Lernen mit der Augenerkrankung zu leben

Von: Gudrun Klinkhammer
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Wenn die Augen plötzlich nicht mehr funktionieren, müssen andere Sinnesorgane die Arbeit übernehmen. Das ist für viele Menschen mit Augenerkrankungen eine Umstellung. Foto: stock/blickwinkel
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Der Wahldürener Lothar Schubert ist blind, doch er findet sich im Alltag gut zurecht. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. „Wir bieten offene Selbsthilfetreffen in Düren und Jülich an, wo jeder hinkommen kann, der an einer Augenerkrankung leidet“, sagt Lothar Schubert. Schubert ist selber blind, er kann nur noch Hell und Dunkel unterscheiden.

Doch er ist der Sprecher des Blinden- und Sehbehindertenvereins Düren, der unter anderem Selbsthilfegruppen in Düren und Jülich initiiert und dem rund 120 Mitglieder angehören.

Internat in Marburg

Bereits im Alter von sechs Jahren war Lothar Schubert stark sehbehindert. Die Einschränkung nahm stetig zu. Im Alter von zwölf Jahren besuchte der heute 71-jährige Wahldürener ein spezielles Internat in Marburg. Dort erlernte er die Blindenschrift und legte sein Abitur ab. Ihn traf die körperliche Veränderung in den jungen Jahren des Lebens. Häufiger und schwieriger ist es nicht selten, wenn alte Menschen erblinden. „Die Umstellung ist gewaltig, Ratschläge von Mitmenschen, die Erfahrung haben, können dann sehr hilfreich sein“, sagt Schubert.

Auf keinen Fall dürfe sich folgende Meinung bei den Betroffenen festigen: „Ich seh nichts mehr, also geht jetzt auch gar nichts mehr.“ Diese Gedanken können zu einer großen seelischen Krise führen. Fakt ist: Zwar fällt ein enorm wichtiges Sinnesorgan aus, doch gibt es noch andere „Kanäle“, die ebenfalls ausgezeichnete Arbeit leisten können.

Nach dem Abitur studierte Lothar Schubert zunächst Jura, schloss seine Studien auch ab. Doch hatte er bemerkt, dass dieses Feld ihn beruflich nicht ausfüllen wird. Er ließ sich weiter ausbilden, zum Bademeister und Masseur. Als Ausbilder im Fach Physiotherapie arbeitete er im Berufsförderungswerk in Düren, später sattelte er noch einmal um und wurde Integrationsberater.

Barrierefreiheit schaffen

Die Barrierefreiheit in Düren und Umgebung liegt ihm und dem Verein, dessen Vorsitzender er zehn Jahre lang war, sehr am Herzen. Schubert weiß: „Was für Blinde gut ist, das ist in der Regel auch für Senioren gut.“ So wurde das Dürener Rathaus saniert und barrierefrei gestaltet, der Blinden- und Sehbehindertenverein Düren war maßgeblich beteiligt.

Ein sprechender Aufzug und Zimmer, die tastbare Zahlen an der Eingangstüre besitzen, auf derartige Details legen die Vereinsmitglieder großen Wert. Kooperationen etwa mit Rollstuhlfahrern werden gepflegt, um die Ergebnisse zu optimieren. Lothar Schubert: „Unser Ziel ist es auch, bei unseren Mitbürgern mehr Verständnis für unsere Belange zu wecken.“

Soziale Kontakte und Austausch

In der Selbsthilfegruppe und im Verein geht es um umfassenden Informationsaustausch, um soziale Kontakte und Gemeinschaft. Welcher Optiker bietet Leistungen für Menschen mit starker Sehbehinderung an, wo können welche Anträge gestellt werden, welche Hilfsmittel digitaler Art gibt es.

Lothar Schubert benutzt beispielsweise ein Handy, fast wie jeder sehende Mensch auch. Er aktiviert zunächst eine Sprachein- und ausgabe und übermittelt dann die Nachrichten – so liest und telefoniert er auch. Er arbeitet ebenso wie selbstverständlich am Computer, ebenfalls mit entsprechenden Hilfsmitteln.

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