Landtagsabgeordneter Rolf Seel: „Man muss loslassen können“

Von: Ingo Latotzki
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Seit 1995 im Landtag, bald ist Schluss: Rolf Seel. Foto: inla

Drove. Als Rolf Seel ein junger Politiker war und ältere Kollegen beobachtete, hat er manchmal gedacht: Wann hören die auf? Man kennt das: Auch jenseits des Rentenalters halten sich viele Politiker für nicht entbehrlich und machen weiter und weiter und weiter.

Genau so wollte es Rolf Seel nicht machen.

Er ist jetzt 64 und scheidet Ende des Monates aus dem Landtag aus. 22 Jahre saß er für die CDU in Düsseldorf, eine lange Zeit. Durchschnittlich sind den Abgeordneten nur 11,2 Jahre vergönnt, „ich bin also lange überfällig“, sagt Rolf Seel am Dienstag augenzwinkernd und lächelt.

Er ist von Drove, seinem Wohnort, mit dem E-Bike nach Düren gekommen und erzählt, wie zügig man mit diesen elektronischen Fahrrädern unterwegs sei und dass er vorhabe, demnächst mehr Touren zu unternehmen. Die Eifel liegt vor seiner Haustür. Und die Zeit könnte er sich nehmen, weil er schon bald nicht mehr ständig nach Düsseldorf pendelt, zu Sitzungen und Besprechungen, und weil er demnächst auch an den Wochenenden nicht mehr so viele Termine absolvieren muss, es sei denn, er will es.

Herr über die eigene Zeit

Darauf freut er sich jetzt: Herr über die eigene Zeit zu sein. „Ich werde jetzt nach den Terminen meiner Frau schauen“, sagt er, sie sei noch berufstätig und habe sich lange genug nach ihm gerichtet. Seel will sich weiter engagieren, ehrenamtlich, in seinem Ort, als Musiker, „aber alles mit Bedacht“, sagt er. In diesen Tage räumt er langsam sein Büro, leitet seine berufliche E-Mail-Adresse auf seine private um und beobachtet natürlich den aktuellen Wahlkampf. Die Innere Sicherheit, die Verbesserung der Infrastruktur und Bildungsthemen seien Beispiele für die Herausforderungen in der Zukunft.

Darum werden sich andere kümmern, auch wenn Seel „immer Spaß daran hatte, etwas bewegen zu können“. Natürlich geht das viel besser in Regierungsverantwortung, nicht in der Opposition. Seine CDU war von 2005 bis 2010 mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers am Ruder, eine Zeit, in der Rolf Seel in seinem Wahlkreis zum Beispiel leichter behilflich sein konnte. Wenn er den Anruf eines Bürgermeisters aus der Region erhielt, der sich zwei neue Lehrer für Schulen in seiner Stadt wünschte, telefonierte Seel mit dem Ministerium. Wenn es um den Straßenbau ging und das Land war zuständig, setzte sich Seel für den Wahlkreis ein. „Oft mit Erfolg“, sagt er.

Ja, sein Wahlkreis. Da der bis in den Kreis Euskirchen reicht, musste Seel in den letzten 22 Jahren ordentliche Strecken bewältigen, rund 30.000 Kilometer im Jahr. Einmal von Norden nach Süden, von Merken bis Hellenthal, das seien knapp 90 Kilometer. „Kollegen im Ruhrgebiet haben da manchmal nur vier Kilometer zu fahren, sagt er. Solche Zahlen kennt er auswendig. Zahlen sind überhaupt sein Metier. „Ich bin immer Finanzpolitiker gewesen“, sagt er. Seel ist Sprecher des Ausschusses für Haushaltskontrolle, Mitglied im Sportausschuss und stellvertretendes Mitglied im Finanz- und Europaausschuss.

Wenn man ihn fragt, was sich in den letzten 20 Jahren verändert hat, sagt er: der Umgang. Früher habe er selbst nach einem Streit mit dem politischen Widersacher schnell wieder eine gute Basis gefunden, heute, in Zeiten sozialer Netzwerke im Internet sei der Ton nicht nur rauer, sondern bisweilen auch verletzend.

Aber auch das muss ihn bald nicht mehr so anfechten. „Man muss loslassen können“, sagt er und schaut in den blauen Himmel über Düren. Gute Bedingungen, das E-Bike zu bewegen.

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