Lautstarker Protest gegen Unterbringung von Flüchtlingen

Von: Jörg Abels
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Rund 200 Lendersdorfer protestierten am Donnerstagabend gegen die geplante Errichtung von Wohnmodulen für bis zu 60 Flüchtlinge an der örtlichen Grundschule. Foto: Abels

Lendersdorf. In Lendersdorf ist ein lautstarker Protest gegen die Unterbringung von Flüchtlingen entbrannt. Seit die „Ampel“-Koalition im Stadtrat vor wenigen Tagen beschlossen hat, auch an der örtlichen Grundschule Wohnmodule für bis zu 60 Menschen zu errichten, formiert sich Widerstand.

Einem anonymen Aufruf folgten am Donnerstagabend gut 200 Bürger. Die Ratsmehrheit hatte auf den Hilferuf der Verwaltung reagiert hat, die betont, dem stetig zunehmenden Flüchtlingsstrom nicht mehr allein mit der Anmietung und dem Ankauf von Immobilien Herr werden zu können, und bis Jahresende bereits von mehr als 150 fehlenden Plätzen spricht.

Alternative Standorte?

Tenor des nicht unbedingt einhelligen und in der Masse schwer zu bündelnden Meinungsbildes: „Wir Lendersdorfer werden uns nicht gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehren, aber den Standort in unmittelbarer Nähe einer Grundschule und dreier Kindergärten halten wir für falsch“, betonte der Bezirksausschussvorsitzende Norbert Weber (CDU).

Wie schon in der Stadtratssitzung brachten er und sein Fraktionschef Stefan Weschke alternative Standorte ins Gespräch. „Wir sind uns einig, dass wir die Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen müssen, aber im guten Miteinander mit der Bevölkerung“, betonte Weschke. Ob die Alternativen aber überhaupt verfügbar, geeignet und bezahlbar wären, muss erst noch untersucht werden. Es sei viel zu früh, sich dazu öffentlich zu äußern, betonte Sozialamtsleiter Christian Sanfleber auf Nachfrage.

Dass der ursprünglich von der Verwaltung an der Grundschule ins Auge gefasste und vom Stadtrat mehrheitlich beschlossene Wohnmodul-Standort auf dem Parkplatz an der Ecke „Zum Blümling/Kirchfeld“ (er ist ausgewiesener Parkplatz für die Rurtalhalle) mittlerweile ebenso vom Tisch ist wie die Alternative am benachbarten Sportplatz änderte am Protest nichts. Auch die nun favorisierten, weil nicht mehr genutzten Tennisplätze zwischen Grundschule und Wolfsgasse stoßen bei den Bürgern auf Ablehnung.

„Wir können den Standort Lendersdorf aber nicht aufgeben“, unterstrich Sanfleber am Freitag noch einmal mit Nachdruck. „Wir stehen längst mit dem Rücken zur Wand.“

Und dieser Situation will sich die „Ampel“-Koalition aus SPD, FDP, Grünen und Linken trotz des Protests stellen und Verantwortung übernehmen. „In Kenntnis der Fakten können wir von dem eingeschlagenen Weg nicht abweichen“, stellte SPD-Fraktionschef Henner Schmidt am Freitag gegenüber der DZ unmissverständlich klar. Bis zur Ratssitzung am 17. Juni soll der gefasste Beschluss nun modifiziert werden. Änderungsanträge, die für Lendersdorf die Tennisplätze als Standort der Wohnmodule zum Inhalt haben, wollen sowohl die Verwaltung als auch die „Ampel“ einbringen. „Wir wollen damit ein klares Zeichen setzen“, betonte Schmidt.

Bürgermeister Paul Larue, der aufgrund anderer Termine der kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung nicht beiwohnen konnte, hofft, dass sich bis zum 17. Juni doch noch andere Standorte herauskristallisieren. Er hatte im Stadtrat gegen den an der Grundschule Lendersdorf gestimmt, im Vorfeld jedoch den entsprechenden Verwaltungsvorschlag mitunterzeichnet.

Derweil kündigte Henner Schmidt an, dass in Lendersdorf vor allem Flüchtlingsfamilien mit Kindern untergebracht werden sollen. Für sie sei der Standort in der Nähe der Kindergärten und der Grundschule ideal. Dies hatte am Donnerstagabend auch Pfarrerin Susanne Rössler versucht, gegenüber den Anwohnern deutlich zu machen. Der „Runde Tisch Asylpolitik“, an dem neben Politikern und Verwaltungsmitarbeitern auch Vertreter von Kirchen und Wohlfahrtsverbänden sitzen, hatte sich einstimmig für vier Standorte in Lendersdorf, zwei in Gürzenich (Papiermühle/alter GFC-Sportplatz) und an der Brüsseler Straße ausgesprochen.

Die Lendersdorfer hatten zudem kritisiert, sie seien im Vorfeld nicht informiert und zu den Plänen befragt worden. In diesem Zusammenhang verteidigt Christian Sanfleber das städtische Vorgehen, erst nach einer Stadtratsentscheidung zu informieren. Ansonsten laufe man Gefahr, dass jede mögliche Unterkunft im Vorfeld zerredet werde, während wöchentlich neue Flüchtlinge aufgenommen werden müssten. Auch in Lendersdorf will die Stadt noch offiziell informieren.

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