Golzheim - Leuchtender Bogen symbolisiert die Sehnsucht nach Licht

Leuchtender Bogen symbolisiert die Sehnsucht nach Licht

Von: Sarah Maria Berners
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Ein Schwibbogen, wie er im Erzgebirge üblich ist. Heute kennen wir in unseren Breiten vor allem die kleinen Bögen für die Fensterbank. Foto: smb
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Das Haus von Christine und Dieter Kmoch schmückt ein Schwibbogen.

Golzheim. „In Golzheim, da gibt es ein Haus, das ist ganz besonders weihnachtlich geschmückt“, sagt der freundliche Herr am Telefon. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon bunte Lämpchen blinken, sehe leuchtende Rentiere und Schlitten und einen dicken Nikolaus an der Dachrinne baumeln – weit gefehlt. Einen Holzbogen soll es geben, aber einen besonderen eben, mit Figuren und Licht.

Mal sehen und nichts wie hin zur Kirchstraße in dem kleinen Ort. Und da hängt er an der Hauswand, der viele Kilogramm schwere, von Lampen umgebene Holzbogen. „Diese Dekoration habe ich von drüben mitgebracht“, erzählt Dieter Kmoch. „Drüben“, das ist die Kreisstadt Freital in der Nähe von Dresden. 1961 ist Dieter Kmoch mit seiner Familie von dort in den Westen gezogen. Die Erinnerungen an den Schmuck, der in seiner alten Heimat eine lange Tradition hat, nahm er mit.

Vor zehn Jahren entschloss er sich, mit seinem Vater diese alte Tradition aus dem Erzgebirge aufleben zu lassen. „Sie kennen doch bestimmt diese kleinen Bögen, die in den Fenstern stehen“, sagt Kmoch und erklärt: „Das sind kleine Varianten des traditionellen Schwibbogens.“ Viele dieser kleinen Bögen in den Fenstern zeigten heute aber nicht mehr das ganz traditionelle Motiv. „In unserem Schwibbogen sehen Sie Motive und Symbole der Bergleute“, beschreibt Kmoch. Die Form des Bogens soll die Eingänge symbolisieren, durch die die erzgebirgischen Bergleute in die Stollen zogen. Andere Interpretationen sehen darin den Himmelsbogen.

Staunende Kinderaugen

Besonders wichtig ist der Lichterkranz, der den Bogen umgibt. Er ist das Zeichen für die Sehnsucht der Menschen nach Licht in der dunklen Jahreszeit. „Vor allem die Bergleute bekamen das Tageslicht kaum zu sehen, wenn sie am Morgen in den Tunnel hinein und erst am Abend wieder dort hinauskamen“, erklärt Kmoch und erinnert sich an eine Geschichte. Der zufolge begab es sich, dass die Bergleute im 17. Jahrhundert am Heiligenabend nach der Schicht ihre Grubenlampen rund um das Stollenmundloch hingen.

„Da glühten sie nun in der dunklen Nacht und von der Ferne sah es aus, als ob ein Bogen glühte“, heißt es weiter. Allerdings ist es laut einigen Quellen unsicher, ob mit dieser Erzählung wirklich Heiligabend oder nur der verdiente Feierabend, den die Bergleute nur genießen konnten, wenn es kein Unglück in der Grube gab.

Viele Wochenenden haben Dieter Kmoch und sein Vater an dem Bogen gearbeitet. Sie haben die Figuren mit der Stichsäge ausgesägt und angemalt. „Wenn morgens der Schulbus hier vorbeifährt, dann schauen die Kinder den Schwibbogen mit großen Augen an“, schildert Kmoch. „Und mein Vater oder ich erzählen ihnen dann gerne, woher die Tradition dieses besonderen Schmuckes kommt.“

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