Düren - Lehman-Opfer kämpfen jetzt gemeinsam

Lehman-Opfer kämpfen jetzt gemeinsam

Von: Lars Brepols
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Sind ständig auf der Suche nach neuen Hinweisen in ihren Unterlagen: Das Lehman Brother-Geschädigte Ehepaar Ingrid und Hans-Egon Moser aus Düren. Inzwischen stehen sie in engem Kontakt mit einer Reihe weiterer Bankkunden, die mit Lehman-Zertifikaten viel Geld verloren haben. Foto: Lars Brepols

Düren. Die Renovierungsarbeiten stehen still. Eigentlich wollte die Familie Moser über die Feiertage zur Ruhe kommen und den ganzen Frust der vergangenen Wochen für kurze Zeit vergessen. Doch daran war auch über die besinnlichen Tage nicht zu denken.

„Es beschäftigt uns rund um die Uhr. Außerdem fehlt uns einfach das nötige Geld, um hier im Haus größere Verschönerungsarbeiten zu realisieren”, bedauert Hans-Egon Moser.

Viele Anrufe und E-Mails

Erst Mitte November berichtete die DZ über die Lendersdorfer Familie, die durch den Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers 184.000 Euro verloren hatte. „Der Artikel hat einiges ins Rollen gebracht”, schildert Hans-Egon Moser. Das Telefon habe seitdem nicht mehr still gestanden. Etwa zehn weitere Lehman-Geschädigte hätten sich noch am selben Tag bei ihm gemeldet. Zudem seien diverse E-Mails eingegangen.

„Wir haben alle Namen notiert und entsprechend den jeweiligen Sachverhalten und Anlageformen tabellarisch angeordnet”, berichtet Ingrid Moser, „dabei ist uns aufgefallen, dass etwa 85 Prozent der Geschädigten ebenfalls von Franz H. (Name von der Red. geändert), Gold-Kundenberater der Citibank, beraten worden sind.

Nachdem die Mosers mehrfach von den „Lehman-Opfern” gebeten worden waren, organisierten sie ein Treffen,. „Wir hatten mit acht bis zehn Leuten gerechnet”, erinnert sich Hans-Egon Moser, „doch am Ende waren es über 20 enttäuschte Anleger, die zu diesem ersten Austausch zusammengekommen sind.” Weil seine Frau auf der Internetseite „lehman-Zertifikateschaden.biz” auf das Treffen hingewiesen hatte, kamen sogar Geschädigte aus Euskirchen und Herzogenrath.

„Das Risikoprofil war bei fast allen gleich”, verdeutlicht Ingrid Moser, „und alle haben bestätigt, dass man sie über mögliche Risiken nicht aufgeklärt hat.” Vielmehr habe der Berater ihnen versichert, dass die Anlagen genau so sicher seien, wie Bundesanleihen, Bundesschatzbriefe oder Festgelder.

Die Citibank streitet die Vorwürfe ab: „Wir haben klar definierte Beratungsstandards und Regularien, an die sich unsere Berater und Mitarbeiter strikt halten. Unsere Vermögensberater sind gut ausgebildet, darüber hinaus finden regelmäßige Trainings und Fortbildungsmaßnahmen statt. Die gute Beratungsqualität wurde in zahlreichen unabhängigen Tests bestätigt”, erklärt Pressesprecher Ingo Stader.

Eher zufällig, beim Durchwühlen der eigenen Unterlagen, wurde Ingrid Moser auf eine mögliche Unregelmäßigkeit aufmerksam. Über die International Securities Identification Number (ISIN) entdeckte die 56-Jährige, dass ihnen nicht die georderten Alpha Express Zertifikate sondern Euro Stoxx Zertifikate verkauft worden waren. „Wir haben uns immer nur auf den Namen und die Summe konzentriert. Die zwölfstellige ISIN-Nummer habe ich nie richtig beachtet”, erklärt Ingrid Moser, die ein Versehen ausschließt.

„Eine Familie aus Niederau hat ein paar Tage später die gleichen Zertifikate geordert und ebenfalls die falschen erhalten. Alles nach dem gleichen Muster.” Die Mosers sind daher der festen Überzeugung, dass der Kundenberater so eine höhere Provision für sich rausschlagen konnte. „Offensichtlich hatten die Berater der Citibank die Order, diese Zertifikate im großen Stil an den Mann zu bringen, zumal allem Anschein nach auch neben dem offengelegten Ausgabeaufschlag in Höhe von zwei Prozent noch weitere verdeckte Rückvergütungen geflossen sind”, glaubt ein weiterer Lehman-Geschädigter, der namentlich nicht genannt werden möchte, da sein Fall bei einer Bonner Kanzlei derzeit zur Prüfung vorliegt.

Dies verneint Stader jedoch strikt: „Die Höhe der Provision spielt bei der Anlageempfehlung keine Rolle. Die Provisionen, die die Citibank für Zertifikate vereinnahmt, sind marktüblich.”

Den Fall der Familie Moser verwalten mittlerweile die Ombudsmänner der Banken. „Die Citibank versucht uns hinzuhalten”, klagt Moser, der durch das Einschalten der Ombudsmänner die Verjährungsfrist stoppen will. Viele hätten ihre Zertifikate schon 2006 gekauft, daher rät Moser den Geschädigten, die Ombudsmänner umgehend einzuschalten.

Für Anfang Februar planen die Mosers ein zweites Treffen in Lendersorf. Per E-Mail können Geschädigte mit der Familie in Kontakt treten (lehman.dueren@web.de). „Wir warten jetzt auf das erste Gerichtsurteil in dieser Sache, dann schauen wir weiter”, sagt Hans-Egon Moser: „Ich bin jetzt jedenfalls optimistischer.”
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