Lesung und spannende Gespräche mit Schriftsteller Erich Hackl im Stift

Von: Bruno Elberfeld
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Erich Hackl (l.) las auf Einladung von Dr. Achim Jäger aus seinem neuen Werk „Familie Salzmann”. Foto: bel

Düren. Hackl als Nachname ist vielen Menschen bekannt. Gemeint ist in vielen Fällen dann der Rodler. Doch die Gäste in der Aula des Stiftischen Gymnasiums warteten auf Erich Hackl, den international bekannten Schriftsteller, mit wechselnden Wohnsitzen in Wien und Madrid.

Erich Hackl, dessen Werke in 25 Sprachen erschienen sind - unter ihnen „Auroras Anlass” und „Abschied von Sidonie” - las auf Einladung von Dr. Achim Jäger, Deutschlehrer am Stift, aus seinem neuesten Werk „Familie Salzmann”. Möglich geworden war die Lesung mit Unterstützung des Fördervereins der Schule und der Bürgerstiftung.

Recht unpathetisch ging der Autor an die Lesung heran. Seine Stimme nahm der zierliche Mann auf der Bühne zurück, um den Emotionen der Leser und Hörer nicht im Weg zu stehen. „Familie Salzmann” erstreckt sich über 100 Jahre, umfasst drei Generationen.

„Die Seuche Armut”, so heißt es im Text, „war allgemein verbreitet.” Juliana, die spätere Frau Salzmann, verlässt als junge Frau ihre Familie aus Not und kommt nach einigen Zwischenstationen in Bad Kreuznach an, wo sie Hugo Salzmann heiratet, der sich mit seiner politischen Arbeit in der kommunistischen Partei einen Namen macht. Nach der Machtübernahme flieht die Familie mit ihrem kleinen Sohn Hugo zuerst ins Saarland, dann nach Paris. Juliana gerät in Geiselhaft, ihren Mann Hugo stecken die Nazischergen ins Internierungslager.

Der achtjährige Hugo verbringt die nächsten Jahre elternlos bei Tante Ernestine. Juliana stirbt im KZ Ravensbrück, ihr Mann arbeitet nach dem Krieg in Kreuznach wieder für die kommunistische Partei. Entnazifizierung hat er sich auf die Fahne geschrieben. Jahre später kommt es zur Zusammenführung von Vater und Sohn. Die Partei ist für Hugo Salzmann senior der einzige Lebensinhalt, sein Sohn fühlt sich vernachlässigt.

„Erich Hackl hat eine große Geschichte an einfachen Leuten festgemacht”, wagte Moderator Achim Jäger zu Beginn des Gesprächs mit dem Schriftsteller ein erstes Resümee. Den Stoff für seine Romane und Erzählungen verdankt der Autor zwei Quellen. Zum einen ist es oft der Zufall, der aber zum anderen nicht selten durch die angeborene Neugier und das Interesse Hackls gefördert wird. Im Falle der „Familie Salzmann”, berichtete Hackl, sei der noch lebende Hugo Salzmann junior an ihn herangetreten und habe ihn gebeten, seine Familiengeschichte zu schreiben.

Hackl übernimmt in seiner Arbeit die Rolle des „gestaltenden Dokumentaristen”. Viele seiner Werke sollen eine „Hommage an den deutschen Widerstand” sein. Im Unterricht kamen die Schüler einen Tag später mit Erich Hackl ins Gespräch.
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