Kelz - Letzter „Tante-Emma-Laden“ der Gemeinde Vettweiß schließt

Letzter „Tante-Emma-Laden“ der Gemeinde Vettweiß schließt

Von: Gudrun Klinkhammer
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Nicht nur bei Maria Braun (r.) begleitete am Samstag Wehmut den letzten Einkauf. Agnes Weyers muss ihren „Tante-Emma-Laden“ nach 33 Jahren für immer schließen. Foto: Klinkhammer
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Das Haus, in dem Agnes Weyers ihren Laden angemietet hatte, hat den Besitzer gewechselt und wird abgerissen.

Kelz. „Danke für Deine Treue“, lautete der Gruß, den Agnes Weyers den vielen Kunden, die Samstagmorgen noch einmal ihren kleinen Gemischtwarenhandel an der Broichstraße aufsuchten, mit auf den Weg gab. Die Verkäuferin und ihre Kunden hatten bei diesen Worten nicht selten Tränen in den Augen.

Mittags schloss die gestandene Geschäftsfrau dann ihre Ladentüre für immer ab. Mit dieser Geste beendete sie gleichzeitig das Kapitel der „Tante-Emma-Läden“ in der Gemeinde Vettweiß. Denn eine derartige Institution gibt es nun nicht mehr. Der Grund für das Aus: Das Gebäude, in dem Agnes Weyers ihren Laden 33 Jahre lang zur Miete betrieb, wechselte kürzlich den Besitzer. „Es soll bald abgerissen werden und einem neuen Gebäude weichen“, berichtet Agnes Weyers.

„Die Agnes wird uns sehr fehlen“, sagte Maria Braun. Die 73-jährige Kundin aus Kelz kam immer wieder gerne, um alles Mögliche bei Agnes Weyers einzukaufen: Brot, Wurst, Zeitungen, Lebensmittel, Körperpflege- und Putzmittel sowie Dekorationsartikel. Auch war es immer möglich, bei Agnes Weyers Pakete und Briefe abzugeben.

Maria Braun: „Seit ich in Rente bin, habe ich bei Agnes immer gerne eingekauft. Agnes war immer für uns da. Dass sie schließt, ist so schade.“ Auch die 57-jährige Johanna Pol aus Kelz bedauert die Entwicklung: „Die Agnes, das war immer eine Anlaufstelle, die man zu Fuß erreichen konnte. So etwas braucht man im Dorf.“ Zum Abschied nahm Johanna Pol „die Agnes“ noch einmal in den Arm. „Komm, lass Dich drücken“, lauteten ihre Dankesworte, bevor es wieder hieß: „Danke für Deine Treue“.

Agnes Weyers ist gelernte Fleischereifachverkäuferin. Vor 33 Jahren, genau am 3. Januar 1983, eröffnete sie den kleinen Dorfladen. Damit verwirklichte sich die Kelzerin einen Traum. Unterstützt wurde sie stets von Ehemann Edmund Weyers. Der 70-jährige pensionierte Postbeamte war seiner quirligen Frau immer eine große Stütze. Auch Tochter Nadine Weyers und Brigitte Titz standen ihr jahrzehntelang zur Seite. Worauf Agnes Weyers, die in ihrer bisher knapp bemessenen Freizeit gerne Ski fährt, besonders stolz ist: „In all den 33 Jahren war der Laden nicht einen Wochentag geschlossen.“

Immer wieder nahm sie auch Jugendliche unter ihre Fittiche, die in ihrem Laden erste berufliche Schritte unternehmen durften. Einer von ihnen ist Eric Franzen: „Vom neunten Lebensjahr an kam er und half mir, so wie es seine Zeit erlaubte“, erinnert sich Agnes Weyers. Nach einer Lehre als Einzelhandelskaufmann ist der heute 22-Jährige leitender Angestellter einer großen Discounterkette in Düren, berichtet die Geschäftsfrau mit Stolz in der Stimme. Auch die beiden Familienmitglieder Luca und Nick Weyers, sieben und zehn Jahre alt, machten sich bereits im Lädchen verdient.

Rückblickend sagt Agnes Weyers: „Vor allem mit den ausgezeichneten Back- und Wurstwaren, die mir umliegende Fachgeschäfte zulieferten, konnte ich den Laden über die Jahre hinweg halten.“ Was nun kommt, darauf ist die agile Persönlichkeit selber gespannt. Agnes Weyers: „Ich werde jetzt erst mal abschalten und dann überlegen, was in meinem Alter noch geht. Stundenweise möchte ich auf jeden Fall weiter arbeiten gehen.“

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