang der B56 aufgegriffen – da tut sich bis heute nichts. Wir haben ein spezielles Bus-Ticket für Jugendliche gefordert, hatten Pläne für Streuobstwiesen...

So ein Bus-Ticket gibt es mittlerweile. Und um Streuobstwiesen kümmern sich andere...

Kesting: Damals fehlte die politische Unterstützung. Bei manchen Mitstreitern entstand der Eindruck, die Arbeit war für die Katz. Es ist frustrierend, wenn viele Projekte im Sande verlaufen.

Welche Projekte meinen Sie?

Kesting: Beispielsweise die Reaktivierung des Straßenbahnnetzes. Auch der Hamerla-Prozess zur Innenstadtentwicklung, an dem wir uns beteiligt haben, landete in der Schublade.

Dafür gibt es nun den Masterplan.

Kesting: Hoffentlich teilt der nicht das gleiche Schicksal. Ich setze viel Hoffnung in diesen Plan.

Kern der Agenda-Arbeit ist die Mitarbeit der Bürger. Wie steht es um die Bereitschaft, sich einzubringen?

Kesting: Wir brauchen tatkräftige Ehrenamtler mit Ideen. Vereine und Parteien bekommen zu spüren, dass sie Mitglieder verlieren. Das erging uns auch so seit 1999. Es ist ein generelles Phänomen.

Haben Sie eine Erklärung?

Kesting: Ich mutmaße, dass sich das Leben immer weiter privatisiert. Jeder zieht sich in die eigenen vier Wände zurück. Auf Dauer ist das gefährlich für das Gemeinweisen.

Warum sollte ich mich denn an der Agenda-Arbeit beteiligen?

Kesting: Weil die Aufgabe so wichtig ist. Weil es spannend ist. Wir können die Welt nicht im Alleingang retten, aber wir können Anstöße geben.

Welche Themenfelder wollen Sie in Zukunft beackern?

Kesting: Wir möchten unseren Ansatz „gut leben im Dürener Land“ weiter verfolgen und die Regionalvermarktung unterstützen. Das Ziel, die Stadt vom Verkehr zu befreien, ist nach wie vor aktuell. Es ist ein Unding, dass die Schenkelstraße die Innenstadt zerschneidet. Drittes Thema ist die Flüchtlingspolitik. Wir wollen menschliche Bedingungen für Asylbewerber schaffen. Der Strom der Flüchtlinge wird noch zunehmen.

Welche Eigenschaften müssen neue Mitstreiter mitbringen?

Kesting (lacht): Sie müssen ein dickes Fell haben.

Klingt das einladend?

Kesting: Es gibt viele Themen, für die es sich lohnt zu arbeiten. Düren steht auch gar nicht so schlecht da. Es gibt eine gute Infrastruktur, die Kultur hat viel zu bieten, immer noch sind Menschen in vielen Vereinen organisiert.

Wer braucht vor diesem Hintergrund noch eine Agenda-Gruppe?

Kesting: Manches läuft gut, manches weniger gut, manches parallel. Die Agenda ist überparteilich, überkonfessionell. Hier können Dinge zusammengeführt werden, können sich Gruppierungen austauschen, Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten. Gemeinsam sind wir stärker. Lasst‘ uns wieder Bock auf Agenda haben.

Die Agenda ist an keine Partei gebunden. Welche Unterstützung erwarten Sie dennoch von der Politik?

Kesting: In der Politik spielt das Thema Lokale Agenda keine große Rolle. Nur wenige Politiker bringen sich stark in diesen Prozess ein. Die Stadt Düren fühlt sich in die Pflicht genommen, bei der Politik ist dieser Gedanke noch nicht so ausgeprägt. Wir wollen nicht nur diskutieren, sondern auch Ideen umsetzen. Da brauchen wir die Unterstützung der Politik.

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