Düren - Leben im Karmel: „Bewusster Verzicht ist befreiend“

Leben im Karmel: „Bewusster Verzicht ist befreiend“

Von: Stephan Johnen
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Im Karmel leben 18 Schwestern. Am 24. August 1903 wurde das Kloster bezogen. Foto: Stephan Johnen

Düren. In ihrem Leben kam alles anders als gedacht – aber so, wie es kommen sollte. „Von Kindheit an wollte ich Medizin studieren und Ärztin werden“, blickt Schwester Maria Bonaventura zurück.

Geboren wurde sie am 21. Dezember 1929 als Maria Stäb im Badischen. Hatte sich eine der drei Schwestern beim Spielen verletzt, war es die heute 86-Jährige, die ein Pflaster zur Hand hatte. Nach dem Abitur nahm sie ein Pharmaziestudium auf.

„So konnte ich in den Semesterferien etwas in der Apotheke verdienen, um das anschließende Medizinstudium zu finanzieren“, erzählt die Karmelitin, die am 15. August ihr Diamantenes Ordensjubiläum feiert (Infokasten). Doch es kam anders. Im dritten Semester schmiss Maria Stäb ihr Studium. Sie hatte gefunden, wonach sie bewusst oder unbewusst stets gesucht hatte: ihre Bestimmung.

„Ich hatte zunächst keine persönliche Beziehung zu Gott“, sagt die in einer gläubigen Familie großgewordene Schwester Bonaventura, die 33 Jahre lang Priorin des Dürener Karmel war und seit ihrem Eintritt in das Kloster auch viele Jahre als Novizenmeisterin, Subpriorin und Ratsschwester die Geschicke der Gemeinschaft mitbestimmt hat.

Sie ist überzeugt, dass es „Gottes Wirken war“, dass sie im Laufe ihres Studiums den eingeschlagenen Weg in Zweifel zog. „Ich habe gemerkt, dass ich mir etwas vormache“, sagt die 86-Jährige. An Maria Himmelfahrt 1953 fasste sie den Beschluss, ihren Eltern mitzuteilen, dass sie ins Kloster gehen möchte. Die Mutter habe geweint, der Vater den Entschluss der Tochter respektiert. „Ich war wie befreit“, sagt Schwester Bonaventura.

Bei der Wahl des Klosters wollte sie nichts überstürzen, sich Zeit lassen. Sie vertraute darauf, dass Gott ihr den Weg aufzeigen würde. Über Köln, wo eine Freundin aus Studienzeiten in den Karmel ging, führte der Weg nach Düren. Am 3. Juli 1954 trat sie ein, am 15. August 1956 legte sie die Erste Heilige Profess ab. Zweifel an dieser Entscheidung gab es keine.

„Ich habe mein Leben Gott geschenkt“, erklärt Schwester Bonaventura. „Bewusster Verzicht kann sehr befreiend sein“, sagt sie mit Blick auf das Armuts- und Schweigegelübde. „Als ich hier ankam, gab es jeden Tag Butter. Das kannte ich von Zuhause nicht“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Armut in der Nachkriegszeit sei ein sehr relativer Begriff gewesen: Elektrizität und moderne Waschbecken waren nicht nur im Kloster Mangelware.

„Wir wirken verborgen vor der Welt für die Welt“, erklärt Schwester Bonaventura. Das Leben der Karmelitinnen, ihr ganzes Tun und Sein, soll zu einem Gebet für die Kirche und die Welt werden. „Es ist wichtig, sich sicher zu sein“, blickt sie auf ihre Entscheidung zurück, ein weltliches Leben hinter sich zu lassen. Wer dies nicht aus voller Überzeugung tue, werde unglücklich.

Auch wenn sie zurückgezogen von der Welt lebt, hält sie dennoch Kontakt zu ihrer Familie. So freut es Schwester Bonaventura, dass viele Familienmitglieder und Freunde das Jubiläum mit ihr feiern. Ohne den Segen der Familie, sagt sie, wäre sie als junge Frau diesen Weg wohl nicht gegangen.

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