„Lit.Eifel“: Lesung in besonderem Slang

Von: Gudrun Klinkhammer
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Die Sprachforscherin Dr. Diana Marossek gestaltete eine Veranstaltung auf Burg Hengebach in Heimbach im Rahmen der „Lit.Eifel“. Foto: Gudrun Klinkhammer

Heimbach. Eine reine Lesung in herkömmlichem Sinne war das nicht, was Dr. Diana Marossek in der Internationalen Kunstakademie in Heimbach präsentierte. Die Veranstaltung zählte zur Reihe „Lit.Eifel“, die über das ganze Jahr hinweg an rund 30 Orten und Städten in der Region über die Bühne geht.

Statt ausschließlich aus einem Buch zu lesen, referierte die Soziolinguistin über verknappte deutsche Formulierungen in sehr unterhaltsamer Weise. Die Autorin schrieb zunächst ihre Dissertation über dieses Thema, dann fasste sie den Inhalt noch einmal in lockerer Form in einem Buch zusammen, das den Titel trägt „Kommst Du Bahnhof oder hast Du Auto?“.

Der Anlass, sich Gedanken über die hiesige Wortwelt zu machen: Die heute 41-Jährige saß als Jugendliche auf der Terrasse ihres elterlichen Hauses, als ihre vier Jahre jüngere Schwester plötzlich zu Freunden sagte: „Fahren wir nachher Kino?“ Diana Marosseks Ohren wurden länger und fortan beschäftigte sie sich mit dieser deutschen Sprachform, die inzwischen vor allem in größeren Städten, wie sie sagt, nicht nur von Jugendlichen und Menschen mit Migrationshintergrund, sondern zunehmend von Personen jeglichen Alters und jeglichen Bildungsstandes genutzt wird. Marossek: „Selbst Erzieherinnen reden so, sie sagen etwa: ,Wir gehen nachher Spielplatz, kommst Du auch?‘ Die Sprachforscherin suchte den öffentlichen Raum, um möglichst alle Themen von Menschen aufzuschnappen, deren Herkunft ihr aber verschlossen bleiben sollte.

In öffentlichen Verkehrsmitteln beispielsweise hörte sie immer wieder genau hin, was, worüber und vor allem wie gesprochen wird. Zehn Jahre lang forschte sie, im Laufe dieser Zeit wandelte sich auch der Begriff für das verknappte Deutsch. 2001 hieß es noch „Türkendeutsch“, allerdings wurde die Sprachform ja auch gerne von Deutschen genutzt, so dass der Begriff „Türkendeutsch“ die Lage nicht wirklich wiedergab. Auch „Dönerdeutsch“, „Asisprache“ oder „Kanackensprache“ kamen dem nicht wirklich nahe.

2009 gefiel der Autorin das Wort „Kiezdeutsch“ sehr gut, allerdings musste sie feststellen, dass nicht jeder Deutsche weiß, was „Kiez“ überhaupt ist. Inzwischen trifft die Bezeichnung „Kurzdeutsch“, was Diana Marossek so sehr beschäftigt. Artikel weglassen, Worte wie „cool“ oder „geil“ für alle Gelegenheiten ohne rot werden zu müssen nutzen und mit Floskeln wie „schwöre“ Unterhaltungen zu gestalten, die deutsche Sprache, im Zeichen des Internets, wandelt sich. Anlass zur Sorge um die deutsche Sprache ist dennoch nicht angebracht, meint die Forscherin.

Ihr Fazit: Die Sprache ist und bleibt quicklebendig und die Beschäftigung mit ihr macht großen Spaß. Auch den rund 50 Besuchern gefiel die Auseinandersetzung mit der gigantisch großen Wortwelt bestens.

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