Düren - Leiharbeit: „Das ist Menschenhandel nach Bedarf”

Leiharbeit: „Das ist Menschenhandel nach Bedarf”

Von: fjs
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Düren. „Das ist Menschenhandel nach Bedarf.” Leiharbeiter K. (26) werde seit sechs Jahren an die Arbeitgeber „verliehen”, von seinen Erfahrungen berichtete er jetzt bei der IG Metall.

Trotz qualifizierter Ausbildung sei er nach Berufsabschluss nur für ein Jahr übernommen worden. Danach habe der Facharbeiter den Sprung in ein „normales” Arbeitsverhältnis nicht mehr geschafft. „Wie will man da eine Lebensplanung aufstellen?”, fragt er.

Sein Kollege H. K. (41) stimmt zu, und fügt an: „Auch bei der Arbeitsagentur findet man zu einem hohen Prozentsatz Stellenangebote der Leiharbeitsfirmen.” Die seien in den vergangenen zehn Jahren „wie Pilze aus dem Boden geschossen”. Beispiel: In einem Betrieb der Metallverarbeitung, berichtet ein Betriebsratsmitglied, arbeiteten 40 Leiharbeiter von acht Verleiherfirmen.

„Da gibt es qualitative Unterschiede. Solche, bei denen alles stimmt - und jede Menge schwarze Schafe”, sagt Paul Zimmermann, 1. Bevollmächtigter der IG Metal. Wegen „der unterschiedlichen Bezahlung von Stamm- und Leihkräften und weiterer Missstände” geht die IG Metall mit Forderungen für die Leiharbeitnehmer in die Tarifrunde: Sie fordert „gleiches Geld für gleiche Arbeit und ein Ende des Missbrauchs der Leiharbeit.”

Rund ein Drittel weniger Einkommen für die gleiche Arbeit gegenüber fest angestellten Kollegen hätten Leiharbeiter in der Geldbörse. „Es ist ein Skandal, dass jährlich mit zwei Milliarden Euro aus Steuermitteln die Einkommen der Leihkräfte aufgestockt werden müssen”, findet Zimmermann. Nicht selten, beklagen die beiden Leiharbeitskräfte, würden sie vom Verleiher als Helfer entlohnt, dem Entleiherbetrieb jedoch als Fachkräfte in Rechnung gestellt.

„Die Lockerungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes werden von den Arbeitgebern ausgenutzt”, sagt Paul Zimmermann. „Tarifliche Standards werden unterlaufen und mitbestimmungsfreie Zonen bei Spaltung der Belegschaft geschaffen.” Deshalb fordert die IG Metall mehr Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte in den Entleihbetrieben. Verhandlungspartner sind hier die Arbeitgeber.

Vom Gesetzgeber fordern die Gewerkschaften, dem Missbrauch der Leiharbeit einen Riegel vorzuschieben, „damit sie wieder auf Auftragsspitzen begrenzt wird”. Mit den Verbänden der Verleihfirmen wollen die Gewerkschafter über die Rahmenbedingungen für den Einsatz und über „faire Entlohnung” verhandeln.
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