Gürzenich - Liebe, Chat und miese Tricks: Ein Buch wie aus dem Schülerleben

Liebe, Chat und miese Tricks: Ein Buch wie aus dem Schülerleben

Von: Bruno Elberfeld
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Schüler, Lehrer und die Autorin vor einem Wandbild an der Hauptschule Gürzenich. Foto: Bruno Elberfeld

Gürzenich. In der Einladung bezeichnet Peter Erken, Lehrer an der auslaufenden Hauptschule Gürzenich, die Autorenlesung mit Dr. Annette Weber als „eine der letzten Handlungen vor der Schließung der Schule“. Auf Einladung Erkens und seines Kollegen Norbert Marx, Lehrer der 9a und 9b, las Annette Weber aus „Im Chat war er noch so süß“. Um was geht es?

Die 14-jährige Sarah steckt, wie viele Jugendlichen in der Pubertät, in einer Identitätskrise. Sie mag ihr Spiegelbild nicht, lehnt ihren ganzen Körper ab. Die Folge ist Isolation. Sarah ergreift die Initiative, sucht in einem Chatroom mit falschem Namen, falschem Foto und als angeblich 17-Jährige einen Freund. In einem sogenannten „Privatchat“ bandelt Sarah mit „Sonnenkönig“ an, der sie peu à peu mit miesen Tricks weichklopft.

Sarah outet sich nicht mit ihrem eigenen Namen, sondern mit dem Namen ihrer schönen Freundin Rebecca, deren Foto sie als ihr eigenes ausgibt. Der „Sonnenkönig“ ruft abends stundenlang bei Rebecca an, belagert das Haus, bis Rebeccas Vater dem Spuk ein Ende bereitet.

Annette Weber hat die Gefahren des Internet-Chattens aufgezeigt, denen sich Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene ausliefern, ohne dass sie es zunächst merken. Das dicke Ende kommt dann oft überraschend.

Die Klassen 9a und 9b hatten im Deutschunterricht Webers Text „Keine Chance – wer geht denn schon mit Türken?“ durchgearbeitet, ein Thema, das zurzeit mal wieder in Deutschland aktuell ist. Hier geht es um die Ressentiments einer deutschen Familie, die ihrer Tochter die Freundschaft mit einem türkischen Jungen austreiben will. Die jungen Menschen schienen sehr angetan von dem Text. Sie selbst aber wollten mehr – so war es auch geplant – über das Leben und Arbeiten der Schriftstellerin hören.

„Wie sind Sie auf die Idee gekommen“, fragte ein Junge, „solche Bücher zu schreiben?“ Die Bücher Webers tanzen im Bücherregal schon etwas aus der Reihe, weil sie sich klein, dünn und in großer Schrift – Arial 14 – präsentieren. Das seien, so die Autorin, ihre drei Söhne schuld, die keine dicken, klein gedruckten und langweiligen Bücher lesen wollten.

Nach längerer Grübelarbeit sind dann diese „Bücher für Nichtleser“ entstanden, die man in einer Stunde konsumieren kann. Die Themen recherchiert Annette Weber in sozialen Einrichtungen, Psychiatrien, Beratungs- und Kontaktstellen, Frauenhäusern, überall da, wo Jugendliche nach ihrem Scheitern oft landen.

Eine unter dem Strich anregende Begegnung Jugendlicher mit einer Schriftstellerin, die die Probleme von Jugendlichen in Büchern darstellt.

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