Literatin Felicitas Hoppe 2012 mit Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet

Lesung mit Felicitas Hoppe: Schönste und intelligenteste deutsche Prosa

Von: Anke Holgersson
Letzte Aktualisierung:
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Felicitas Hoppe unternahm auf Schloss Burgau einen Spaziergang durch ihre literarischen Werke. Zwischendurch interviewte Professor Michael Braun die Autorin zu Themen und Erzählhaltungen in ihren Büchern. Foto: ah

Niederau. Auf einen Spaziergang durch das Werk von Felicitas Hoppe hatte der Kunstförderverein Kreis Düren auf Schloss Burgau geladen.

 Die 56-jährige, in Hameln geborene Literatin, wurde 2012 für ihr literarisches Schaffen mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt, und der Literaturkritiker Denis Scheck bescheinigte ihr in dem ARD-Magazin „Druckfrisch“: „Die schönste und intelligenteste Prosa Deutschlands schreibt Felicitas Hoppe.“

In Niederau las sie aus drei prägenden Büchern, die sie für die Matinee ausgewählt hatte. „Picknick der Friseure“ war ihre erste Veröffentlichung und ist eine 1996 erschienene Sammlung von absurden Kurzgeschichten. Sie las die Geschichte eines Zöllners, der den ganzen Tag mit Reisenden zu tun hat, aber selbst nicht reisen mag.

Es folgte eine Passage aus ihrem, wie sie verriet, persönlichen Lieblingsroman „Paradiese, Übersee“. „Eigentlich ein Ritter-Roman“ nannte sie das Buch, aus dem sie den etwa 50 Zuhörern die Figur „der kleine Baedeker“ vorstellte, der von seinen Geschwistern diesen Spitznamen erhält, weil er sich als Reiseführer verdingt. Begleitet von Pferd und Hund und in voller Rittermontur, versucht er, mal mehr, mal weniger interessierten Reisegruppen die Geschichte der Ritter in den Ardennen nahezubringen.

Dass die Schwester dieser Figur als Zimmermädchen arbeitet, ist die perfekte Einladung für den kleinen Baedeker, sich in ausführlichster Art und Weise Gedanken über die Trinkgeld-Gewohnheiten von Hochzeitsreisenden zu machen. Hoppe findet dabei zu so schönen Formulierungen wie jene über all die Paare, die keine Frischluft in ihr Hotelzimmer einlassen wollen, „weil sie befürchten, durch die geringe Öffnung einander wieder zu verlieren“.

Jüngstes Werk

Schließlich las Hoppe noch aus ihrem jüngsten Werk, das den Titel „Hoppe“ trägt. Es ist eine Wunsch- und Traumbiografie, in der sie sich selbst eine alternative Vita erfindet. Und zwar so, wie sie es sich als Kind ihr Leben immer gewünscht habe: mit abwesenden Eltern und einem Vater, der wie jener von Pipi Langstrumpf, nur sporadisch vorbeikäme, um die Schatztruhe mit Gold aufzufüllen. Hoppe schreibt ihr sechsjähriges Ich nach Kanada, wo sie mit ihrem Vater, der ein vielbeschäftigter Patentanwalt und daher beinahe vollständig abwesend ist, ein „sehr schönes gemeinsames Leben“ lebt, ohne überflüssige Gespräche, „da alles bereits gesagt ist.“

Diesem Kind bestätigt sie einen „frühen Hang zum Drama“, lässt es Eishockey spielen und in der Nachbarschaft des (tatsächlich existierenden) späteren Eishockey-Stars Wayne Gretzky in Brantford aufwachsen. Der habe ihr auf seinen Bildern im Internet einfach gefallen und so habe sie sich in ihrer erfundenen Autobiografie an seine Seite fabuliert.

Dass ein Bürger der Stadt Brantford sich nach Erscheinen des Buches an sie wandte, um ihr für das Denkmal zu danken, das sie seiner Heimatstadt mit dem beachteten Werk erschaffen hatte und sie einlud, die Stätte ihrer Kindheit zu besuchen, ist typisch für die Wahrnehmung von Hoppes Büchern. In Wahrheit sei sie ja nie da gewesen, die Verbindung zu dem kanadischen Ort und der Familie Gretzky rein fiktiv.

Sie folgte der Einladung, stellte klar, dass es sich in ihrem Roman um eine erfundene Geschichte handelte, und musste doch feststellen, dass Ort und Häuser beinahe genauso aussahen, wie sie sie erdacht hatte.

Im Gespräch mit Professor Michael Braun, Vorsitzender des Arbeitsbereiches „Literatur“ im Kunstförderverein, sprach sie darüber, dass das Schreiben über sich selbst eine „hochkomplexe Angelegenheit“ sei und dass sie sich über dieses Schreiben sehr nahe gekommen sei. „Ehrlicher hätte ich nicht über mich schreiben können“, sagte sie. Denn wenn man über sich in der Ich-Form schreibe, finge man an, zu lügen, um im rechten Licht da zu stehen.

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