Düren - Lehrerberuf: Nach Abi und Studium wieder in die Schule

Lehrerberuf: Nach Abi und Studium wieder in die Schule

Von: Sarah Maria Berners
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Sie haben sich nach der Schule wieder für die Schule entschieden: Nathalie Krabler (26, Sport und Erdkunde), Cornelia Dirrichs (27, Englisch und Sport), Nadja Kuhlemann (35, Deutsch und Spanisch) und Catrin Gimbel (28, Biologie und Deutsch) sind Referendarinnen am St.-Angela-Gymnasium. Foto: Sarah Maria Berners
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Am Mittwoch hat für die großen Schüler das neue Schuljahr begonnen, heute feiern die „i-Dötzchen“ ihre Einschulung. Foto: stock/Jochen Tack

Düren. „Ein Lehrer ist immer auch Verkäufer“, beschreibt Catrin Gimbel. Beide müssten Produkte an den Mann bringen. Allerdings haben es die Verkäufer von Mobiltelefonen und Süßigkeiten doch etwas einfacher, ihre Waren zu vermarkten.

Lehrer müssen viel Überzeugungsarbeit leisten, damit ihr Angebot angenommen wird, denn der Kosten-Nutzen-Effekt ist nicht für jeden Schüler gleich ersichtlich. Trotzdem oder gerade deswegen haben sich Catrin Gimbel, Nathalie Krabler, Cornelia Dirrichs und Nadja Kuhlemann nach der Schule wieder für die Schule entschieden.

Die vier Frauen im Alter von 26 bis 35 Jahren sind Referendarinnen am Dürener St.-Angela-Gymnasium, anderthalb Jahre sind sie dort im Einsatz und werden damit auf das Berufsleben vorbereitet.

Dabei hatte sich Catrin Gimbel zunächst für einen ganz anderen beruflichen Werdegang entschieden, machte nach der Schule eine Ausbildung zur Werbekauffrau. „Ich habe schnell festgestellt, dass es nicht mein Ding ist, mein Tagesziel in Euro zu messen“, erzählt die 28-Jährige. Ihr Ding ist es, jungen Menschen etwas beizubringen. Und dies ist auch für ihre Kolleginnen Motivation.

„Schön ist auch, wenn man die Schüler bei einer positiven Entwicklung begleiten kann oder sie mit einem Thema packen kann, das auf den ersten Blick im Lehrplan gar nicht so spannend klingt“, beschreibt Nadja Kuhlemann.

Sie hat das St.-Angela-Gymnasium schon als Schülerin besucht und ist nun für die Ausbildung zur alten Schule zurückgekehrt. Ein Beweggrund, Lehrerin zu werden, war für Nathalie Krabler aber auch, dass in diesem Beruf, vielleicht sogar mit einer Beamtenlaufbahn, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser möglich ist als in der freien Wirtschaft.

„Konsequenz ist wichtig“

Von den Schülerinnen fühlen sich die angehenden Lehrerinnen voll akzeptiert. „Viele freuen sich, wenn sie eine junge Lehrerin bekommen“, weiß Catrin Gimbel. Schlechte Erfahrungen nach dem Motto „testen wir mal, wie weit wir gehen können“, haben die Referendarinnen nicht gemacht.

Aber sie wissen, dass es Schulen gibt, an denen es Lehrer schwerer haben. „Für Lehrer ist es wichtig, konsequent zu sein“, betont Nadja Kuhlemann. Authentizität und Organisationstalent seien darüber hinaus wichtige Eigenschaften. „Und natürlich müssen wir auch ein bisschen Entertainer sein“, sagt die angehende Lehrerin lachend.

Nicht zum Lachen findet Nadja Kuhlemann die Vorurteile, mit denen (angehende) Lehrer häufig konfrontiert werden: „Mich ärgert es, wenn die Leute meinen, wir hätten ab mittags frei und dann ja auch noch so viele Wochen Ferien.“ Lehrer würden ihre Arbeit mit nach Hause nehmen, gerade junge Lehrer müssten sich noch vieles erarbeiten.

Die 14 Unterrichtsstunden und Materialen müssen vorbereitet werden, Arbeiten korrigiert und mündliche Mitarbeit bewertet werden. Einmal pro Woche geht es für die vier Frauen zum Seminar. Hinzukommt die fachliche Vorbereitung auf den Stoff und auf mögliche Fragen der Schüler. Und dann sind da noch die Schulstunden im Referendariat, die bewertet werden und einen enormen Arbeitsaufwand für die angehenden Lehrerinnen bedeuten.

„Manchmal ist es schwer, Feierabend zu machen“, setzt sie einen Kontrapunkt zum Image des „lauen Lehrerjobs“. „Auf große Diskussionen lasse ich mich nicht ein“, sagt Catrin Gimbel. „Ich sage den Leuten immer, dass sie sich den Beruf ja auch hätten aussuchen können.“ Vom Kollegium fühlen sich die jungen Frauen gut aufgenommen und kompetent beraten.

Das Urteil über die Ausbildung an der Uni fällt hingegen nicht besonders gut aus. Die drei Referendarinnen, die in Köln, Bonn und Heidelberg studiert haben, könnten eine lange Mängelliste erstellen. „Ein großes Manko ist die Pädagogik gewesen“, erzählt Nathalie Krabler, die in Heidelberg studiert hat.

Das Angebot sei zu klein und nicht gut genug gewesen, der Bezug zum Schulalltag kaum vorhanden. „Außerdem hängt es extrem vom Lehrpersonal ab, was man aus den Kursen mitnehmen kann“, kritisiert sie, und Cornelia Dirrichs und Nadja Kuhlemann pflichten ihr bei.

Einzig Catrin Gimbel, die in Mainz studiert hat, vergibt gute Noten an die Ausbildung. Sie lobt die vielen Praktika und die pädagogische Vorbereitung. „Besser hätte die Vorbereitung auf den Beruf nicht sein können.“

Wo wir schon bei Bewertungen sind: Auch die Vergabe von Noten gehört zum Job. „Bei Klausuren ist das noch relativ einfach“, beschreiben Nadja Kuhlemann und Nathalie Krabler. Schwer werde es aber bei der sonstigen Mitarbeit. Schlaflose Nächte bereitet die Notenvergabe nicht, aber: „Wir sind uns bewusst, dass der Numerus Clausus und die Zeugnisnoten Auswirkungen auf den weiteren beruflichen Werdegang haben“, sagt Catrin Gimbel. Daher wird auch das Notengeben mit erfahrenen Lehrern geübt.

„Wir hängen in der Luft“

Noch bis April sind die jungen Frauen im St.-Angela-Gymnasium tätig. „Danach hängen wir vermutlich erstmal ein halbes Jahr in der Luft“, kritisieren sie das System in NRW, wo die neuen Stellen erst wieder im September ausgeschrieben würden. Auch in dieser Hinsicht gebe es im Land Verbesserungsbedarf.

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