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Liebevolle Respektlosigkeit und derber Spaß

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
Clown, Diakon und Weiser in ei
Clown, Diakon und Weiser in einer Person: Willibert Pauels, der „fromme Jeck” aus dem Oberbergischen, begeisterte sein Publikum im Gaus der Stadt zu Düren. Foto: Michael Schoofs

Düren. Willibert Pauels ist Kult - nicht nur, wenn er als „Ne Bergische Jung” zur Zeit des Karnevals in den Sitzungssälen des Rheinlands ein ums andere Mal bejubelt wird.

Auch außerhalb der närrischen Zeit besitzt der Diakon und Büttenredner aus Wipperfürth im Oberbergischen Kult-Status. Dann ist, wie jetzt im Haus der Stadt zu Düren geschehen, schon eine Dreiviertelstunde vor Beginn des Gastspiels im großen Saal jeder Sitz besetzt.

Kölscher Fastelovend

Im Grunde - so stellte sich rasch heraus - hat Pauels rund zweistündiges Programm etwas von den in einander verschachtelten Puppen. Außen gab es - zum Beispiel mit dem Einzugslied „Ritsch, ratsch, de Botz kapott” - durchaus eine außerhalb der Saison gut abgemessene Dosis Karneval und auch den einen oder anderen derben Spaß. Aber darin steckte mehr, zum Beispiel Weisheit. Dass im kölschen Fastelovend die Säfte dann und wann überschießen, kommentierte der Clown und Mann Gottes beispielsweise mit dem Satz: „Wenn die Leidenschaft zur Tür herein kommt, rettet sich der Verstand mit einem Sprung aus dem Fenster.”

Mit Autoritäten, kirchlichen allemal, ging Pauels ziemlich nonchalant um. Papst Benedikt XVI. ist für ihn etwa „der berühmteste weißhaarige Deutsche seit Eisbär Knut”. Trotzdem ließ Pauels gerade bei seiner liebevollen Respektlosigkeit keinen Zweifel zu, dass er zur katholischen Kirche und ihren Würdenträgern steht. Darum stimmte er auf der Bühne kurz den Hymnus „Tantum ergo” an, der beim Fronleichnamsfest und zu eucharistischen Segensandachten erklingt, und verstand es auch, Verständnis und sogar ein Quäntchen Sympathie für Joachim Kardinal Meisner zu wecken, obwohl der Kölner Erzbischof nicht gerade auf Platz 1 der Beliebheits-Hitparade steht.

Mit Gags und Grimassen hatte der fromme Jeck sein Publikum rasch beim Wickel und machte sich so zum Freund (fast) jeden Zuhörers im Haus der Stadt.

Nach der Pause führte der Diakon mit der Clownsnase das Komische und das Geistliche, das Fromme und das Jecke zusammen, erklärte, warum das Lachen und das Lächeln selig machen und machte den Leuten im Saal klar, warum der Kardinal so ist wie er ist. Immer sprach der fröhliche Gläubige Klartext und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er redete von Mensch zu Mensch. Darum mag ihn das Publikum generell und feierte ihn jetzt in Düren. Denn auch in Düren wird rheinisch gesprochen und gedacht. Und das kam an, genau so wie Witze auf Kosten von Westfalen und anderen Minderheiten.
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