„Liebe, Lügen, Leberkäs“: Lustspiel zwischen Wurst und Schinken

Von: Anneliese Lauscher
Letzte Aktualisierung:
14385698.jpg
Streit zwischen Würsten: Der Metzgermeister Jakob Säuling (l.,Olaf Effertz) will auf den Gesellen (Rolf Wergen) losgehen, während Metzgersgattin Anni (2.v.l., Helga Niedeggen) und ihre Tochter (Sabrina Reinartz) versuchen, die Streithähne zu trennen. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Dass die Theatergruppe des Turn- und Sportvereins in Schmidt viermal vor ausverkauftem Haus spielen darf, kommt nicht von ungefähr: Seit Jahren versteht es die Regisseurin Vera Lennartz, ein gut gewähltes Stück optimal zu besetzen.

Und die Laienschauspieltruppe wird immer besser. Mutig streuen die Spieler Lokalkolorit ein, was die Zuschauer umso mehr amüsiert.

So war es auch jetzt wieder im Saal des Schützenhofs. An zwei Wochenenden wurde dort das Stück „Liebe, Lügen, Leberkäs“ von Jürgen Schuster aufgeführt. Das gut gelaunte Publikum spendete schon gleich zu Beginn Applaus für ein überaus gelungenes Bühnenbild: eine Metzgerei mit Schinken und Würsten, mit antiker Waage und Aufschnittmaschine. Auch der Meisterbrief fehlte nicht.

Vor dieser Kulisse begegneten die Zuschauer zunächst der Metzgerstochter Caro, einem feschen Mädel, das nicht auf den Mund gefallen ist. Sabrina Reinartz meisterte ihre Rolle jugendlich-charmant. Ihr erster Kunde ist Opa Blechle. Den mimte einer der „Altstars“ der Schmidter Bühne: Kurt Deuster. Diesmal hatte man ihm den tüddeligen, verwirrten und etwas starrsinnigen Opa auf den Leib geschrieben, der dauernd von zu Hause abhaut und dann in der Metzgerei Mohnbrötchen, Nägel und Karabinerhaken kaufen will. Es war eine Paraderolle für den erfahrenen Schauspieler.

Anni Säuling, die Metzgersgattin, nimmt es an Sprachgewalt gerne mit ihrem cholerischen Mann Jakob Säuling auf: Helga Niedeggen und Olaf Effertz als Metzgerehepaar lieferten sich temperamentvolle und witzige Streitgespräche.

„Wat billisch weg muss“, will Fanny stets kurz vor Ladenschluss kaufen. Die etwas einfältige, altmodische Figur, bei der man offensichtlich „auch am Gehirn gespart hat“, wie Anni Säuling meint, wurde urkomisch dargestellt von Karina Huben. Der von ihr schüchtern verehrte „Postschorsch“ (Armin Stollenwerk) ist recht langsam in seinen Reaktionen und seiner Sprache; meistens sagt er, um Zeit zu gewinnen: „Ja – schon.“ Das konnte das Publikum bald mitsprechen.

Auf den Metzgergesellen Fritz, gespielt von Rolf Wergen, ist der Meister nicht gut zu sprechen, weil der nämlich hinter seiner Tochter her ist und außerdem die besseren Ideen hat für die Modernisierung des Ladens. Und er kann auch Würste machen, die besser schmecken als die seines Chefs. Da gab es turbulente Szenen und heiße Wortgefechte, die immer wieder mit spontanem Applaus des begeisterten Publikums belohnt wurden.

Nachfrage übersteigt Kapazitäten

Auch am „blinden“ Michel, der sich am liebsten als weiser Seher ausgibt, sich überall einmischt und für „Schwingungsausgleich“ sorgen will, hatten die Zuschauer ihre helle Freude. Er ist keineswegs blind, außerdem schlau und berechnend; Helmut Bergsch verkörperte den Michel mit Spielwitz und origineller Gestik.

Zum Gelingen der erfolgreichen Theaterabende trugen auch die Souffleuse Luzia Virnich und andere Akteure im Hintergrund bei.

Im nächsten Jahr will die Theatergruppe sogar fünfmal spielen, denn die Nachfrage nach Karten überstieg ihre Kapazitäten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert