Köln/Düren - Lebenslänglich für den Mörder von Semmy D.

Lebenslänglich für den Mörder von Semmy D.

Von: Daniel Taab
Letzte Aktualisierung:

Köln/Düren. Es waren emotionale Szenen, die sich am Montagnachmittag im Saal 210 des Kölner Landgerichts abgespielt haben. Um 14.20 Uhr wurde Fernando D. im Prozess um den tödlichen Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Köln-Zollstock zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

 Die Schwurgerichtskammer befand den 53-Jährigen des Mordes an dem gebürtigen Dürener Semmy D. mit gemeingefährlichen Mitteln und der Brandstiftung mit Todesfolge für schuldig. Die Richterin verdeutlichte, dass die Kammer keinen Zweifel daran habe, dass der Angeklagte im August 2012 mehr als neun Liter Benzin in der Wohnung des 17-Jährigen verschüttet und angezündet hatte.

„Der Brand wurde absichtlich gelegt“, sagte die Vorsitzende. Der 53-Jährige solle nicht versuchen, sich einen unglücklichen Unfall einzureden. „Dann lügen Sie sich in die Tasche“, betonte die Richterin. Möglicherweise habe der Täter eine brennende Zigarette auf das ausgeschüttete Benzin geschnippt. Ein Feuerzeug oder eine Lunte wurden am Tatort am Gottesweg nicht entdeckt.

„Ich schieße Dir den Kopf weg“

Der Angeklagte habe mit aller Macht versucht, die Beziehung seiner 14 Jahre alten Tochter mit dem später getöteten 17-Jährigen zu verhindern. Fernando D. habe den 17-Jährigen schon vor der Tat mit dem Tod bedroht („Du Hund. Ich schieße Dir den Kopf weg.“) und sei auch gewalttätig gegenüber seiner Tochter geworden, die nicht auf ihn hören wollte. Kurz vor der Eskalation habe der 53-Jährige seine Tochter als „Hure“ beschimpft. Fernando D. war nach Ansicht der Ermittler getrieben von dem Gedanken, dass die 14-Jährige auf die schiefe Bahn gerät und der 17-Jährige die Schuld daran trage. Am Ende habe der 53-Jährige die Wohnung des Jugendlichen zerstören wollen, damit die Beziehung endet. Mit der Tat habe er den Tod des 17-Jährigen billigend in Kauf genommen.

Trotz aller Vorwürfe machte die Richterin ebenso deutlich, dass sich der Vater nach dem Schlaganfall seiner Frau fürsorglich um diese gekümmert habe und mit der Erziehung der Tochter in Teilen überfordert gewesen sei.

Die Dürener Eltern des Getöteten waren als Nebenkläger in dem Prozess vertreten. Der Vater sagte nach der Verhandlung: „Es ist ein gerechtes Urteil. Ich hoffe der Angeklagte kommt frühestens nach 15 Jahren wieder frei.“ Die Mutter nannte den Täter ein „Monster“. Dies ließ sie über ihre Anwältin Ruth Becker-Prox mitteilen. Mit dem Urteil sei die Mutter „zufrieden“. Besonders schmerze die Angehörigen, dass der Täter im Prozess keine Reue gezeigt habe.

Neues Gutachten abgelehnt

Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung gefordert. Grund: Das Benzin sei vom Angeklagten verschüttet, aber nicht entzündet worden. Die Kammer schenkte dem keinen Glauben und lehnte ein neues Brandgutachten ab.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert