Lebensbejahende und gefühlvolle Lieder

Von: Hannes Schmitz
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Spielte gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle: Der Gospelchor Crescendo begeisterte seine Zuschauer beim Konzert in Winden. Foto: Schmitz

Winden. Temperamentvoll, furios, rhythmisch-dynamisch, aber auch zurückhaltend, verhalten, melodiös: Der Gospelchor Crescendo zog beim Doppelkonzert in der Windener Pfarrkirche alle Register, spielte gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle: lebensbejahende Songs, gefühlvolle Lieder, Gospels – ein mitreißendes Programm und, obwohl ein Gedächtniskonzert für den vor sieben Jahren verstorbenen Chorleiter Martin Schröteler und seinen Bruder Gerd, ein Konzert ohne Gefühlsduselei.

„Ausverschenkt“ hatte die Gesangsgruppe ihren Gig genannt. Und sie verschenkten neben den Eintrittskarten Stimmungen, die die Zeit „zwischen den Tagen“ widerspiegeln. Besinnlichkeit, Reflexionen, innere Einkehr, aber auch die Freude, die Lust an der Fröhlichkeit, an neuen Entdeckungen. Crescendo hatte auf diesem Feld musikalisch einiges zu bieten: Gospels, die schon seit Jahren zum Repertoire des Chors gehören und der Kirche amerikanisches Südstaatenflair verliehen.

Der Klangkörper wogte auf den Altarstufen, das Publikum im Kirchenschiff. Neueinstudierungen wurden mal mit Wucht, mal mit Wehmut vorgetragen. Es war ein glanzvolles Konzert, das tief in die Gefühlswelt der Besucher eindrang, die Seele umschmeichelte, ohne jedoch je kitschig zu sein.

Crescendo bewies seine große Klasse, führte überzeugend vor, dass aus den „musikalischen Laien“ – einem Begriff, mit dem sie seit Jahren kokettieren – ein Chor mit professionellen Zügen, ein überregionales künstlerisches Markenzeichen geworden ist. So fiel auch kaum auf, dass Crescendo ohne ihre künstlerische Leitung Sabrina Pelzer auftrat, obwohl bei einigen wenigen Stücken eine Dirigentenhand zu einer noch besseren Performance geführt hätte.

Ganz starke Momente hatte der Chor, als er neue „alte“ Hits von Toto, Elton John oder Leonard Cohen anstimmte. Cohens „Halleluja“ kam im Film „Shrek“ zu neuen Ehren und wurde von Crescendo erstklassig interpretiert. Es war eines der Glanzstücke des Abends, zu denen auch die wundervolle sängerische Darbietung von „Africa“ gehörte: ein Faszinosum an Klängen und Tönen, um die Originalsoli zu „überspielen“. Klasse! Ebenso gut war der Auftritt des Männerquintetts Thorsten Schnitzler, Wolfgang Nolden (starke Leistung bei „You raise me up“), Daniel Bachtenkirch (Solist und wundervoller Interpret von „Old Man River), Dieter Döppengießer und Pit Kästner, die sich „Mad World“ zutrauten und bravourös meisterten. Ursprünglich für „Tears for Fears“ geschrieben, kamen sie der Gary Jules-Version in ihrer Kargheit, Schlichtheit und Eindringlichkeit sehr nahe. Famos!

Nicht minder stark waren die weiblichen Solistinnen Claudia Maintz, Ingrid Königs, Birgit Dopichay oder Susanne Kreilein. Cresendo überzeugte als homogener Klangkörper, begeisterte mit Chorgesang auf hohem Niveau. Der einzige nicht so glückliche Griff war vielleicht im Zugabenteil „Stille Nacht“: eine Woche zu spät und eher Bremse für ein schwungvolles Publikum, das nach der Vorstellung den Rhythmus im Blut hatte, und die Leistung von Crescendo mit Ovationen belohnte.

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