„Kurs“-Partnerschaften: Auf der Suche nach geeigneten Azubis

Von: Sandra Kinkel
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Erst vor wenigen Tagen hat die Europaschule Langerwehe ihre vierte Kurspartnerschaft mit dem Autohaus Rolf Ferebauer abgeschlossen (kleines Foto). Für seinen Betrieb sucht der Unternehmer händeringend nach geeigneten Auszubildenden. Foto: privat, Stock/Sven Simon

Düren. „Es geht darum, den Schülern die Arbeitswelt näherzubringen. Und das klappt mit den ‚Kurs‘-Partnerschaften ganz hervorragend.“ „Kurs“ ist die Abkürzung für „Kooperationsnetz Unternehmen der Region und Schulen“ und steht für eine Bildungsinitiative im Regierungsbezirk Köln, die Schule und Wirtschaft besser und intensiver miteinander in Kontakt bringen möchte.

„Wir wollen den Schülern zeigen“, sagt Katharina Liedmeyer vom Zentralbüro „Kurs“ des „Instituts Unternehmen und Schule“ in Köln, „dass sie in der Schule sehr wohl etwas lernen, dass sie auch später im Leben brauchen.“ Oberstes Ziel sei nicht, ergänzt Katharina Liedmeyer, Schüler in Ausbildungsstellen zu vermitteln. „Das passiert zwar, aber über genaue Zahlen gibt es keine Erhebungen.“

Betriebe und Schulen, die eine solche Partnerschaft schließen, profitierten beide. Schüler bekommen die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren. Mitarbeiter der Betriebe erzählen im Unterricht von ihrer Arbeit. Im Gegenzug übernehmen Schülerbands oder andere musikalische Gruppen der Schulen hin und wieder die Gestaltung eines Betriebsfestes.

„Mit ,Kurs‘-Partnerschaften“, sagt Heinz Gehlen, Geschäftsführer der Industrie- und Handwerkskammer Aachen für den Bereich Berufsbildung, „gelingt es uns, den Schülerinnen und Schülern Wirtschaftspraxis und Arbeitsleben zu vermitteln.“ Als vor rund 15 Jahren mit dem Programm begonnen worden sei, habe es viel zu viele Jugendliche und viel zu wenig Ausbildungsplätze gegeben. „Heute ist das genau umgekehrt“, erklärt der IHK-Mann. „Natürlich ist es nicht das Hauptziel von Kurs, Schülern Praktikums- oder Ausbildungsplätze zu vermitteln. Aber es ist selbstverständlich ein Vehikel für Unternehmen, geeignete Auszubildende zu finden.“

Ähnlich sieht das auch Rolf Ferebauer, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Düren. Sein Unternehmen hat mittlerweile drei Kurs-Partnerschaften, nämlich mit der Hauptschule Burgauer Allee in Düren, der Berufsschule Jülich und seit wenigen Tagen mit der Europaschule Langerwehe. „Ich hoffe“, sagt Ferebauer, „dass wir näher an die Schulen rankommen. Und ich hoffe auch, dass wir auf diesem Weg geeignete Lehrlinge finden.“ Es sei sehr schwer, so Ferebauer, gute Auszubildende zu bekommen. „Ich suche gar nicht nur Einser-Kandidaten“, sagt er. „Ich suche junge Leute, die Lust haben zu arbeiten und die mitdenken können.“

Vor einigen Jahren hatte Ferebauer eine Lernpartnerschaft mit der mittlerweile geschlossenen Realschule Nord. „Da habe ich einen Schüler kennengelernt, der sehr schlechte Noten hatte, weil er zu Hause ganz massive Probleme hatte. Bei uns im Betrieb hat er gut gearbeitet, und ich habe ihm eine Chance gegeben. Es hat funktioniert. Das wünsche ich mir von ‚Kurs‘. „Es sei sehr unterschiedlich, wie die einzelnen Schulen die Partnerschaften mit Leben füllen würden. „Mit der Europaschule haben wir vereinbart, dass unsere Mechaniker in den Technikunterricht gehen und dass Schüler zu uns in den Betrieb kommen.“

Für die Langerweher Gesamtschule ist die Partnerschaft mit dem Autohaus die vierte Lernverbindung. Die Schule kooperiert bereits mit der Jülicher Wellpappenfabrik Gissler und Pass, dem Maschinenbauunternehmen Isola und der Sparkasse.

„Die Zusammenarbeit klappt hervorragend“, sagt Sieglinde Löschner-Bressem, Lehrerin an der Europaschule, die die Partnerschaften betreut. „Es ist ein Geben und Nehmen.“ Die Partner-Unternehmen seien der Schule besonders verbunden. „Und es passiert dann schon einmal, dass der Dürener Sparkassen-Vorstandsvorsitzende am Weltspartag im Wirtschaftsunterricht unserer Schule über Sparen, Zinsen und solche Dinge spricht.“

Es sei keine Seltenheit, dass Europaschüler Praktikumsplätze oder gar Ausbildungsstellen in den Partnerunternehmen der Schule bekommen.

„Das klappt regelmäßig“, sagt Sieglinde Löschner-Bressem. „Und das ist für uns natürlich auch ein wichtiger Aspekt.“ In der Jahrgangsstufe acht, erklärt die Lehrerin, müssten alle Schüler an drei Tagen drei Praktika in drei unterschiedlichen Betrieben absolvieren. „Allein für unsere Schule bedeutet das, dass wir 450 Praktikumsplätze brauchen. Die sind nicht so einfach zu finden. Aber auch dabei helfen uns unsere ‚Kurs‘-Partner.“

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