Leser-Tour: Geschichte der Dürener Metallwerke im Mittelpunkt

Von: Stephan Johnen
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Die Dürener Metallwerke gehen auf die sogenannte Virnichsmühle zurück. Die kleine Unternehmung entwickelte sich zu einer Firma mit Weltruf.
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In der ehemaligen Schreinerei der Metallwerke befindet sich heute die „Endart“-Kulturfabrik, die unsere Leser kennenlernten. Fotos (3): Johnen Foto: Johnen

Düren. Als Anfang der 90er Jahre die Maschinen abgestellt wurden, gehörte Peter Frings zu den Mitarbeitern, die das Licht in den Produktionshallen an der Veldener Straße löschten. „Wir haben schwarze Kreuze durch die Straßen getragen, Bürgermeister Vosen hat uns versichert, dass die Stadt hinter uns steht“, blickt der gelernte Dreher auf den Kampf der Belegschaft gegen die Schließung zurück.

„Genützt hat es nichts“, bilanziert Frings, der damals 51 Jahre alt war. Im Jahr 1993 endete ein Kapitel Dürener Industriegeschichte, das bis ins Jahr 1885 zurückreicht. Nach 21 Jahren hat Peter Frings das ehemalige Betriebsgelände der Dürener Metallwerke noch einmal betreten, genauer gesagt die alte Verpackungsschreinerei, in der heute der Verein „Endart“ seine Kulturfabrik betreibt. Eine Gruppe von 30 Lesern war mit unserer Zeitung auf Spurensuche. Wie Peter Frings hatte ein Großteil der Teilnehmer einen persönlichen Bezug zur Geschichte des Unternehmens.

Auslöser für die DZ-Tour war ein Jahrestag: Vor 100 Jahren wurde Dürens Luftschiffhafen in der Nähe des neuen Friedhofs gebaut. Ein Kapitel Zeitgeschichte, das auch für viele Teilnehmer der Tour noch so manche Überraschung bot. Andreas Claßen vom Vermessungsamt der Stadt, der sich mit der Geschichte der (militärischen) Luftschifffahrt intensiv beschäftigt hat, führte die Tourteilnehmer in diese Materie ein. Zuvor hatte Dirk Boltersdorf vom „Endart“-Kulturverein einen Einblick in die neue Nutzung der alten Werkshallen als Kultur- und Begegnungsstätte vermittelt und mit einem Bildervortrag die Geschichte der Metallwerke beleuchtet.

Die Verbindung vom Luftschiffhafen zu den Metallwerken geht weit über den „Standort“ hinaus: Mit dem leichten, aber äußerst belastbaren Werkstoff „Duralumin“ lieferten die Metallwerke den Grundstoff für den deutschen Luftschiffbau im Ersten Weltkrieg. Hightech kam damals von der Rur.

Die Anfänge des Unternehmens gehen auf eine ehemalige Ölmühle am unteren Schießbach an der Veldener Straße zurück, die sogenannte Virnichsmühle. 1901 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Die Metallwerke waren stark in die deutsche Rüstungsproduktion eingebunden, Kartuschenhülsen und Patronenhülsen gehörten zur Produktpalette. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatte das Unternehmen Zweigwerke in Berlin und in Waren an der Müritz. Aus diesem Kapitel Firmengeschichte konnte Peter Esser berichten, dessen Eltern 1936 von Düren nach Waren gingen und 1946 an die Rur zurückkehrten.

Nach dem Krieg fusionierten die Metallwerke mit der Firma Busch-Jaeger Lüdenscheider Metallwerke. Zu Spitzenzeiten arbeiteten rund 2500 Menschen im Unternehmen, während der Kriegsjahre sollen es rund 5000 gewesen sein. Nach einer großen Entlassungswelle in den 60er Jahren meldeten die Dürener Metallwerke 1976 Konkurs an. 470 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. 1993 wurde schließlich das letzte direkte Nachfolgeunternehmen geschlossen. Das Aus der Metallwerke war besiegelt.

Bis zum Schluss waren die Produkte der Metallwerke weltweit gefragt. Von Leichtmetallteilen für den Automobil-, Schiff- und Flugzeugbau über Kupplungen für Feuerwehrschläuche und Sportgerät (Stabhochsprungstangen) reichte die Produktpalette bis zu Raketenspitzen für die Nato-Armeen. Diesen beachtlichen Produktkatalog trugen die ehemaligen Mitarbeiter während der DZ-Lesertour zusammen.

Detlef Neubauer, der Ende der 50er Jahre in das Unternehmen kam, kann sich noch gut daran erinnern, wie damals viele Dürener Schlafstätten an die Mitarbeiter vermieteten, die zum Teil zu mehreren Leuten montags bis freitags in einem kleinen Zimmer schliefen. Die Wochenenden wurden bei der Familie verbracht. „Manche Mitarbeiter kamen am Sonntagabend aus der Eifel zurück nach Düren“, erinnert er sich.

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