LHM-Direktorin spricht von 20.000 Besuchern

Von: Jörg Abels
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Wie gut oder schlecht sind die Besucherzahlen im Leopold-Hoesch-Museum wirklich? Direktorin Renate Goldmann spricht von durchschnittlich 20.000 im Jahr, ohne konkrete Belege zu nennen, und will den Anteil der zahlenden Gäste nicht kennen. Foto: ja/smb

Düren. Nur etwa 3000 zahlende Besucher im Jahr im Leopold-Hoesch-Museum (LHM)? Interessieren die Ausstellungen wirklich so wenige Menschen, wie die „Ampel“-Koalition auf Basis der Einnahmen aus Eintrittsgeldern von nicht einmal 20.000 Euro im Jahr 2015 geschlussfolgert hatte? Aus dem Rathaus waren im Mai sogar noch weitaus weniger zahlende Besucher für 2015 gemeldet worden, gerade einmal 2609.

Alles falsch, betont Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann und spricht von Berechnungsfehlern, ohne aber ihrerseits konkrete Angaben machen zu können – nicht für 2016, nicht für 2015, nicht einmal für frühere Jahre. Der Systemadministrator sei krank.

Andere Zahlen kann sie hingegen aus dem Stegreif abspulen: 146 Ausstellungen wurden im LHM seit der Wiedereröffnung im Jahr 2010 gezeigt, über die 2585 mal in Medien berichtet wurde. 1565 Veranstaltungen wurden angeboten, 34 Publikationen erstellt.

Zahlen im Durchschnitt?

Die Direktorin geht ihrerseits von deutlich höheren Besucherzahlen im Leopold-Hoesch-Museum aus, nennt einen Durchschnittswert von 20.000 im Jahr und eine Zahl von 174 000 seit 2010, Belege aber bleibt sie schuldig. Damit aber läge das Haus nach einer Statistik des Instituts für Museumsforschung im Durchschnitt der Museen in vergleichbaren Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern. Also kein Grund zur Sorge? „Die Besucherzahlen machen mir keine Angst“, betont die Direktorin.

Wie es zu diesen doch gravierenden Differenzen kommt? Renate Goldmann verweist darauf, dass Schulklassen und andere Besuchergruppen nur einmal gezählt würden, dass die rund 500 Mitglieder des Museumsvereins (jährlicher Einzelbeitrag 40 Euro) keinen Eintritt bezahlen müssten und ohnehin jeder gezählt werde, der sich im Museum aufhalte – auch Gäste bei Veranstaltungen.

Es sei in der Branche üblich, von Bruttozahlen zu sprechen, deren Berechnung freilich nebulös bleibt. „Wir haben nichts zu verbergen, aber konkrete Zahlen haben wir im Moment nicht“, erklärt Goldmann. Details, auch zu den übrigen Einnahmen des Museums, wolle sie in einer Vorlage für den Kulturausschuss auflisten, kündigt die Direktorin an; wohl nicht schon am 21. März, eher am 14. Juni.

Dann will sie auch drei Modelle für eine künftige Preisgestaltung präsentieren. Die „Ampel“-Koalition hatte zuletzt gefordert, dass Jugendliche bis 21 Jahre und Empfänger von staatlicher Hilfe („Hartz IV“) freien Eintritt im Hoesch-Museum und ab 2018 auch im neuen Papiermuseum erhalten sollen.

Ob damit mehr Besucher ins Museum gelockt werden können, wollte die Direktorin aber ebenso wenig kommentieren, wie die Frage, wie sie bei Eintrittsgeldern von nicht mal 20.000 Euro die Besucherentwicklung bei einem komplett freien Eintritt einschätzen werde. Nur so viel: „Ich kämpfe um jeden Euro.“ Apropos Euro: 1,5 Millionen Euro fließen nach Goldmanns Angaben jährlich aus dem städtischen Etat ins Hoesch-Museum, weitere 200.000 ins Papiermuseum. Dazu kommen noch erhebliche Spenden und Zuwendungen, unter anderem von Stiftungen.

Schub vom Papiermuseum

Obwohl die Besucherzahlen aus ihrer Sicht alles andere als besorgniserregend sind, macht sich die Direktorin Gedanken, wie sie noch verbessert werden können. Allein mit der Öffnung des Papiermuseums im März 2018, das gerade für 4,4 Millionen Euro umgebaut und erweitert wird, erhofft sie sich zumindest in den ersten beiden Jahren einen deutlichen Schub auf vielleicht 30.000 Besucher in beiden Häusern.

Ansetzen will sie auch an anderen Stellen. Stichwort: Digitalisierung. Gemeint ist ein WLAN-Netz im Museum, damit vor allem jüngere Besucher zusätzliche Informationen zu den Werken und Künstlern direkt vor Ort im Internet einholen können. Der Kunstbestand solle ebenfalls digitalisiert werden, damit sich Interessierte auf der Homepage des Museums besser und gezielter informieren können.

Auch von der erfolgreichen und in überregionalen Medien hoch gelobten Provenienzforschung des LHM erhofft sie sich einen Schub, einen Artikel dazu in der FAZ bezeichnet sie als „Blankoscheck“, der freilich von Besuchern noch eingelöst werden muss. Sie setzt auf noch mehr Vernetzung mit anderen Häusern und zum Beispiel einen Ausbau von Bustouren, auf gezielte Werbemaßnahmen, unter anderem auf großen touristischen Hinweisschildern, die noch in diesem Jahr an der A4 aufgestellt werden sollen. „Das ist die Krönung“.

Was sie jedoch nicht spürbar verändern wolle, ist das bisherige Ausstellungskonzept. „Ausstellungen müssen zum Haus passen“, betont Renate Goldmann. Dabei macht sie deutlich, worum es aus ihrer Sicht in einem Museum neben dem Zugang zu Kunst und Kultur geht: um die eigene Sammlung, für die man Fans gewinnen müsse. Kommentar

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