„Liberation Route Europe“: Grundstein für weitere Zusammenarbeit gelegt

Von: Sandra Kinkel
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Auch die Pfarrkirche St. Josef in Vossenack wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Wanderausstellung „Routes of Liberation“, die auch in Schmidt zu sehen war, beschäftigt sich mit der Befreiung Europas von der Nazi-Herrschaft. Jetzt soll eine Organisationsstruktur geschaffen werden, um das Projekt dauerhaft fortführen zu können – auch in NRW und im Kreis Düren. Foto: kin, smb, „Rureifel-Tourismus“

Düren. Es geht darum, Geschichte erlebbar und damit besser verständlich zu machen. „Liberation Route Europe“ heißt ein internationales Projekt, das sich bereits seit mehr als vier Jahren mit der Befreiung Europas von der Nazi-Herrschaft auseinandersetzt.

Mehr als 6000 Geschichtsinteressierte haben sich im vergangenen Jahr die Ausstellung „Routes of Liberation“ in der Schmidter Pfarrkirche angesehen, die den Weg der West-Alliierten von der Südküste Englands bis Berlin nachgezeichnet hat. Diese Ausstellung ist ein Baustein der „Liberation Route Europe“.

Bei einer Fachtagung in Düren ist am Freitag der Grundstein für den Aufbau einer eigenen Unterorganisation des Projektes in Nordrhein-Westfalen gelegt worden.

Bürgermeister aus der Euregio, Vertreter von Museen, Geschichtsvereinen, Hochschulen und NRW-Staatssekretär Bernd Neuendorf (Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport) haben teilgenommen. Schirmherr war EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der seine Teilnahme wegen des Gipfels in Brüssel allerdings kurzfristig absagen musste. Trotzdem war die Tagung erfolgreich. Das in den Niederlanden gestartete Projekt „Liberation Route Europe“ soll dauerhaft in NRW fortgeführt werden. Unter anderem sollen in Kooperation mit lokalen Institutionen wie dem Verein „Rureifel-Tourismus“ Bildungs- und Tourismusangebote geschaffen werden.

An dem Projekt sind Partner aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland und Polen beteiligt. Es gibt Kontakte nach Kanada, Australien, Neuseeland und in die USA. Die niederländische Stiftung „Liberation Route Europe“ koordiniert dies und soll jetzt zu einem Dachverband werden. In den einzelnen Ländern und Regionen soll die Arbeit eigenständig organisiert werden. Damit dies in NRW geschehen kann, sollen Gotthard Kirch, Geschäftsführer des Vereins „Rureifel-Tourismus“, und Stiftungsdirektorin Victoria van Krieken eine Organisationsstruktur und Projektideen entwickeln, mit denen die Suche nach Fördermöglichkeiten beginnen kann.

Alleinstellungsmerkmal

Axel Buch, Bürgermeister von Hürtgenwald und Vorsitzender von „Rureifel-Tourismus“: „Es kommen viele Menschen zu uns, um Natur zu erleben, aber auch, um die Orte des Krieges zu besuchen. Beides ist in touristischer Hinsicht ein echtes Alleinstellungsmerkmal für unsere Region.“ Staatssekretär Bernd Neuendorf, der übrigens selbst in der Gemeinde Hürtgenwald aufgewachsen ist, ergänzt: „Es gibt kaum noch Großeltern, die den Krieg erlebt haben, deshalb ist es wichtig, dass wir eine Debatte über die Geschichte der Erinnerung anstoßen. Wir müssen Erinnerung angemessen gestalten.“ Europa, so Neuendorf weiter, werde gerade auf eine harte Probe gestellt. „Wir haben viel zu verlieren, wenn wir nicht dafür eintreten, dass die Europäische Union festen Boden unter den Füßen hat. Das bedeutet auch, dass wir für ein gemeinsames Erinnern eintreten.“

„Europäische Erinnerungskultur“

Für Dr. Wiel Lenders, Direktor des Befreiungsmuseums in Groesbeek, ist es wichtig, „nach 70 Jahren den nationalen Sandkasten endlich zu verlassen“. „Wir müssen den internationalen Kontext der Geschichte sehen“, sagt er. „Nur dann können wir die Historie besser begreifen. Deswegen brauchen wir eine europäische Erinnerungskultur.“ Ähnlich sieht das auch Herman Kaiser, Bürgermeister der niederländischen Stadt Arnheim: „Wir sind Europäer und haben eine gemeinsame Geschichte. Das müssen wir leben – auch im Erinnern.“ Wie das Projekt „Liberation Route Europe“ konkret in NRW umgesetzt werden wird, werden die nächsten Monate zeigen. „Wir haben noch keinen Euro in der Tasche“, sagte Gotthard Kirch am Ende der Tagung. Immerhin haben aber Staatssekretär Bernd Neuendorf und Harry Voigtsberger, Präsident der NRW-Stiftung ihre Unterstützung zugesagt. Neuendorf will mit seinen Kollegen aus dem Wirtschaftsministerium Kontakt aufnehmen. Auch Klaus Schäfer, Geschäftsführer der „Eifel Tourismus GmbH“, zeigte sich von dem Projekt begeistert. „Touristiker tun sich mit der jüngeren Geschichte Europas schwer. Es braucht sehr viel Hintergrundwissen, um diesen Teil der Historie touristisch zu vermarkten. Dieses Wissen ist hier gegeben.“ Angemerkt

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