Leserkonferenz: Lob, konstruktive Kritik und viele Impulse

Von: Sarah Maria Berners und Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Erstmals hatten die Dürener Zeitung und die Dürener Nachrichten zu einer Leserkonferenz eingeladen. 16 Abonnenten nutzten die Gelegenheit, um sich mit Redakteuren über das „Zeitungsmachen“ auszutauschen und ihre Wünsche und Vorstellungen zu äußern. Foto: Johnen

Düren. Was macht die Zeitung interessant und lesenswert? Was erwarten Leserinnen und Leser vom Lokalteil ihrer Zeitung? Finden die Redaktionen den richtigen Mix aus Politik, Kultur, Sport, Wirtschaft und Vermischtem? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der ersten Leserkonferenz.

Zu dieser hatten die Redaktionen der Dürener Zeitung und der Dürener Nachrichten eingeladen. 16 Leserinnen und Leser haben die Einladung angenommen – und uns ihre Meinung gesagt. In der Diskussion gab es Lob, aber auch konstruktive Kritik und wichtige Impulse für die Redaktionsarbeit.

„Tägliches Abwägen“

„Halten Sie uns einen Spiegel vor, sagen Sie uns Ihre Meinung“, begrüßte Thorsten Pracht, Leiter des Regiodesks Kreis Düren, die Teilnehmer. Anspruch der Zeitung sei es, täglich die wichtigsten und interessantesten Themen des Tages informativ und anschaulich zu präsentieren – und gleichzeitig Lesern ein möglichst breites Angebot zu unterbreiten. Dies sei Herausforderung und Ansporn zugleich. „Wir wissen, dass es sehr unterschiedliche Interessen gibt, und wir nicht mit jeder Geschichte jeden Leser packen können“, schilderte er das „tägliche Abwägen“, das Teil der redaktionellen Arbeit ist. Die direkte Rückkoppelung soll dabei helfen, noch besser auf die Interessen und Erwartungen der Leser eingehen zu können. Unterstützung bei der Moderation erhielt der Desk-Chef von den Leitern der Lokalredaktionen Jörg Abels (DZ) und Ingo Latotzki (DN).

„Die Lokalzeitung ist die einzige Chance, an viele Informationen zu kommen“, brachte unser Leser Thomas Klein aus Niederzier seine Motivation auf den Punkt, jeden Morgen die Zeitung zu lesen. Bei Quantität und Qualität der Berichterstattung sei aber noch Luft nach oben. Wie auch Dr. Achim Siepen aus Nörvenich wünscht sich Klein mehr lokale und regionale Geschichten, Berichte und Themen in der gesamten Zeitung. „Ich verfolge regelmäßig Nachrichtensendungen im Fernsehen. Vieles von dem, was in der Welt geschieht, habe ich daher abends schon gesehen“, regt er an, als Regionalzeitung den Fokus verstärkt auf die Geschehnisse „vor der Haustür“ zu legen.

Mehr kritische Kommentare und eine „akzentuiertere Berichterstattung“ wünscht sich Bernd Lennartz aus Nideggen. „Wenn überhaupt, können nur damit neue Leser gefunden werden“, ist er überzeugt. Er schätzt Geschichten, die nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern eine Analyse bieten, zusätzliche Informationen liefern. Von dieser Sorte würde er gerne mehr lesen.

Eberhard Hess aus Düren forderte mit Blick auf Leserbriefe eine höhere Aktualität ein. „Während Miniatur-Verkehrsunfälle manchmal groß vermeldet werden, erscheinen Leserbriefe beizeiten so versetzt, dass sich kein Leser mehr an das Thema erinnert“, monierte er. „Leserbriefe sind ein wichtiges Mittel, um öffentliche Diskussionen voranzubringen“, betonte DZ-Redaktionsleiter Jörg Abels, der sich dafür entschuldigte, dass es in der Vergangenheit schon einmal zu Verzögerungen gekommen ist. „Unser Wunsch ist, dass viel mehr Leser diese Möglichkeit ergreifen, um ihre Meinung einzubringen“, fügte DN-Lokalchef Ingo Latotzki hinzu.

Durchaus unterschiedliche Meinungen gab es zur Frage, in welchem Umfang beispielsweise über die Aktionen der Braunkohlegegner rund um den Tagebau Hambach berichtet werden sollte. „Es handelt sich um Leute, die Straftaten begehen und keinen Widerhall in der Bevölkerung erfahren. Warum müssen Sie so groß darüber berichten, wenn auch eine Notiz reichen würde?“, fragte Leser Josef Hüttemann aus Gürzenich. „Zeitung hat die Pflicht, darüber zu berichten. Das macht Zeitung für mich interessant“, vertrat Leser Thomas Lüttgens eine ganz andere Meinung, die von vielen anderen Konferenzteilnehmern geteilt wurde.

Ungeteiltes Lob gab es von den Teilnehmern der Leserkonferenz für die Berichterstattung im Rahmen der jüngsten Bürgermeisterwahl. „Ich kannte kaum einen der Kandidaten, die Vorstellungen in der Zeitung waren für mich eine Entscheidungshilfe“, bedankte sich beispielsweise Elisabeth Bünten aus Nideggen. Auch die Podiumsdiskussionen mit Bürgermeister- und Landratskandidaten seien eine gute Möglichkeit gewesen, sich selbst ein Bild von den Kandidaten zu machen.

Die Frage, wie die Zukunft des Mediums Zeitung aussieht, beschäftigt nicht nur die Redaktionen und Verlage. „Ich bin mit dem Medium Zeitung großgeworden, nehme mir ganz bewusst und gerne die Zeit, mich damit zu beschäftigen. Viele junge Leute sind aber nicht mehr an die Zeitungslektüre gewöhnt“, richtete Nicole Monz aus Golzheim den Blick auf die Frage, wie es der Zeitung gelingen kann, die Leser der Zukunft zu gewinnen. „Was tun Sie, um junge Menschen zu erreichen?“, wollte auch Alexander Mohnfeld aus Drove wissen. Er regte an, mit einem Internetangebot gezielt Jugendliche anzusprechen. „Den Heilsbringer haben wir noch nicht gefunden“, räumte Desk-Chef Thorsten Pracht ein, der vom E-Paper bis zur App „Am Abend“ die bereits heute zur Verfügung stehenden unterschiedlichen elektronischen Formate des Zeitungsverlages Aachen vorstellte. Leserin Bettina Weiler aus Kreuzau regte an, mehr Präsenz an Schulen zu zeigen und bot sich an, das Angebot der Redaktionen, in Schulklassen über das „Zeitungsmachen“ zu berichten, in der Schulpflegschaftsversammlung vorzustellen.

Ebenso wichtig sei auch die Zielgruppe der Senioren, betonte Leserin Hanne Koch aus Düren. Sie habe im Vorfeld der Konferenz 100 Senioren befragt. Das Ergebnis: Gewünscht wird eine Seniorenseite, auf der zum Beispiel auch Übungen für das Gedächtnistraining oder die Schulung der Motorik Platz finden. Wichtig sei es auch, eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen.

Sorgen über die Entwicklung des Abo-Preises trug Robert Melssen aus Gürzenich vor. Er regte die Einführung eines Sozialtarifs an, damit die Zeitungslektüre „für viele Menschen bezahlbar bleibt“. Ein oft genannter Wunsch war auch, mehr Berichte aus dem Jülicher Land, der Eifel oder Köln zu bringen. „Wenn es beispielsweise in der Vereinsarbeit Erfolgsmodelle gibt, ist das überall von Interesse“, ist Nicole Monz überzeugt.

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