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Lieblingsselbstporträts: Gesichter erzählen Geschichten

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
Eva Struckmeier
Auch Eva Struckmeier vom Leopold-Museum haben in der Sammlung Frerich Selbstporträts entdeckt, die ihnen besonders gefallen.
Philipp Lines Lange
Auch Philipp Lines Lange vom Leopold-Museum haben in der Sammlung Frerich Selbstporträts entdeckt, die ihnen besonders gefallen.

Düren. „Die Ehrlichkeit in dieser Selbstdarstellung gefällt mir sehr“, sagt Felix Eichert, Praktikant im Leopold-Hoesch-Museum, über sein Lieblingsporträt in der Ausstellung. Die Lithographie aus dem Jahr 1914 trägt den Titel „Ego ipse“. Ich selbst.

„Ego Ipse macht in eindrucksvoller Weise die Vielfältigkeit der Selbstwahrnehmung von Lovis Corinth sichtbar. Die Ambivalenz von Identität zeigt dabei die untere Skizze, die seltsam verzerrt wirkt, als habe sich Corinth während der Arbeit an ihr für eine andere Perspektive entschieden“, beschreibt der 24-Jährige das Bild des Künstlers, der im Laufe seines Lebens 180 Selbstporträts geschaffen hat. Das Porträt von 1914 ist beispielhaft dafür, wie sich der Künstler vom Naturalismus entfernte, um expressiver zu arbeiten. Jedes der Gesichter in dem Probedruck überführt einen inneren Zustand in eine visuelle Form, und jede dieser Nuancen trägt einen Teil zur Gesamtheit der Person dar.

Vielfältige Ausdrucksweisen

Von einer „Faszination für die vielfältigen Ausdrucksweisen von Gesichtern“, sprach auch der Sammler Dr. Günter Frerich gegenüber Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann. Und in seiner Sammlung werden die Vielschichtigkeit von Selbstbildnissen und deren mehrdeutige Aussagekraft auf beeindruckende Weise dokumentiert. „Gerade Selbstporträts erlauben einen unmittelbaren Zugang zu und eine aufschlussreiche Auseinandersetzung mit Künstlern“, sagt Renate Goldmann.

Eva Struckmeier, im Museum für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, gefällt Heinrich Vogelers Selbstbildnis mit dem Titel „Die Lerche“ besonders gut, eine Radierung auf Büttenpapier. „Das Porträt aus dem Jahr 1899 gefällt mir, weil die Person zugleich konzentriert und verträumt zum Himmel zu schauen scheint“, sagt Struckmeier. „Dieses Porträt thematisiert die Rolle des Künstlers als Beobachter in der Welt und weist ihm eine erhabene Position zu“, begründet sie weiter. Das Bild zeigt den Künstler mit Stock und Zylinder, wie er den Flug einer Lerche beobachtet. In der weiten hellen Fläche des Himmels ist nur der kleine Vogel zu sehen.

Jeannine Brunos Lieblingsporträt aus der Sammlung Frerich ist Marie Laurencins Selbstporträt aus dem Jahr 1906. Über diese Zeichnung sagt die Leiterin der Werkloge: „Ich identifiziere mich mit dem Ansatz der emanzipierten, intellektuellen Frau und Künstlerin. Meine Affinität zu den französischen Intellektuellen dieser Zeit habe ich mir seit über 20 Jahren bewahrt.“ Marie Laurencin war erst 20, als sie sich derart selbstbewusst abbildete. Damals stand sie kurz vor ihrem Durchbruch in den intellektuellen Kreisen Paris‘, später zählte sie Pablo Picasso zu ihren Freunden. Sie war eine der wenigen Frauen, die sich malerisch profilierten. Bei der Auswahl ihrer Motive zeigte sie oftmals emanzipatorische Ansätze.

Das Lieblingsbild von Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann ist Andy Warhols Selbstbildnis aus dem Jahr 1966. „Andy Warhol hat durch seine Pop-Strategien die Kunst des 20. Jahrhunderts revolutioniert. Er ist ein Kunstrebell, der die Grundlage für ein neues Kunstverständnis legte, das bis heute aktuell und eine spannende Herausforderung ist.“ Für das Porträt hat er sich in denkender Pose inszeniert, um mit dieser Fotografie in Siebdruck eine Ausstellung anzukündigen, mit der er sich vom Medium der Malerei zurückzog.

Für Philipp Lines Lange, den Assistenten der Museumsdirektorin und Kurator der Ausstellung „Unsere Werte“, ist Max Beckmanns „Der Ausrufer“ der Favorit. „Als künstlerischer und sozialer Kommentator setzt Max Beckmann sich über die gesellschaftlichen Konventionen vom Bürgertum hinweg – spöttisch und zugleich der Wahrheit verpflichtet“, sagt er mit Blick auf die Radierung aus dem Jahr 1921.

Bis 23. März zu sehen

Die Ausstellung „Unsere Werte. Die Sammlung Frerich. Selbstporträts auf Papier“ ist noch bis zum 23. März im Leopold-Hoesch-Museum zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Donnerstags schließt das Museum erst um 19 Uhr.

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