Gey - Leben in Gey: Verbessertes Wohnen mit Schattenseiten

Leben in Gey: Verbessertes Wohnen mit Schattenseiten

Von: Lukas Weinberger
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Idylle statt Blechlawine: Frü
Idylle statt Blechlawine: Früher rauschten bis zu 15 000 Autos täglich durch Gey, heute gibt es auf der Dürener Straße kaum noch Verkehr. Foto: Weinberger

Gey. Man schrieb den 3. März 1969, als das erste Mal über eine Umgehungsstraße für Gey diskutiert wurde. Zur Erinnerung: Damals stand Kurt Georg Kiesinger als Bundeskanzler an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland. Umweltschützer stellten sich damals quer, verhinderten einen Bau.

1987 schien dieser aber dann doch kurz bevorzustehen. Wieder nichts. Im Frühjahr 1996 hieß es dann, der Startschuss für die Ortsumgehung solle 1999 fallen. Doch die Geyer mussten noch länger warten. Anfang 2008, fast 40 Jahre nach den ersten Diskussionen, war es so weit: Spatenstich. Rund anderthalb Jahre später, im Dezember 2009, rollten dann die ersten Autos über die Umgehungstraße, am 12. Januar 2010 wurde sie offiziell eröffnet.

Auch Frauwüllesheim hofft auf eine Ortsumgehung. Die Ostumgehung Düren (B56n) ist sowieso in aller Munde. Doch was hat sich in Gey nach dem Bau der Umgehungsstraße verändert? Welche Probleme gibt es? Ist die Lebensqualität heute, gut zweieinhalb Jahre später, wirklich gestiegen wie erhofft?

Für Ortsvorsteher Helmut Rösseler kann es zumindest auf die letzte Frage nur eine Antwort geben: „Die Lebensqualität ist definitiv gestiegen. Wir sind sehr glücklich mit der Ortsumgehung.” Früher zwängten sich täglich fast 15.000 Fahrzeuge über die Dürener Straße, heute ist es nur noch ein Bruchteil davon. „Nun ist es sehr angenehm zu wohnen”, pflichtet Angela Brennecke dem Ortsvorsteher bei. Ihr Haus steht nur wenige Zentimeter von der ehemals vielbefahrenen Straße entfernt. Und sie kennt andere Zeiten: Angela Brennecke ist an der Dürener Straße aufgewachsen. „Früher war es unerträglich”, blickt sie zurück. „Nachts das Fenster aufzulassen war unmöglich” Heute sei alles besser, die Umgehungsstraße nennt sie einen „Segen”.

Davon, dass diese Straße aber auch Schattenseiten hat, kann Georg Reinartz ein Lied singen. Der Landwirt betreibt an der Dürener Straße einen Hofladen mit kleinem-Café. Früher lief das Geschäft gut, heute nicht mehr. „Mein Umsatz ist - seit die Autos nicht mehr durch Gey fahren - um 40 Prozent zurückgegangen”, berichtet Reinartz. Während früher „Fahrkundschaft” in seinen Laden strömte, kommen heute nur die Stammkunden.

Auch Werbung gestalte sich schwierig: „Die meisten Leute fahren einfach nur noch an Gey vorbei”, sagt der Landwirt enttäuscht. „Mit Blick auf die Geschäftswelt ist der Ort klein und still geworden”. Das sieht Stefan Hoegen, Besitzer eines kleinen Lebensmittelmarktes an der Dürener Straße nicht anders. „Als Einwohner Geys schätze ich die Ortsumgehung, da es nun wirklich viel ruhiger ist”, urteilt Landwirt Reinartz über die postiven Seiten der Umgehungsstraße. „Wenn ich aber meinen Laden betrachte, wünsche ich mir, dass sie nie gebaut worden wäre.”

Doch nicht nur im Ortskern, sondern auch auf der Umgehungsstraße selbst gibt es Probleme. Die neue Straße - vor allem die Kreuzung der B 399 mit der K 31 - wurde zum Unfallschwerpunkt: Dreimal krachte es, da war die Umgehungsstraße noch gar nicht offiziell eröffnet. Weitere Unfälle kamen hinzu, der vorerst letzte ist erst einige Wochen her. „Auf Gewohnheit können die Unfallverursacher die Vorfälle nicht mehr schieben”, findet Ortsvorsteher Rösseler. „Man sollte sich einfach an die Verkehrsregeln halten.”

Jahrelang hat Gey für die Umgehungsstraße gekämpft - und am Ende hat der Ort bekommen, was der Großteil der Bürger wollte. „Wir haben das mit großen Kampf und Einsatz geschafft”, lobt Ortsvorsteher Rösseler das Durchhaltevermögen der Geyer und fügt eine unmissverständliche Botschaft Richtung Düren an: „Meiner Meinung nach fehlt der bei Forderung nach der B 56n der nötige Biss.”
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