Leben und Überleben im Kapitalismus

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
theaterprojektbu
Sie bringen das Theaterprojekt ins Rollen (v. l.): Praktikantin Caroline Schröder, Adam Kempinski von der Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft, Theaterpädagogin Marion Kaeseler und Monika Rothmaier-Szudy, künstlerische Leiterin des Theaters Düren. Foto: Vallata

Düren. Die Frage rüttelt geradezu an den Grundfesten zivilisatorischer Selbstherrlichkeit: „Gibt es eine Gemeinschaft auf einem untergehenden Schiff?” Wer ganz tief in sich hineinhorcht, der könnte in den tiefsten Tiefen seiner Seele auf eine Antwort stoßen, die ihn angst und bange macht.

Oder etwa nicht? Aber langsam: Vielleicht ist so etwas wie Solidarität im Angesicht des eigenen Elends nicht bloß eine kühne Illusion. Fest steht: Erst in Extremsituationen kommt die wahre Natur des Menschen zum Vorschein.

Die Frage bleibt bestehen. Ergründet werden soll sie demnächst in einem neuen Projekt des Dürener Theaters, das sich in einer ersten Phase vornehmlich an junge Teilnehmer wendet und dem das Stück „Der Arbeitslose” von Erna Schiefenbusch, der Gründerin des Schauspiels Düren, als Grundlage dient. Daraus entnommen hat das Projektteam um Monika Rothmaier-Szudy, der künstlerischen Leiterin des Theaters, auch das eingangs erwähnte Zitat: „Gibt es eine Gemeinschaft auf einem untergehenden Schiff?”

Frühwerk wiederentdeckt

Seit das Frühwerk vor einigen Jahren im Nachlass der früheren Intendantin wiederentdeckt wurde, gibt es Bestrebungen, es als Erstaufführung auf die Bühne zu bringen. Und in einem Jahr, pünktlich zum 20. Geburtstag des Hauses der Stadt, soll es soweit sein. Bis dahin liegt allerdings noch sehr viel Arbeit vor allen Beteiligten. Der Ansatz ist ebenso originell wie anspruchsvoll: Junge Leute haben die Möglichkeit, die Theaterwelt aus nächster Nähe kennzulernen und sich gleichzeitig mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Denn davon handelt das Theaterstück von Erna Schiefenbusch. Wie kann man ein gutes Leben führen? Wie sehr muss man Schwein sein und die Ellebogen ausfahren, um Erfolg zu haben? Fragen über Fragen. Willkommen im Kapitalismus.

„Uns ist es sehr wichtig, dass dieses Theaterstück nicht vergessen wird, weil es immer noch sehr aktuell ist, obwohl es in den 20er Jahren spielt”, sagt Adam Kempinski von der Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft. Theaterpädagogin Marion Kaeseler, die bereits einige Erfahrung in der Adaption von Bühnenstoffen gemacht hat, will die Teilnehmer des Theaterprojektes vor allem mit dem Schauspielerei vertraut machen. „Man lernt, im Vordergrund zu stehen und Blicke auszuhalten.” Dies sei auch ein Mittel, Selbstbewusstsein aufzubauen und sich zu behaupten, glaubt sie. Dazu dient unter anderem ein Workshop, der am kommenden Samstag startet. In einem zweiten und dritten Schritt werden auch Laiendarsteller mittleren und höheren Alters entsprechend der Rollenvorgaben in „Der Arbeitslose” gecastet - ein Mehrgenerationenstück, könnte man sagen. Der Originaltext dient dabei als Inspirationsquelle, keineswegs aber als unveränderliche Vorgabe.

„Je mehr ich selbst am Entstehungsprozess beteiligt bin, desto mehr bin ich auch mit dem Herzen bei der Sache”, weißt Theaterpädagogin Kaeseler, die lediglich einen roten Faden vorgeben möchte. Der ganze große Rest soll sich in den kommenden Monaten herauskristallisieren. Ganz besonders wünscht sie sich mehr männliche Präsenz: „Jungs, traut´ euch!”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert