„Lass das mal den Willi machen“: Unterhaltsames Stück über Männerbilder

Von: Anke Holgersson
Letzte Aktualisierung:
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Fred Piepenbrinck (Wolf Guido Grasenick), Eva Piepenbrink (Eva Wiedemann), Margarete Winzig (Fabienne Hesse), Freddy Köstermann (Nikolas Knauf) und Willi Winzig (Leo Braune) (v.l.) brachten mit „Lass das mal den Willi machen“ Stimmung in das Haus der Stadt.

Düren. Schon für den ersten Auftritt seiner Figur Willi Winzig erhält Leo Braune Szenenapplaus. Der Schauspieler, hier mit zurückgekämmten Haaren, Anzug und Hornbrille, mischt Heinz Erhardt, Heinz Rühmann und (gewollt oder ungewollt) einen Schuss Hans Süper in seine Interpretation des Bankangestellten Winzig, der einfach nur ein treu ergebener Gatte sein möchte.

Wenn da nicht seine Gattin Margarete wäre, die ihn lieber etwas männlicher, machohafter haben möchte.

Eigentlich hätte der Heinz Erhardt-Imitator Thorsten Hamer in Düren den Part von Willi spielen sollen. Der hatte jedoch kurzfristig seine Mitwirkung an der Inszenierung der Landesbühne Rheinland-Pfalz abgesagt. „Glücklicherweise hatte das Theater jemanden zur Hand, der einspringen konnte, weil er die Rolle in seinem Repertoire hat. Und so hat seit Silvester Leo Braune alle Termine übernommen“, sagt Monika Rothmaier-Szudy, die künstlerische Leiterin des Theater Düren.

Spielfluss und -freude gerieten durch die Besetzungsänderung jedenfalls nicht ins Stocken. Ohne Hamer ist die Geschichte um den liebenswerten Willi vom Korsett der Erhardt-Imitation befreit. Braune spielt die Verzweiflung seines Protagonisten, die darin besteht, dass er nicht versteht, was an der Rolle des Machos so begehrenswert sein soll, voller Herz und Sympathie für seine Figur, ohne übertrieben zu wirken.

An seiner Seite brilliert Eva Wiedemann als sein weibliches Gegenstück, als Nachbarin Eva. Ebenso brav wie Willi hat sie mit Fred jedoch eher den untreuen Typ Mann zu Hause, so scheint es. Gemeinsam mit Willi plant sie bei ungewohntem Alkoholgenuss die Rückeroberung der abtrünnigen Ehepartner durch ein Eifersuchtsmanöver. Das geht natürlich erst einmal gründlich nach hinten los und führt schließlich, nach Läuterung aller Charaktere, doch zum Happy End.

Großartig, wie lockerleicht die 28-jährige Eva Wiedemann die naive, stetig betrunkener werdende Eva spielt. Die Schauspielerin, die in Frauwüllesheim zur Schule ging, freute sich nach der Vorstellung, umringt von Familie und Freunden, sichtlich, wieder einmal in Heimatgefilden spielen zu können.

Die erste Fassung dieser Boulevardkomödie um die Nöte des neuen, sensiblen Mannes stammt aus der Feder des Amerikaners Avery Hopwood. „Fair and Warmer“ hieß diese Urfassung von 1915, in der der Protagonist Billy heißt, genau wie in der Filmfassung „Der Mustergatte“ mit Heinz Rühmann von 1937. Die Version, die nun unter der Regie von Peter Nüesch im Haus der Stadt zu sehen war, stammt von der Landesbühne Rheinland Pfalz und wurde unter dem Autoren-Pseudonym „Kurt Neumann“ herausgegeben.

Eine gelungene Auffrischungskur für ein eigentlich immer noch aktuelles Stück über Männerbilder mit einigen aktuellen Anspielungen, die auch ein jüngeres Publikum erreichten. Die 18-jährige Neele Jütten zum Beispiel lobte die guten Sprüche, die das Stück aus ihrer Sicht auch für junge Leute zugänglich machte. Sie war mit ihrer Tante Ute Obladen in die Vorstellung gekommen, die ihr die Karten geschenkt hatte.

Ein schönes Theater-Erlebnis für die rund 500 Gäste im Haus der Stadt. Viel Gelächter, langer Applaus.

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