Landrat Spelthahn: Nicht wegschauen, sondern Gastfreundschaft zeigen

Von: Gudrun Klinkhammer
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Gedachte auch der Kriegsstoten: Landrat Spelthahn. Foto: gkli

Vossenack. Das Transparent „Volkstrauertag abschaffen“, das elf Demonstranten am Sonntag in Vossenack hochhielten, führten die Redner der zentralen Gedenkfeier im Kreis Düren am Ehrendenkmal ad absurdum.

Die Worte von Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn, von Pater Laurentius und von den beiden Schülern des Franziskusgymnasiums, Lara Schroedter und Heiko Westerburg, erreichten die Herzen der zahlreichen Anwesenden.

Bei der Vorbereitung der Rede wurden die Schüler von Geschichtslehrer Clemens Amendt begleitet. Lara Schroedter: „Wir sind die dritte Generation nach dem Zweiten Weltkrieg und verspüren zunächst keinen persönlichen Bezug zur Kriegsgräberstätte.“ Doch, so führten die 16-Jährige und der 14-Jährige, die beide das Abitur anstreben, weiter aus, der Krieg in all seinen Facetten sei deswegen nicht vorbei. In der Ukraine, in Syrien, im Irak, in Libyen und in anderen Gebieten tobe der Krieg nach wie vor. Heiko Westerburg: „Aus aktuellem Anlass müssen wir zudem eines hinzufügen: Terror ist auch eine Form des Krieges, und dieser hat nur wenige 100 Kilometer von uns entfernt auf grausame Art und Weise zugeschlagen – feige, heimtückisch, barbarisch.“ Viele Opfer seien Jugendliche gewesen.

Westerburg: „Wir haben Angst, dass Terror und Krieg unser Leben bestimmen wird.“ Für Frieden brauche es oft Jahre, manchmal Generationen. Gerade nach Vorfällen wie dem am Freitag in Paris spürten auch die jungen Menschen die Bedeutung der Kriegsgräberstätte und den Auftrag des Friedens, der von diesem Ort ausgehe. Stille herrschte nach der beeindruckenden Ansprache der beiden jungen Menschen. Spelthahn griff den gedanklichen Faden der Schüler auf. Der Ehrenfriedhof diene nicht der Glorifizierung, sondern der Mahnung.

Spelthahn: „Leben braucht Erinnerung, Frieden braucht Erinnerung.“ Was ihn berührt habe nach dem Terrorakt von Paris sei der spontane, europäische Zusammenhalt gewesen: „Wir als Europäer fühlen uns getroffen.“ Der Volkstrauertag sei ein wichtiges Zeichen, 365 Tage im Jahr Menschlichkeit und Toleranz walten zu lassen. Spelthahn: „Und nur mit Bildung und der Vermittlung, dass keiner benachteiligt ist, können wir dem Terror entgegenwirken.“

Kranz niedergelegt

Der Landrat machte darauf aufmerksam, dass die derzeit in Europa ankommenden Flüchtlinge gerade vor diesen Terroristen, die für die Anschläge von Paris verantwortlich zeichnen, fliehen. Spelthahn: „Da können wir als reiches Land nicht wegschauen. Wir müssen Gastfreundschaft zeigen, alles muss gut organisiert werden.“ Unter den Anwesenden befanden sich auch Vertreter des Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr in Düren und im Rhein-Erft-Kreis mit Oberstleutnant Thomas Roßbroich an der Spitze, Vertreter der St. Josef-Schützen Vossenack und als musikalische Gestalter die Volksmusikanten Vossenack unter Leitung von Guido Rosewich. Peter Kaptain war als stellvertretender Vorsitzender des Volksbunds der Kriegsgräberfürsorge, Kreisverband Düren, anwesend.

Pater Laurentius trug vor dem Niederlegen der Kränze ein Gedicht über Frieden und Verantwortung vor.

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