Larue: „Keine Legendenbildung betreiben”

Von: Stephan Johnen
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„Werden Sie Brückenbauer zwischen Ost und West”: Diesen Appell richtete der Historiker Michael Weigand am Tag der Heimat in Richtung Zuhörer. Foto: Stephan Johnen

Düren. „Von deutschem Boden aus - und nur von deutschem Boden aus - wurden Krieg und Vernichtung über Europa und große Teile der Welt gebracht. Lassen Sie uns heute keine Legendenbildung betreiben”, reagierte Dürens Bürgermeister Paul Larue während der Gedenkveranstaltung „Tag der Heimat” mit deutlichen Worten auf einen Satz in der Begrüßungsrede von Manfred Barsuhn, dem Vorsitzenden des ausrichtenden Bundes der Vertriebenen (BdV).

„Wir kennen nur Opfer. Es geht nicht darum, Opfer und Verbrechen gegeneinander aufzurechnen”, wandte sich Barsuhn zunächst an die Zuhörer im Haus der Stadt. Der BdV hatte zum „Tag der Heimat” eingeladen, um an Flucht und Vertreibung der Deutschen während und nach des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.

Barsuhn sprach auch die „Charta der Vertriebenen” an, in der sich diese fünf Jahre nach Ende des Krieges für ein freies und geeintes Europa und gegen Rache und Vergeltung aussprachen. Soweit herrschte breite Zustimmung im Saal. Die Äußerung Barsuhns jedoch, der Zweite Weltkrieg habe „viele Väter” und für ihn nicht erst am 1. September 1939 begonnen, ließ einige der rund 150 Zuhörer unruhig auf ihren Stühlen hin und her rutschen. Andere Gäste applaudierten.

„Wir Deutschen haben die Büchse der Pandora geöffnet”, betonte der SPD-Unterbezirksvorsitzende Dietmar Nietan in seinem Grußwort. „Es darf nie ein Vergessen, aber es muss Versöhnung geben”, fuhr er fort. Nicht Revanchismus, sondern Versöhnung müsse die Triebfeder für das Handeln der Vertriebenen sein. Mit ihrer Charta hätten die Vertriebenen auch die Hand zur Versöhnung ausgestreckt.

Ja, die Vertreibung der Menschen während des Krieges und danach sei Unrecht gewesen. „Wir müssen uns daran erinnern”, sagte Nietan. Aber ebenfalls an den geschichtlichen Kontext der Vertreibungen, „auch wenn es schmerzhaft ist”. Diese Erinnerungsarbeit solle nicht rückwärtsgewandt geschehen - vielmehr gelte es, nach vorne zu blicken, an dem freien, geeinten und demokratischen Europa zu arbeiten, das die Vertriebenen seit 1950 fordern.

„Wir müssen das schreckliche Schicksal der Heimatvertriebenen als Warnung präsent halten, damit so etwas niemals wieder passieren kann”, sagte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thomas Rachel MdB. Auch aus diesem Grund befürworte und begrüße er die Gedenkstätte in Berlin. Auch Rachel betonte, dass nie vergessen werden dürfe, dass die Ursache für die Vertreibung der deutsche Angriffskrieg war.

Festredner Michael Weigand, Historiker und stellvertretender Vorsitzender des BdV in Nordrhein-Westfalen, führte die Argumentation der Dürener Politiker fort. Und setzte in seiner Rede weitere Schwerpunkte: Die Integration der Vertriebenen im Westen „war zunächst nicht einfach”, bilanzierte er. Es gab Vorurteile, Unterschiede, offene Ablehnung. Dennoch sei sie geglückt. „Seien Sie die Wegbereiter der Integration für alle Ausländer, die nach Deutschland kommen”, forderte der 32-Jährige die Zuhörer auf. Die Heimatvertriebenen könnten auch „Brückenbauer zwischen Ost und West” werden.

Von der Politik forderte Weigand unter anderem, das Thema Vertreibung zum festen Bestandteil des Schulunterrichts und der Lehrerausbildung zu machen. Zudem müsse dieses Kapitel der Geschichte gründlicher erforscht werden - an dafür geschaffenen Lehrstühlen. Die Kenntnisse der Kultur, der Sitten und der Bräuche der ehemaligen deutschen Provinzen müsse erhalten werden. „Viele Deutsche waren Täter. Aber Deutsche waren eben auch Opfer”, sagte Weigand. Auch dieser Opfer müsse „würdevoll mit Respekt” gedacht werden.
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