Landestheater Rheinland-Pfalz: Honig im Kopf und Tränen in den Augen

Von: Anke Holgersson
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Ein Herz und eine Seele: Opa Amandus (Walter Ullrich) und Enkelin Tilda (Eva Wiedemann). Foto: Holgersson

Düren. „Die theaterlose Zeit ist vorbei“, kündigte Monika Rothmaier-Szúdy, künstlerische Leiterin des Theaters Düren, die kommende Spielzeit an, die am Dienstagabend im Haus der Stadt mit der Inszenierung „Honig im Kopf“ eingeläutet wurde.

Das Landestheater Rheinland-Pfalz brachte unter der Regie seines Intendanten die Bühnenfassung des gleichnamigen Films (Drehbuch: Til Schweiger und Hilly Martinek) nach Düren. Und um es gleich vorweg zu sagen: Der Start ist gelungen, das Publikum ergab sich zum Schluss wahlweise Standing Ovations für die darstellerischen Leistungen der Schauspieler oder strich sich die Tränen aus den Augen.

Genau wie Dieter Hallervorden eine Idealbesetzung für die Rolle des von Alzheimer betroffenen Amandus Rosenbach im Film ist, so spielte Walter Ullrich die ideale Theaterausgabe dieser Figur. Deren Geschichte ist schnell erzählt: Amandus leidet an der Krankheit Alzheimer und kann sich immer weniger gut ausdrücken, erinnern, organisieren und vernetzen.

Seine Enkelin Tilda sucht und findet Kontakt zu dem immer kindlicher Werdenden und managt eine gemeinsame Sprache. Sie reist mit Opa nach Venedig, wo er einst sehr glückliche Tage mit Oma Margarethe verbracht hat. Sie hofft, ihm dadurch eine Aufgabe zu geben und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Ganz klar: Der Chef des Landestheaters und des ‚Kleinen Theaters Bad Godesberg‘, Walter Ullrich, wusste, wie er die Zuschauer durch lustige und melancholische Passagen des Stückes navigieren kann. Immer wieder schaffte er es durch gekonntes Timing, die Zuschauer zu überraschen und zum Lachen zu bringen.

Charmant: Ob Amandus in manchen Momenten nicht doch klarer ist, als seine Familie und das Publikum glauben, wird immer wieder offen gelassen: Ist das jetzt ein gekonnter Witz oder wirkliche Vergesslichkeit?

Anrührend: Amandus weiß, dass er sich verabschieden sollte, solange er noch die richtigen Worte dazu findet und sagt seinem Sohn und seiner Enkelin, dass er sie liebt. Der 86-jährige Ullrich wusste all das gekonnt umzusetzen. Es machte einfach Spaß, eine so große Bühnenpräsenz zu erleben. Theaterchefin Rothmaier-Szúdy hatte die Erwartungen nicht zu hoch gesetzt, als sie zu Beginn der Vorstellung Ullrich als ihren „Herzensfavoriten“ ankündigte.

Er wurde es im Verlauf des Stückes ebenfalls für Großteile des Publikums. Dabei erlag er nie der Versuchung, anderen Spielern ihren Platz in der Geschichte streitig zu machen. Eva Wiedemann spielte als Tilda an diesem Abend ein Heimspiel. Die 28-Jährige stammt aus Frauwüllesheim und studierte Schauspiel in Köln. Sie überzeugte in einer schauspielerisch sehr schwierigen Situation – in einer Abendproduktion als erwachsene Frau glaubhaft ein Kind zu spielen, das ist nicht einfach.

Kerstin Baldauf und Nikolas Knauf schafften es in den Rollen von Tildas Mutter und Vater, eine authentische Wandlung hin zu echter Hinwendung zu Tochter und Opa zu verkörpern. Diesen besonderen Theaterabend erlebten bei fast ausverkauftem Haus rund 450 Besucher.

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