Lesung von Necip Tokoglu: „Kitsch, Kitschiger, Türkitsch“

Von: bel
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Düren. Necip Tokoglu liest „Türkische Heimatgeschichten“: Ein Schriftsteller macht sich von seinen Kindheitserlebnissen frei. Mit gelungenen Pointen und akrobatischen Wortverdrehungen hat Tokoglu in der Endart jede Menge Szenenapplaus fabriziert. Die Schlägerkappe, mit der er oft abgelichtet wird, wartete in der Garderobe. Konzentriert, seiner Aufgabe ganz hingegeben, begeisterte er das Publikum.

Der in Ankara geborene Autor las aus einem Werk, das in etwa einem Jahr erscheinen wird. Es trägt den widersprüchlichen Titel „Türkische Heimatgeschichten aus dem Westerwald“, Untertitel „Kitsch, Kitschiger, Türkitsch“. Die Besucher saßen an diesem Abend im Café der Endart in dem Bewusstsein, dass der Schriftsteller das Biografische einer türkischen Familie mit den Erlebnissen eines kleinen Jungen im verschlafenen Ort Ransbach vermischen würde.

Mit 45 Jahren, vor sechs Jahren, erinnerte sich Necip Tokoglu und er begann zu schreiben: Er sieht den Vierjährigen vor sich, der in einem fremden Land, in einem abgelegenen Dorf Außenseiter ist. Niemand versteht seine Sprache, Missverständnisse sind programmiert. Auf dem Schulhof deutet er die Anweisungen des Hausmeisters falsch, weil der Dialekt der Einheimischen für ihn genau so schwer zu verstehen ist wie die türkische Sprache für die Einwohner. „Trotz der vielen Ermahnungen und der vielen Strafen bin ich doch noch ein anständiger Deutscher geworden“, sinniert Tokoglu. Als kleiner Junge fühlte sich Necip Tokoglu, als sei er von seinen Eltern „in den Westerwald verschleppt“ worden. Gleichaltrige Freunde hatte der Schüler wenige. Es waren meist ebenfalls Außenseiter, auffällig wegen irgendeines Handicaps wie Stottern. Nach der Grundschule absolviert Tokoglu erfolgreich das Gymnasium, wo so etwas wie Ruhe in sein Leben einkehrte. Die Eltern, die mittlerweile schon lange in die Türkei zurückgekehrt sind, zogen mit ihren Kindern des Öfteren hin und her: Türkei – Deutschland, Deutschland – Türkei. In seiner Schulzeit hat Necip Tokoglu so in zehn Schuljahren acht Klassenlehrer kennengelernt – eine stürmische Pädagogik.

Das Aneignen der deutschen Sprache ging – wie üblich – durch Hinhören und eigenes Tun. „‚Scheiße‘ war das erste Wort, das ich kennenlernte“, erinnert sich der Vorleser. Schwierig zu verstehen war nur, in wie vielen verschiedenen Kombinationen das Wort verwendet wird. Im zweiten Teil seines Buches lässt Tokoglu den Leser an seinen Erlebnissen in Aachen teilhaben, wo er Mineralogie studierte, ebenfalls ein Lacherfolg.

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