Leser testen neue Züge: Eine Fahrt, die in keinem Fahrplan steht

Von: Thorsten Pracht
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30 Leser unserer Zeitung hatten die Gelegenheit, einen der neuen Züge der Rurtalbahn zu testen. Foto: Thorsten Pracht
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Lokführer Manfred Wedler war am Samstag ein gefragter Mann und bekam oft Besuch von Teilnehmern der Tour.
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So sieht das Cockpit im neuen Lint 54 aus. Die Lokführer werden in den kommenden Wochen speziell für die modernen Züge geschult.
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Bereichsleiter Johannes Pohé erklärte technische Details.

Düren. „So etwas erlebt man nicht alle Tage.“ Maria Streußer aus Drove war am Samstagmorgen ziemlich zufrieden. Und sie hatte recht: Die Jungfernfahrt eines neuen Verkehrsmittels erlebt man nicht alle Tage. „Sie sind wirklich die ersten Fahrgäste in unserem neuen Zug“, begrüßte Sebastian Nießen, Geschäftsführer der Rurtalbahn, 30 Abonnenten unserer Zeitung am Bahnhof in Düren zu einer Tour, die in keinem Fahrplan stand.

Nießen hat seinen Kollegen Johannes Pohé, Bereichsleiter Service und Vertrieb, mitgebracht. Und auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Rurtalbahn, Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), ließ es sich nicht nehmen, bei der Jungfernfahrt mit an Bord zu sein. Erst in ein paar Wochen gehen die drei nagelneuen Züge vom Typ Lint 54 in den Linienbetrieb, in diesen Tagen beginnen die Fahrschulfahrten für die Lokführer der Rurtalbahn. Es war also ein ziemlich exklusives Vergnügen für unsere Leser, den Zug am Samstagmorgen schon einmal testen zu dürfen.

Erster Eindruck: Komfortabel ist er, der 54 Meter lange und 280 Tonnen schwere „Vorzeigezug“ (Spelthahn). Der Landrat erinnerte an die heftigen Diskussionen, die im September vor 25 Jahren darüber geführt wurden, ob der Kreis Düren die von der Deutschen Bahn nicht mehr gewollte Strecke zwischen Heimbach und Düren und weiter bis Linnich übernehmen soll oder nicht.

Nun, die Befürworter setzten sich bekanntlich durch, heute wird die Rurtalbahn täglich von Tausenden Menschen genutzt. „Wir sind dann mit alten, aber guten Fahrzeugen gestartet“, erinnerte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der mittlerweile privatisierten Gesellschaft, an der der Kreis Düren noch knapp 27 Prozent der Anteile hält. „Jetzt schlagen wir nach 25 Jahren ein neues Kapitel auf dieser Strecke auf.“

Denn der aktuell noch eingesetzte „Regio-Sprinter“ hat in Sachen Komfort – der Zug verfügt weder über eine Klimaanlage noch über Toiletten, die Abstellflächen für Gepäck und Fahrräder sind begrenzt – einige Nachteile. In all diesen Kategorien weiß der Lint 54 zu gefallen: Klimaanlage, geräumige und behindertengerechte Toiletten inklusive Wickeltisch, und dazu genügend Platz.

Spelthahn spricht darüber hinaus von einer „deutlichen Steigerung der Kapazität“, 165 statt bisher 75 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Erstmalig, so Nießen, sei damit ein mehrteiliges Fahrzeug im Einsatz. Vornehmlich soll der Lint 54 auf dem Nordast der Rurtalbahn zwischen Düren und Linnich eingesetzt werden.

Technische Details

Nießen erläuterte weitere technische Details. Acht Videokameras können Straftaten und Vandalismus zwar nicht verhindern, wirken aber möglicherweise abschreckend und erleichtern die Strafverfolgung. Wer künftig sein Handy aufladen will, findet dafür Steckdosen vor. Auf WLAN muss man in der Rurtalbahn allerdings noch verzichten.

Die Testfahrt am Samstag führte von Düren in Richtung Süden bis Untermaubach und retour. „Das ist schon ein toller Zug“, lobt Familie Wenge aus Düren, Dieter Pflug aus Nörvenich wollte gar „ein Fahrgefühl wie in der ersten Klasse“ ausgemacht haben. Einziger Kritikpunkt: Die Sitze seien ein wenig zu hoch, monierten einige der weiblichen Passagiere. Dafür arbeiten die Dieselmotoren, jeder mit 390 KW, angenehm leise.

Lobende Worte gab es nicht nur aus dem Fahrgastraum. „Das ist schon eine unwahrscheinliche Verbesserung, was unseren Arbeitsplatz angeht“, sagte Manfred Wedler. Er ist seit zehn Jahren Lokführer bei der Rurtalbahn und einer der ersten, die auf dem neuen Zug geschult wurden.

Extra Prüfung

In den nächsten Wochen gibt er sein Wissen an seine Kollegen weiter. „Wir müssen für jede Baureihe eine extra Prüfung ablegen“, erzählte Wedler. Mit dem Wechsel von einem Auto auf das andere könne man das nicht vergleichen: „Wir müssen das Fahrzeug ganz genau kennen und alles nachvollziehen können. Wenn unterwegs eine Störung ist, dann gibt es keinen Monteur und keine Werkstatt.“

Zu jeder Jungfernfahrt gehört eine Taufe. „Wir wollen heute keine Flasche Sekt gegen den Zug schleudern“, erklärte Spelthahn. Dafür erhielt jeder Mitfahrer eine Flasche Rurtalbier der Edition Lint 54. Auch so was bekommt man nicht alle Tage.

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