Liebesbeweise aus Krepp und Blumendraht

Von: gkli
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Wie am Fließband: Der Junggesellenclub aus Eschweiler über Feld ist gut auf die Mainacht vorbereitet. Unzählige Mengen Krepppapier wurden geschnitten. Foto: gkli

Eschweiler über Feld. Ratsch, ratsch – immer wieder fliegt das lange Messer der Schneidemaschine in Richtung Tischplatte. Es herrscht Hochbetrieb im Jugendheim an der Josefstraße in Eschweiler über Feld. Seit zwei Monaten treffen sich die Junggesellen des Ortes zweimal pro Woche zum organisierten Basteln. Die Mainacht will, wie überall in der Region, gut vorbereitet sein.

Kunterbuntes Krepppapier bestimmt das Bild im Jugendheim, es wird geschnitten, gedreht und gelacht, gesellig ein Bierchen getrunken. Die jungen Männer arbeiten wie am Fließband. Einer schneidet den Draht, einer unzählige Lagen von Krepppapier, mehrere wickeln die Bänder zu Plümen und einer verstaut den fertigen Schmuck in blaue Plastiksäcken. Zwischendurch wird Currywurst mit Pommes bestellt. Verschnaufpause, dann geht es weiter. Schließlich müssen der Dorfmaibaum und die Maibäume für die Freundinnen der Jungs ordentlich geschmückt werden.

Für den großen Dorfmaibaum brauchen die jungen Männer etwa 500 Plüme, 100 in jeder Farbe. Für 14 kleine Maien werden 1250 Plüme gebunden. „Für die Maifrau ist einem nichts zu schade“, sagt Christian Kraus lächelnd.

Das ist schon seit Jahrhunderten so. Das Aufstellen von Maibäumen ist eine alte Tradition. Früher war es Teil des „Mailehenbrauchs“, einer Art dörflichen Partnervermittlung. Die unverheirateten Frauen wurden den Junggesellen des Dorfes für eine Zeit als „Leihgabe“ übergeben, so bildeten sich die Maipaare. Zum Brauch gehörte es auch, der Maibraut einen mit bunten Bändern geschmückten Maibaum zu stellen. Diese Tradition hat sich gehalten. Wenn sie auch nicht mehr der Regelung des dörflichen Heiratsmarktes dient.

In diesen Tagen sind viele Mädchen schon gespannt, ob sie am 1. Mai eine bunt verzierte Birke oder Tanne an ihrem Haus entdecken werden. „Mit der Hochzeit ist man aber weg vom Fenster“, sagt Marcel Roß, der Vorsitzende des Clubs. Dieses auch ansonsten einschneidende Erlebnis ist zugleich der Endpunkt der Maiaktivitäten.

35 Mitglieder gehören dem Junggesellenclub an, darunter sind 30 Aktive. Seit sechs Jahren steht der 29-jährige Marcel Roß dem Club vor. In den vergangenen Jahren gewann der Junggesellenclub nach einer Flaute wieder an Fahrt. Seitdem sind die jungen Männer, die mindestens 16 Jahre alt sein müssen, wieder mit ganzem Herzen dabei. Ständig versuchen sie, die Bastelarbeit zu optimieren. Feilen an der Technik. Im kommenden Jahr feiert der Club sein 50-jähriges Bestehen.

Ein anderer Liebesbeweis macht den Maibäumen Konkurrenz: das Maiherz – eine Geduldsarbeit. Im vergangenen Jahr hat Christian Kraus für seine Freundin Ann-Kathrin Korfmacher gut 300 Röschen gedreht und auf ein Styroporherz gesetzt. Anfang Februar hat er damals mit der aufwendigen Arbeit begonnen, dreimal pro Woche saß er abends da und drehte Röschen. In diesem Jahr hat er sich für eine schnellere Variante entschieden: Da er mit seiner Masterarbeit beschäftigt ist, hat er auf fertige Nelkenköpfe zurückgegriffen. Jede Menge Arbeit hat er trotzdem investiert und zwei Tage lang Blümchen in das Herz gesteckt.

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