Leidet das Ortsbild in Simonskall, wenn das Wasser fehlt?

Von: Carsten Rose
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Dem Mühlrad fehlt das Wasser, Siegfried Bergsch das Verständnis: Er setzt sich mit der Kremer Mühle für das Simonskaller Ortsbild ein – momentan klappt das aber nicht, weil die Kall umgeleitet wurde. Foto: cro
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Das beschädigte Wehr (links) verhindert, dass der Graben der Kremer Mühle Wasser erhält.

Hürtgenwald. In Simonskall fehlt der Kremer Mühle seit Dezember das nötige Wasser, weil gut 200 Meter oberhalb der Mühle die Kall umgeleitet wurde. Den Mühlengraben erreicht kein Tropfen mehr. Das ärgert Siegfried Bergsch, den Besitzer.

Die Kremer Mühle, sagt Bergsch, halte er nicht aus wirtschaftlichen Gründen in Schuss, sondern für den Anblick des 50-Einwohner-Ortes der Gemeinde Hürtgenwald, um der Allgemeinheit und Touristen ein schönes Bild zu bieten.

Das geht nun nicht mehr. „Das ist kein Bild für den Ort“, sagt Bergsch, denn der Mühlengraben verläuft auch sichtbar entlang der Gaststätte Talschenke. Bergsch äußert auch, dass er sich im Stich gelassen fühle von den Akteuren, die bei der Umleitung der Kall eine Rolle spielen. Sein Hauptargument: Die Kremer Mühle steht unter Denkmalschutz, also sollten Entscheidungsträger Sorge tragen, dass Wasser in den Graben fließt – zum Wohle der Allgemeinheit.

So einfach ist das mit dem Denkmalschutz bei der Thematik aber nicht. Entscheidend sind auch die Eigentumsverhältnisse und das Wasserrecht.

„Öffentliches Interesse“

Im vergangenen Sommer, als die Kall-Umleitung schon in Planung war, hat Bergsch das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland kontaktiert. In einem Gutachten zur Kremer Mühle heißt es, dass die „Erhaltung und Nutzung aus städtebaulichen und wissenschaftlichen Gründen im öffentlichen Interesse“ liege. Auch der Rheinische Mühlenverband äußerte bereits im März 2016 in einem Schreiben an den Kreis Düren Bedenken bezüglich der Maßnahme. Jeden Pfingstmontag zum Beispiel ist die Kremer Mühle Teil des Mühlentages des Verbandes.

Dass die Kall Ende 2016 am westlichen Ortsausgang um ein Wehr im Flussbett herumgeleitet wurde, liegt an dem sogenannten „Life +“-Projekt „Rur und Kall“ der Biologischen Station im Kreis Düren. Seit 2012 werden mit dem Kreis Düren zusammen im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, also im Sinne des Naturschutzes, Arbeiten im Kalltal durchgeführt. In Simonskall stellte das Wehr eine Wanderbarriere für Fische dar, ergo war ein Bypass rechts vom Wehr nötig. Abgesehen davon, dass das meiste Wasser nun umgeleitet wird, ist das Wehr beschädigt und durchlässig. Die Folge: Es staut sich nicht genügend Restwasser – und der Mühlengraben bleibt leer.

Für Siegfried Bergsch wäre diese Situation weniger problematisch, wenn er das erwähnte Wasserrecht besäße. Das heißt, dass gewährleistet werden muss, dass auch nach Baumaßnahmen eine bestimmte Wassermenge der Kall in den Mühlengraben fließt.

Auf Nachfrage teilte Ralf Kreischer vom Umweltamt des Kreises Düren mit, dass es lange vor dem Umbau mit Bergsch vereinbart habe, dieses Wasserrecht zu beantragen, was indes bis heute nicht geschehen ist. Die Eintragung der Mühle als Baudenkmal (Wehr und Graben waren bereits als geschützt eingetragen) ersetze das Wasserrecht keinesfalls, hieß es weiter. Diese sei „lediglich als besonderer öffentlicher Belang“ bei der Wasserrechtsvergabe zu sehen. Auch eine sogenannte Grunddienstbarkeit als „zivilrechtliche Vereinbarung“ im Grundbuch, die letztmalig in den 80er Jahren bei Bergsch' Kauf der Mühle aktualisiert wurde, ändere an der heutigen Situation nichts. Und: Bei einer rechtmäßigen Beantragung bestünden derzeit keine Bedenken, das Wasserrecht zuzulassen.

Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch sagte zu der Thematik: „Denkmalschutz heißt nicht, dass die Objekte auch funktionieren müssen. Mit Blick auf den Tourismus wünschen wir uns schon, dass die Mühle läuft. Und man braucht keine große Fantasie, um zu wissen, dass auch der Mühlengraben, der hinter der Mühle weiterläuft, zu Schaden kommt, wenn er lange trocken bleibt.“ Buch werde sich persönlich einklinken und ein Treffen aller Akteure planen, sagt er.

Bergsch hat das Wasserrecht noch nicht beantragt, weil er sagt, er habe als mündliche Auflage eine kostspielige und nicht praktikable Verrohrung, wie ein von ihm beauftragtes Ingenieursbüro gesagt habe, installieren lassen müssen. „Ich sehe nicht ein, dass ich auf dem Grund und an Denkmälern anderer tätig werden soll, weil ich nicht schuld daran bin, dass die Funktionalität der Baudenkmäler nicht mehr gegeben ist“, meinte Bergsch, der selbst zugibt, dass die Situation sehr verworren sei, weil viele Parteien involviert sind.

Dass solch eine Auflage existiere, sei indes nicht richtig, sagte Kreis-Dezernent Hans Martin Steins. Hauptvoraussetzung sei die benötigte Wassermenge und deren Nutzung. Die Kreisverwaltung verweist zudem darauf, dass „ohne rechtliche Verpflichtung“ im Zuge der Umleitung ein Schütz eingebaut wurde, über das der Mühlengraben Wasser erhalten kann. Dass dies aufgrund des beschädigten Wehrs nicht klappt, sei nicht Problem des Kreises, sondern der Eigentümer der Denkmäler.

Das Wehr gehört dem Landesbetrieb Wald und Holz. Auf Anfrage sagte Konrad Hecker vom zuständigen Forstamt Rureifel-Jülicher Börde am Montag: „Die Steine für die Reparatur liegen bereit. Wir warten die Witterung ab, bis wir die Arbeiter losschicken.“

Welche weiteren Maßnahmen (beispielsweise Zulaufrinne oder Rohr) nach der Reparatur noch nötig sind, wenn das Wehr auch dann nicht genügend Wasser staut, bleibt abzuwarten. Dezernent Steins sagte: „Der Kreis ist gesprächsbereit, ohne aber eine Zusage zu machen. Es findet sich oft eine Lösung, auch wenn die Umsetzung vielleicht ein Jahr dauert.“

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