Lebendiges Nachschlagewerk der Geschichte

Von: kel
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Wenn es nach Felix Röhlich (r.) gegangen wäre, hätte er Moderator Leo Neustraßen stundenlang aus seinem Leben erzählt. Foto: Keldenich

Düren. Hätte Moderator Leo Neustraßen nicht immer wieder freundlich eingegriffen, Felix Röhlich hätte wohl bis tief in die Nacht aus seinem Leben erzählt. Die beiden saßen auf der schon legendären Couch im Stadtmuseum und manch einer im voll besetzten Vortragsraum hätte wohl noch ein bis zwei Stündchen länger zuhören wollen.

Was der alte Herr, Jahrgang 1929, an Geschichten haarklein zu berichten wusste, verblüffte selbst manch alten Weggefährten im Auditorium. Ob Namen, Daten, Ereignisse, Zusammenhänge oder Hintergründe, Röhlich ist ein lebendiges Nachschlagewerk der vergangenen 90 Jahre.

Zunächst ging es um die Jugend des Dürener SPD-Urgesteins, der in Jülich geboren wurde, im Krieg mit seinen Eltern nach Thüringen evakuiert wurde und erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Düren landete. In den Krieg musste er nicht mehr ziehen, obwohl kurz vor Kriegsende der Einstellungsbefehl eintraf. Ein Bekannter warf das Schriftstück einfach ins Feuer und sagte, der Krieg sei bald vorbei, was sich bewahrheitete. So bestand seine „größte“ Leistung in dieser Zeit darin, während eines Fliegeralarms ein Fass mit Pökelfleisch für die im Schutzkeller ausharrenden Mitbewohner zu „organisieren“.

Zurück im Rheinland fand er zwei akzeptable Bleiben, eine in Jülich und eine in Düren. Er entschied sich für die Kreisstadt, räumte Schutt, machte das Haus an der Friedenstraße halbwegs bewohnbar und hängte ein Schild mit der Aufschrift „besetzt“ an die Tür, bis er seine Familie zum Einzug nachholte. Genau dort lernte er dann auch seine Frau kennen, mit der er bis heute glücklich verheiratet ist. Seinen Traumberuf Lokführer konnte er nicht antreten, weil man bei ihm Farbenblindheit feststellte. Also übernahm er eine Anstellung bei Zimmermann und Jansen, bildete sich weiter und nahm schließlich einen Job bei einer amerikanischen Computerfirma an.

Zu dieser Zeit erwachte auch sein politisches Interesse. Nachdem er sowohl Kurt Schumacher wie Konrad Adenauer gehört hatte, tendierte er zunächst zu den Christdemokraten. Sein Freund, der langjährige Bundestagsabgeordnete Hans Iven, überzeugte ihn jedoch von der Sozialdemokratie. Damit begann eine intensive und engagierte politische Arbeit. Als Juso-Vorsitzender, Stadtratsmitglied und Mitglied im SPD-Fraktionsvorstand brachte er so manches Projekt auf den Weg, bis er nach der kommunalen Neugliederung 1975 in den Kreistag wechselte. Bei seiner politischen Arbeit scheute Röhlich sich auch nicht, hier und da mit Parteigenossen wie beispielsweise Josef Vosen in den Clinch zu gehen.

Abgerundet wurde Röhlichs gesellschaftliches Engagement durch seinen Einsatz für die Arbeiterwohlfahrt, deren Vorsitzender er 25 Jahre lang war. Schon 1988 bekam Röhlich das Bundesverdienstkreuz. Während er damals von seiner Nominierung vorher wusste, überraschte es ihn 1997 völlig, als er erneut ausgezeichnet wurde, jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

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